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Auf Landratte Hermann ist für die Segler Verlass

„Luftschiffe“ im Loitzer Hafen: Insgesamt 17 Boote hievte ein Schwerlastkran am Sonnabend in die Peene. Schließlich wollen die Wassersportler in die neue Saison starten.
„Luftschiffe“ im Loitzer Hafen: Insgesamt 17 Boote hievte ein Schwerlastkran am Sonnabend in die Peene. Schließlich wollen die Wassersportler in die neue Saison starten.

VonStefan Hoeft

Wenn die Loitzer Wasser- sportler zum Kranen rufen, geht das nicht ohne freiwillige Helfer. Einer ist seit Jahren Hermann Allert, eine überzeugte Landratte. Bekannt für seine Ruhe, zuckelt er per Traktor die Flotte sicher zum Hafen.

Loitz.Eigentlich hätte Hermann Allert seinen Sonnabend auf dem Acker des Gutes Loitz verbringen müssen. Schließlich hat die Landwirtschaft einiges nachzuholen nach dem langen Winter, und der 56-Jährige ist eine feste Größe im Betrieb. Er gehört sozusagen zum Inventar, begann dort 1971 schon seine Lehre zum Agrotechniker, einem DDR-typischen Beruf. Trotzdem „schwänzte“ der Vorpommer diesmal die Feldarbeit und bekam von seinem Chef Frank Austinat obendrein sogar den alten Tschechen „Zetor“ mit. Denn Allert und der noch aus sozialistischen Tagen stammende Traktor wurden am Sonnabend sehnsüchtig bei den Loitzer Wassersportlern erwartet, die wie jedes Jahr um diese Zeit ihre großen Boote per Schwerlastkran in die Peene hieven lassen wollten.
Vorher allerdings müssen die meist mehrere Tonnen schweren Kähne samt fahrbahrem Untersatz aus ihrem Winterquartier zum Hafen transportiert werden. Und die kleine, aber kräftige und wendige Zugmaschine vom Gut wirkt dafür wie die Idealbesetzung, insbesondere mit Allert hinterm Steuer. Während die Wassersportler schon mal aufs Tempo drücken, weil alles ganz rasch gehen soll, hält der 56-Jährige die Wogen flach, hat immer ein Lächeln parat und keinen Hang zu übertriebener Eile. Soll doch alles heil raus- und ankommen. „Ich lass mich da nicht aus der Ruhe bringen.“
Damit der Kran nicht pausieren muss, gehören seit Jahren zwei weitere Loitzer zum Transport-Team: Unternehmer Karsten Grube mit dem firmeneigenen Laster und der Brunnenbauer Frank Wegner aus Voßbäk mit seinem alten LO-Robur. Ohne diese drei Männer wäre das Einkranen kaum vorstellbar, meint Jörg Wittmann, Sprecher des Seglervereins, gegenüber dem Nordkurier. Diesmal seien es 17 Schiffe, die eines nach dem andere unter den Blicken zahlreicher Schaulustiger einschweben.
Von Hermann Allert ist keines dabei, er hat nie ein Boot besessen, wohnt immer noch im „Neubau“ unweit seines Betriebes. „Nee, so viel Geld hab‘ ich nicht“, meint der Loitzer lachend. Neid allerdings braucht niemand zu fürchten, denn der Agrotechniker hätte für so ein Hobby gar keine Zeit, und erst recht keine Lust. Schon so manches Mal bot ihm einer der Kapitäne eine Tour auf der Peene an, verrät er Nordkurier. Allert lehnte immer ab und wird wohl auch künftig dabei bleiben: „Ich will gar nicht. Ich sage immer, Wasser hat keine Balken. An Land fühle ich mich wohler.“ Er ist eben eine echte Landratte.
Der Verein kann sich trotzdem weiter auf seine Hilfe verlassen, auch wenn das sein ganzes Wochenende kostet, meint der Loitzer. Schließlich gilt für sein Arbeitspensum beim Gut „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. Deshalb steuerte der 56-Jährige statt Sonnabend nun am gestrigen Sonntag das Feld an – an seinem eigentlich freien Tag.

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