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Amt will Rotlicht mit aller Macht ausknipsen

VonStefan Hoeft

Grünes Licht fürs Rotlicht wird es in Zarrenthin nicht geben, schon gar nicht neben der Kita. Das machen der Bürgermeister und das Jarmener Ordnungsamt klar. Und kündigen rechtliche Schritte gegen
die Verantwortlichen an.

Zarrenthin/Jarmen.„Das geht gar nicht, natürlich wollen wir das dort weghaben. Da muss etwas passieren“, unterstreicht der Bentziner Bürgermeister Hartmut Giermann gegenüber dem Nordkurier. Gemeint sind die erotischen Dienstleistungen, die seit einigen Wochen im ehemaligen Gutshaus des Ortsteils Zarrenthin angeboten werden (wir berichteten). Denn während auf der in
Privatbesitz befindlichen Gebäudeseite offenherzige Damen auf Kundschaft warten, tobt nebenan in der anderen Hälfte der Dorfnachwuchs – in der Gemeinde-Kita.
Auch wenn mancher Einwohner mit Schultern zuckt oder gar ausdrücklich kein Problem mit dieser Nachbarschaft hat, Giermann sieht klaren Handlungsbedarf und keinen Platz für Kompromisse. „So etwas gehört da nicht hin.“ Egal wie das Ganze nun offiziell betitelt oder beleuchtet werde.
Der gleichen Auffassung zeigt sich Rainer Hardt, als Leiter des Jarmener Ordnungs- und Gewerbeamtes auch für diese Art Service-
Betrieb verantwortlich. Der sei keineswegs als das angemeldet, was entsprechend einschlägiger Anzeigen und Internetportale tatsächlich dort geschieht, unterstreicht er. Das Wort Prostitution nimmt der lokale Behördenchef zwar nicht in den Mund. „Aber es ist eindeutig, worum es dort geht. Und wir werden dagegen vorgehen“, so seine Drohung.
Lustig finde er diese Angelegenheit und verirrte Kunden in der Kita längst nicht mehr. Zumal es vor geraumer Zeit schon mal ähnliche Gewerbebestrebungen der Hausbesitzer gegeben habe, die eine klare Absage vom Amt erhielten. „Dass das Gleiche jetzt mit einer anderen Verpackung geschieht, ist frech.“ Dabei gehe es überhaupt nicht um persönliche Befindlichkeiten, betont Hardt. „Wir als Verwaltung sind da nicht mit unserer privaten Meinung gefragt, wir müssen die Gesetze einhalten.“
Genau die verbieten ein Bordell oder ähnliches neben der Kita und erst recht in einem Dorf wie Zarrenthin, erklärt er. Unabhängig davon, dass Prostitution generell seit 2001 legalisiert sei. „Aber eben nur da, wo es statthaft ist.“ Und laut einer nach wie vor gültigen Landesverordnung von 1992 existiere ein Prostitutionsverbot in Orten unter 15 000 Einwohnern. So viele aber zählt nicht mal der gesamte Amtsbereich Jarmen-Tutow.
Ein Verstoß dagegen werde als Ordnungswidrigkeit gewertet, ein entsprechendes Verfahren sei bereits angeschoben. Und wenn das nicht helfe, ziehe das Ordnungsamt noch andere, schärfere Register, kündigt dessen Leiter an. „Wir werden da nicht locker lassen. Es ist unvorstellbar, dass das dort in Zarrenthin so bleibt.“

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