Nordkurier.de

Bücher, Blumen, „Pöbeleien“

Neben der Jugendweihe-Urkunde bekam jeder Teilnehmer auch Blumen sowie ein Buch überreicht. Über 80 Jugendliche feiern in diesem Jahr allein in Anklam den Übertritt ins Erwachsenenleben.  FOTOs: Anja Rau
Neben der Jugendweihe-Urkunde bekam jeder Teilnehmer auch Blumen sowie ein Buch überreicht. Über 80 Jugendliche feiern in diesem Jahr allein in Anklam den Übertritt ins Erwachsenenleben. FOTOs: Anja Rau

VonAnja Rau

Mädchen und Jungen in Kleid und Anzug, aufgeregte Eltern und Großeltern.
Eine Landrätin, die nach der Hälfte ihrer Rede beginnt, die Jugendlichen zu siezen.
Es ist Jugendweihe-Zeit.

Anklam.Die Aufregung war zu spüren, obwohl die Jugendlichen noch gar nicht zu sehen waren. Hinter der Tür aber standen die Münder nicht still. Ganz festlich und gesittet marschierten sie dann aber in den dekorierten Theatersaal von Anklam. Festliche Kleider in allen Farben, die Jungs meist im Anzug – die stolzen Eltern strahlten ob ihrer hübschen Kinder.
Landrätin Barbara Syrbe sorgte mit ihrer Festrede für Begeisterung, gerade bei den älteren Angehörigen. „Sie hat den Ton getroffen. Ich bin ganz begeistert“, sagte eine Oma, die zur Jugendweihe aus Brandenburg angereist war. Schon Sokrates prangerte an, dass die Jugend keinen Anstand mehr hat. Das bleibe wohl immer gleich, sagte Syrbe. Vielmehr sollten die Jugendlichen akzeptieren, dass „andere anders sind als wir selbst“, so die Landrätin. Mitten in der Rede wechselte sie vom Du zum Sie, das gehöre ab sofort zur Respektierung der Persönlichkeit dazu. Und dennoch seien die Eltern weiterhin ein wichtiger Ansprechpartner. „Erziehung ist 90 Prozent Liebe und zehn Prozent Konsequenz“, sagte sie.
Als plötzlich eine sehr strenge Lehrerin den Saal stürmte und über die heutige Jugend klagte, gab es aus dem Publikum viele Lacher. „Wenn es so weiter geht, gibt es bald nur noch zwei Schultypen: Gymnasium und Knast“ oder „Früher gab es noch Lehrerwitze, heute lacht man direkt über uns“, sind nur zwei Kostproben. Ganz so schlimm ist es hoffentlich noch nicht, sagte Organisatorin Silvia Myrach zu den Jugendlichen in den ersten Reihen. Denn die Lehrerin war Birgit Lenz von der Vorpommerschen Landesbühne. „Ich war auch Lehrerin, ich fand das große Klasse“, sagte eine sichtlich amüsierte Großmutter anschließend.
Mit der Jugendweihe-Urkunde bekamen die Mädchen und Jungen schließlich ihren „Freifahrtschein in die Welt der Erwachsenen“ überreicht. So nannte es zumindest die Organisatorin vom Jugendweiheverein. Bei den Eltern sorgte sie dabei für einige Wehmutstränen. „Zum Glück ist es erst die erste meiner Töchter, die heute Jugendweihe feiert“, sagte eine berührte Mutter.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×