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Abriss droht: Liebhaber für Gutshaus dringend gesucht

Bürgermeister Holger Vogel vor dem Gutshaus in Boldekow. Er würde gerne einen Käufer finden, der das Gebäude für einen gemeinnützigen Zweck nutzen möchte. [KT_CREDIT] FOTO: Anja Rau
Bürgermeister Holger Vogel vor dem Gutshaus in Boldekow. Er würde gerne einen Käufer finden, der das Gebäude für einen gemeinnützigen Zweck nutzen möchte. [KT_CREDIT] FOTO: Anja Rau

VonAnja Rau

Ein großes Gutshaus steht zum kleinen Preis zum Verkauf, aber haben will es niemand. Die Gemeinde Boldekow zieht jetzt auch den Abriss in Betracht.

Boldekow.„Das ist ein echtes Liebhaberstück“, sagt Bürgermeister Holger Vogel und lacht. Er meint das Gutshaus – 944 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche sowie über 9700 Quadratmeter Grundstück. Erbaut wurde das Haus zwischen 1800 und 1850, war einst Schwerinscher Besitz. Doch das ist lange her, seit einiger Zeit verfällt das Haus. „Es ist traurig, wir haben immer mal wieder Interessenten, aber keiner kauft es letztendlich“, so Vogel. Erst kürzlich sei er vier Stunden mit potenziellen Käufern durch die Gemäuer gestapft – ohne Erfolg.
Probleme seien sowohl die Bausubstanz als auch die Größe des Hauses. Immerhin besteht es aus einem Haupthaus mit zwei nachträglich hinzugefügten Seitenflügeln, beide entstanden 1925. „Eine Möglichkeit ist auch, den Mittelteil abzureißen und zumindest das linke Flügelhaus – wo einst der Kindergarten beherberg war – einzeln zu verkaufen“, schlägt Vogel auf der Gemeindevertretersitzung vor. „Dann hat es eine Größe, die für Familien wirklich infrage kommt.“
Doch momentan zahlt die Gemeinde nur drauf. Um die Betriebskosten möglichst gering zu halten, wurde das Ensemble vollständig leer gezogen. Kindergarten, Gemeindebüro, Jugendclub, eine Bank sowie eine Quelle-Filiale wurden verlegt oder aufgegeben. Durch den Abriss verschiedener Holzbaracken auf dem Grundstück sowie anderen Verschönerungsarbeiten sieht die Anlage optisch deutlich besser aus als zuvor. „Es müsste aber eigentlich jeden Tag jemand kommen und die Räumlichkeiten lüften“, so Vogel. Auch die Bausubstanz werde nicht besser, bald sei eine stärkere Sicherung nötig. „Wir müssen zusehen, dass es bald eine Lösung gibt.“
Deswegen schlug er nun sogar einen Komplettabriss des Gutshauses vor. „Wie lange sollen wir noch warten, bis wir einen Antrag auf Förderung stellen?“, fragte er seine Gemeindemitglieder. Die Idee, noch das Dorffest im Juni abzuwarten, fand viele Befürworter. Letztlich werde wohl vor dem nächsten Jahr nichts passieren. Vielleicht gibt es ja doch jemanden mit ganz viel Mitleid, der das historische Gebäude kauft, hoffen die Gemeindevertreter.

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a.rau@nordkurier.de

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