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30 Jahre Chef und kein bisschen müde

Wolfgang Bordel und die Vorpommer- sche Landesbühne – zwei Namen, die nicht zu trennen sind. Am 1. Mai vor 30 Jahren trat er seinen Job in Anklam an. Damit ist er der dienstälteste Intendant Deutschlands. Ein guter Grund, am 1. Mai ein großes Fest mit einem Umzug durch die Stadt zu geben, zu dem alle, die Lust auf gute Laune haben, eingeladen sind.
Los geht es um 10.30 Uhr am Theater. Zuvor stand der Chef Veronika Müller Rede und Antwort.

30 Jahre Intendant – was für eine Zeit für jemanden, der eigentlich doch nur zehn Jahre bleiben wollte. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?
Was man sich so alles denkt in seinem Leben. Manche werden sagen: 30 Jahre in Anklam, weiter hat er es nicht geschafft? Man muss sich entscheiden: Will ich in großen Städten spielen und berühmt werden oder bleibe ich an einem kleinen Ort und mache diesen berühmt. Letzteres, glaube ich, ist mir gelungen. Natürlich habe ich oft das Gefühl am Abgrund zu stehen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Abgrund ist so tief, dass wir immer noch am fallen sind oder wir können fliegen. Natürlich entscheide ich mich für die zweite Variante. Das heißt aber, wer fliegen will, muss in Bewegung bleiben, sonst versagt die Thermik. Also bleiben wir in Bewegung.

Die Sorge um das Theater treibt sie seit Jahren um.Haben Sie da nicht mal den Gedanken: Mir reicht es, ich schmeiß hin?
Mich tröstet, dass wir in Vorpommern sind. Es heißt ja bekanntlich: In Pommern passiert alles 100 Jahre später als anderswo. Das ist doch sehr beruhigend und verschafft uns viel Zeit.

Mit Anfang 60 haben viele schon den Ruhestand im fest Visier. Wie lange werden Sie noch aushalten?
Was soll ich sagen? Fragen Sie meine Leute, ob sie es als Drohung oder Versprecher verstehen, wenn ich ankündige: Ich bleibe noch 20 Jahre. Die Arbeit macht mir großen Spaß. Ich bin jeden Tag mit spannenden jungen Leuten zusammen. Wir lernen voneinander, ich das Überleben, sie ein wenig Schlitzohrigkeit. Ich bin guten Mutes, dass es funktioniert, wenn ich eines Tages Tschüss sage. Passiert das nicht, habe ich etwas falsch gemacht. Bis dahin genieße ich den „Jungbrunnen“ Arbeit.

Wem würden Sie Ihr
Theatererbe anvertrauen?
Jedem, der länger als zehn Jahre mit mir zusammengearbeitet hat, unter keinen Umständen einem Politiker.

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