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Anklams Erbe im Betonschredder?

Wenn niemand die Mosaike birgt, sind sie verloren.
Wenn niemand die Mosaike birgt, sind sie verloren.

Kunst im öffentlichen Raum ist keine Erfindung des Westens, das gab es auch zu DDR-Zeiten. Hin und wieder bekam ein Neubaublock auch etwas davon ab. In Anklam war es das Eckhaus zwischen Marktostseite und Steinstraße. Die Außenfassade des Eiscafés wurde mit Backsteinreliefs von Gottfried Löffler – eines zu jener Zeit sehr gefragten Künstlers vor allem auf dem Gebiet der Keramik – gestaltet. Seit Ende der 70er Jahre prangen sie nun dort. Passanten haben sich im Laufe der Jahre so sehr an den Anblick der Sonne, des pommerschen Greif, der Kaffeetassen und der kleinen dicken Vögel gewöhnt, dass sie oftmals kaum noch wahrgenommen werden. Doch sie sind da. Noch. Mit dem bevorstehenden Abriss der Blöcke werden auch diese Kunstwerke endgültig verschwinden.
Es ist dann das zweite Mal, dass Löffler-Arbeiten in Anklam sang- und klanglos untergehen. Bereits beim Abriss der Gaststätte „Stadt Ankam“ in der Südstadt hatte niemand ein Auge und ein Herz für die schönen aus Ton und Backstein gefertigten Krüge, Schalen und Tröge. Sie schmückten jahrelang nicht nur den großen Saal des Hauses, sondern auch das so genannte Hochzeitszimmer. Hier hatte Löffler seine Objekte als „Hochzeits-Altar“ gestaltet. „So hat mein Vater das immer bezeichnet“, erinnert sich Löfflers Sohn, Christoph an jene Arbeiten. „Ich war damals sogar mal mit ihm hier, als er daran gearbeitet hat“, sagt der junge Mann, der heute ebenfalls als Künstler arbeitet. Schade sei es, dass viele Dinge, die der 1985 verstorbene Gottfried Löffler teilweise sogar mit seiner Frau Barbara geschaffen habe, nun einfach verschwinden. „Aber was können wir dagegen tun?“, fragt der Sohn, der bereits vor ein paar Jahren gemeinsam mit seinem Bruder mühevoll in Eggesin ein Werk seines Vaters geborgen hat. „Das hat sehr viel Zeit gekostet. Das können wir einfach nicht leisten.“
Darum hoffen Christoph, seine Geschwister und vor allem seine Mutter, dass es doch noch irgendwie gelingt, die Anklamer Marktplatz-Reliefs zu retten. Immerhin wurden sie speziell für Anklam in einer Backstein-Ziegelei in Erfurt nach Entwürfen von Löffler angefertigt. Teilweise hat er dort sogar selbst Hand angelegt.
Doch GWA-Chefin Susanne Bluhm sieht da wenig Hoffnung. „Das wird zu teuer. Aber wenn sich Anklamer dafür interessieren, dann sind wir gern bereit, ihnen die Erlaubnis für die Bergung zu erteilen.“ Nur ein offizieller Antrag bei der GWA müsste dafür gestellt werden. Auch im städtischen Bauamt wird die Angelegenheit mit gemischten Gefühlen gesehen. Kunst am Bau ja, aber wie bergen? Sylvia Thurow weiß ebenfalls nicht, ob es ein Chance für die Löffler-Reliefs gibt. „Wir werden prüfen, was möglich ist.“ Christoph Löffler und seiner Mutter geben noch nicht auf. Aber wenn nichts mehr zu retten ist, dann setzen sie wenigsten auf Privatleute, die die Arbeiten von Gottfried Löffler für sich sichern und irgendwie nutzen wollen. „Alles ist besser als der Betonschredder.“

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