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700 Jahre, 500 Einwohner, 1 Stargast

Beim Umzug durch die 500-Seelengemeinde zeigte sich alles, was in der 700-jährigen Geschichte des Ortes Rang, Namen und PS hatte.  FOTOs: Veronika Müller
Beim Umzug durch die 500-Seelengemeinde zeigte sich alles, was in der 700-jährigen Geschichte des Ortes Rang, Namen und PS hatte. FOTOs: Veronika Müller

VonVeronika Müller

700 Jahre Boldekow – ein guter Grund ordentlich zu feiern. Und das taten die Einwohner am Sonnabend mit viel Herz, viel Freude und noch mehr Spaß. Ein fröhlicher Tag, der mit einem großen Umzug einen würdigen Auftakt fand.

Boldekow.Lang und bunt windet sich der historische Umzug über die B 197 durchs Dorf. Autofahrer reiben sich verwundert die Augen: Sind sie in einer Zeitmaschine gelandet? Nein! Die Boldekower feiern Jubiläum – vor 700 Jahren wurde ihr Ort gegründet. Ein guter Anlass, gemeinsam ein großes Fest zu organisieren und sich an seine Anfänge zu erinnern. Viele packten mit an und am Ende entstand ein historischer Umzug mit 24 Bildern, der sich sehen und hören lassen konnte. Da war das Mittelalter mit seinen Handwerkern genauso vertreten wie gräfliche Herrschaften, die sich standesgemäß mit der Kutsche chauffieren ließen. Die „Horde“ übermütiger Schüler versuchte ein zwar streng und mit dem Zeigestock wild fuchtelnder „Herr Lehrer“ zu bändigen, aber irgendwie ohne Erfolg. Die heutige Schülerschaft ist eben doch nicht so einfach in alte Zeiten zurückzuversetzen.
Die Zuschauer jedenfalls hatten ihren Spaß mit dem bunten Zug, der auch von heute berichtete. Die moderne Landtechnik war nämlich ebenso vertreten wie die jungen Line-Dancer, die Feuerwehr, die Kita-Mäuse und natürlich die Volleyballerinnen. Einen ganz besonderen Star-Gast durften die Boldekower übrigens hoch zu Ross begrüßen: Gebhard Leberecht von Blücher, der im Siebenjährigen Krieg im August 1760 zwischen Kavelpaß und Boldekow bei einem Gefecht zwischen schwedischen und preußischen Truppen gefangen genommen wurde. Aber keine Angst, der spätere preußische Generalfeldmarschall ist nicht wiederauferstanden – Bürgermeister Holger Vogel hatte sich in den grauen Militärmantel gehüllt. „Es war schon zu allen Zeiten ein Kommen und Gehen in Boldekow, die Kriege taten ein Übriges dazu, dass die Bevölkerungzahl mal wuchs und mal abnahm – das hat sich bis heute nicht geändert.“ Ein Hinweis darauf, dass die derzeitig heftig beklagte Abwanderung vor allem junger Menschen aus der Region keine neumodische Erfindung ist.
Die Jubiläumsfeier war jedenfalls ein guter Anlass für viele der Ausgewanderten zurückzukehren in das Dorf ihrer Kindheit oder Jugend. So war immer wieder zu hören: „Bist du nicht die oder der von damals?“ Eveline Jutazenka (heute Brüß) und Silvia Lieckfeldt (Klaß) sind nur zwei von vielen, die sich nach über 30 Jahren hier wieder trafen. „1978 war es, als ich nach Schwedt ging“, sagt Eveline Brüß. „Wir sind dort glücklich, doch Boldekow ist Kindheit und Jugend, das bleibt.“ Und so wundert es nicht, dass die Ausstellung mit alten Fotos im Bürgerhaus die Menschen regelrecht magisch anzog. Und eines können sich die Boldekower sicher sein: Auf die nächsten 700 Jahre! Mindestens.

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