Nordkurier.de

Am Haff wohnt sich‘s billiger als in Greifswald

VonGabriel Kords

Für Hartz-IV-Empfänger übernimmt der Kreis die Wohnkosten. Doch wie viel dürfen die Wohnungen höchstens kosten? Das beschäftigt seit einem halben Jahr die Kreispolitik – und jetzt ist endlich ein Ende der Debatte in Sicht.

Vorpommern.Welche Ansprüche Hartz-IV-Empfänger und andere Bedürftige in Sachen Miet- und Energiekosten haben, regelt eine Richtlinie. Insgesamt zahlt der Kreis jedes Jahr 62 Millionen Euro Wohnkosten – der größte Einzelposten im 350-Million-Euro Haushalt. Die Richtlinie wollte der Kreis eigentlich schon letzten Herbst reformieren, doch der erste Entwurf war so mies, dass die Kreispolitik der Verwaltung Nachsitzen verordnete.
Und das hat sich offenbar gelohnt: „Die neue Richtlinie kann sich sehen lassen“, findet Sozialausschuss-Chef Gregor Kochhan (Grüne). Sein Ausschuss beriet als erstes Kreis-Gremium über die neue Richtlinie und geizte nicht mit Lob für die Verwaltung: „Wir haben sehr konstruktiv zusammengearbeitet“, sagt Kochhan. Doch wieso war dann der erste Richtlinien-Entwurf so mies, wenn es auch anders geht? Das kann Kreis-Sozialdezernent Dirk Scheer auch nicht so recht erklären: „Es hängt wohl auch damit zusammen, dass wir letztes Jahr durch die Kreisreform sehr viele Baustellen hatten“, sagt er.
Ein Knackpunkt der Richtlinie sind die Mietpreise. Im ersten Entwurf wurde kaum unterschieden, zwischen den Mietpreisen im ganzen Kreis: Doch kostet ein Quartier in Ueckermünde wirklich genauso viel wie in Greifswald? Nein, gibt inzwischen auch die Verwaltung zu. Im neuen Papier sind die Mietpreise daher nach Regionen gestaffelt. So werden in Ueckermünde und Umgebung künftig bis zu 4,43 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter für den kleinsten Wohnungstyp gezahlt, während es in Greifswald bis zu 4,95 Euro für denselben Typ gibt. Außerdem ist minutiös geregelt, dass der Kreis auch für bestimmte „Schönheitsreparaturen“ aufkommt, für andere aber nicht.
„Eigentlich würde ich das alles am liebsten abschaffen“, sagt Irina Rimkus (Linke), die die Bürokratie-Maschinerie für die Wohnungskostenerstattung für unmenschlich hält. „Aber da das Gesetz ja nun mal existiert, muss ich sagen: Mit der neuen Richtlinie wird es zumindest ein bisschen menschlicher.“

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×