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Anklam aus den Augen der Polizei

Wer einmal im Polizeiauto Platz nehmen muss, wird diese Aussicht haben.  FOTOs: Denny Kleindienst
Wer einmal im Polizeiauto Platz nehmen muss, wird diese Aussicht haben. FOTOs: Denny Kleindienst

Vorpommern schläft nicht! Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Beinen – und wir bleiben 24 Stunden wach, um sie für jeweils eine Stunde zu begleiten.
Von zehn bis elf Uhr hat unser Redaktionsmitglied Denny Kleindienst Andreas Schulz und Jörg Lübke im Polizeiwagen durch Anklam begleitet. Unser Reporter war froh: Passiert ist in dieser Zeit gar nichts.

Anklam. Dafür, dass es gleich auf Verbrechersuche geht, machen Jörg Lübke und Andreas Schulz einen recht entspannten Eindruck. Statt zu Fuß drehen die beiden Kontaktbereichsbeamten heute mit dem Auto ihre Runde durch Anklam. Um zehn Uhr fahren sie los. Statt Radio läuft im Auto der Polizeifunk. Ertönt „Peene 1014“, sind sie gemeint. Das wird in der kommenden Stunde aber nicht einmal passieren. So sind die beiden auf sich gestellt und fahren einmal quer durch die Stadt – durch die Eigenheimsiedlungen, die Südstadt und die Innenstadt.

In gemächlichem Tempo rollt „Peene 1014“ über die Nebenstraßen. Die Beamten schauen nach Auffälligkeiten – Menschen, die sich ungewöhnlich verhalten, sich verdächtig machen. Die Beamten haben einen besonderen Blick auf die Stadt. „Wir schauen, wo etwas sein könnte“, sagt Andreas Schulz. Ohne Weiteres dürfen die Beamten keine Personenkontrollen vornehmen, wenn kein konkreter Haftbefehl vorliegt, muss zumindest ein Verdachtsmoment da sein. So reichte es bei einer ihrer vorherigen Kontrollfahrten aus, dass jemand Werbezettel verteilte. „In der Eigenheimgegend gab es mehrere Einbrüche in letzter Zeit“, erklärt Jörg Lübke. Die Beamten hatten den Verdacht, dass es dem Verteiler gar nicht um die Werbezettel, sondern vielmehr ums Ausspionieren der Häuser ging. Die Kontrolle bestätigte den Verdacht aber nicht. Es sei ohnehin unwahrscheinlich, Verbrecher auf frischer Tat zu ertappen. Stattdessen geht es um Abschreckung. Jörg Lübke ist überzeugt, dass ein Einbrecher von seinem Vorhaben ablässt, wenn er mit Kollege Andreas Schulz um die Ecke kommt. „Ob er auf immer davon ablässt, glaub ich nicht, aber im gegenwärtigen Moment schon.“

Viele Anklamer finden es gut, dass die Polizisten Präsenz zeigen, sind sich die beiden sicher. Der Bevölkerung gebe man damit ein Sicherheitsgefühl. „Wer Dreck am Stecken hat, sieht uns natürlich nicht so gern.“ Sie kennen die stadtbekannten Gesichter, die schon mehrere Vorstrafen haben. Es sei ihnen aber wichtig, nicht herablassend mit ihnen umzugehen – wenn es sich zum Beispiel um Alkoholiker handelt. „Respekt ist wichtig.“

Andreas Schulz ist seit 17 Jahren als Polizist in Anklam im Dienst, sein Kollege Jörg Lübke schon seit 33 Jahren, er ist gebürtiger Anklamer. „Wenn Leute einen kennen, ist es einfacher, an Informationen zu kommen.“ Kontaktscheu ist er sowieso nicht. Auf der Fahrt hält er den Wagen auch mal an, um mit Anwohnern aus dem Auto heraus zu erzählen. Einen entgegenkommenden Transporter weist der Beamte auf das kaputte Vorderlicht hin. Und da sich Anklam an diesem Morgen von seiner friedlichen Seite zeigt, haben die Beamten die Zeit, nach abgelaufenen Zulassungsplaketten an den parkenden Autos zu sehen.

Auf der Pasewalker Allee winken die Polizisten dann ein vor ihnen fahrendes Auto heraus – Fahrzeugkontrolle. Sie setzen ihre Mützen auf, ein Beamter geht zur Fahrertür des angehaltenen Wagens, der andere stellt sich auf die Seite des Beifahrers. Kontrollierender und sichernder Beamter nennt man das. Während der eine kontrolliert, hat der andere im Blick, wie die Personen im Fahrzeug reagieren. Ob sie vielleicht ein Messer oder eine Pistole ziehen. Das sei in Anklam zwar eher unwahrscheinlich, „aber man kann nie in die Menschen reinschauen“, sagt Andreas Schulz. Die Daten der Kontrollierten werden der Zentrale gemeldet. In diesem Fall liegt kein Haftbefehl vor. Das Auto kann weiter fahren. Und die Stunde im Polizeiwagen ist um.

„Peene 1014“ wird anschließend noch zwei Personen aufsuchen, für die ein Haftbefehl vorliegt. Die Polizisten sind zuversichtlich, dass das klappen wird. „Zum Verstecken ist Anklam ein bisschen klein.“

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