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Als in Loitz die Schwerter krachten

Auch am Donnerstag gab es wieder Kämpfe in Loitz, diesmal unter den Augen des großen Gelehrten, Ortschronist Henning Rischer (links), sowie des heutigen Stadtfürsten und seiner Frau, Michael und Christina Sack. Die drei folgten der Einladung der Grundschule zum Mittelalterfest – und amüsierten sich prächtig.  FOTO: Stefan Hoeft
Auch am Donnerstag gab es wieder Kämpfe in Loitz, diesmal unter den Augen des großen Gelehrten, Ortschronist Henning Rischer (links), sowie des heutigen Stadtfürsten und seiner Frau, Michael und Christina Sack. Die drei folgten der Einladung der Grundschule zum Mittelalterfest – und amüsierten sich prächtig. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

In Kämpfen bei Loitz entschied sich einst
die Zugehörigkeit des Landstriches zu Pommern. Das erfuhren die Grundschüler des Ortes jetzt in einer ganz besonderen Heimatkunde-Stunde.
Dabei ließen sie auch
das Schloss am Fluss
wieder auferstehen.

Loitz.Als am Donnerstag ein Heer von quirligen Rittern und Bogenschützen, aber auch jede Menge Gesinde durch die Altstadt zogen, da kamen nicht umsonst Erinnerungen an die Geschichte von Loitz und seine einstige Bedeutung als Grenzpunkt zwischen Mecklenburg und Pommern auf. Denn die Grundschule stellte ihre diesjährige Kindertagsfeier ganz bewusst in ein historisches Licht, richtete sie als Mittelalterfest aus. Und mittendrin marschierte der Lokalchronist Henning Rischer, ein in Fragen zu Pommern über die Gemeindegrenzen hinaus sehr geachteter Experte.
Er verdeutlichte den jungen Leuten am Ziel des Umzugs, dem Hafen, nicht nur die Umrisse des Loitzer Schlosses, von dem lediglich alte Zeichnungen und Stiche übrig blieben. Sondern er ließ die ganze Schar auch entlang der einstigen Schlosshof-Grenzen Aufstellung nehmen. Sie entsprechen in etwa der heutigen Ausdehnung der Marina samt dem Vorplatz zum Speicher hin.
An der großen Festtafel später auf dem Schulhof tischte Rischer den Zuhörern Sagen und Anekdoten aus der Zeit des 13./14. Jahrhunderts auf. Wie zum Beispiel vom Schlossgespenst, das den Loitzern stets half, wenn sie in Not oder von Hunger bedroht waren. Solange, bis ihm ein neugieriger Küchenjunge nachts eine Falle stellte. Der Geist machte kurzen Prozess, warf den Burschen in einen Kochtopf und ward nie mehr gesehen.
Weit fundierter kamen die Schilderungen des Ortschronisten zum einstigen Kampfeslärm in und um Loitz daher. Selbst Lehrer im Ruhestand, erinnerte er an die Erbfolgekriege ums Fürstentum Rügen, die auch an der Peene ausgefochten wurden. Denn weil die Pommern das Land schnell besetzten, schickten die Mecklenburger 1325 ein Heer nach Loitz. Die Stadt selbst konnten sie erobern, Gerüchte machen Schmiergeldzahlungen an den Bürgermeister dafür verantwortlich. Doch der tapfere Ritter im Schloss und seine Mannen hielten ihre Stellung, bis der Feind wieder vertrieben war. Nicht zuletzt wohl dank der nächtlichen Versorgungsfahrten eines Greifswalder Schiffes, wie im Archiv der Universitätsstadt nachzulesen ist. Was sich dort und woanders nicht bestätigt: Den Rathauschef sollen die Loitzer als Vergeltung auf einen Scheiterhaufen gesetzt haben.
Endgültig den Pommerngreif hissen konnten die Leute im oberen Peenetal indes erst 1351, erfuhren die Grundschüler. Da trafen die Kontrahenten um die Vorherrschaft im Fürstentum bei Loitz zur entscheidenden Schlacht aufeinander. Die fand am 21. Oktober auf dem so genannten Schoppendamm statt, in etwa zwischen dem Aldi-Markt und Schwinge gelegen. Und weil der Feind so zahlreich daher kam, schickten die Pommern einen reitenden Boten nach Gützkow um Hilfe, wusste Rischer zu berichten. Vereint trugen sie den Sieg davon, doch der Graf von Gützkow sei dabei gefallen.
Für einen anderen unterhaltsamen Teil der Geschichte indes wollte der Chronist seine Hand lieber nicht ins Feuer legen: Danach fehlte der Graf eigentlich wegen seiner Hochzeit, ließ die Braut aber stehen, um sich in die Schlacht zu stürzen. Ob das an der Frau lag oder seinem Pflichtbewusstsein, wage er nicht zu vermuten, meinte Rischer schmunzelnd.

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s.hoeft@nordkurier.de

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