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BUND-Chef: Stall-Giganten überfordern die Behörden

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Spreemann

Der Umweltschützer
warnt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in der
Land- wirtschaft durch ent- stehende Riesen-Anlagen.

Alt Tellin.„Ferkel werden hier hergestellt wie Industrieprodukte“, kritisiert Hubert Wieger. Mit der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin werde eine neue Dimension bei der fabrikmäßigen Schweinehaltung in Europa erreicht, warnt der Bundesvorsitzende des BUND. Pro Jahr würden, werde eine bereits geplante Erweiterung umgesetzt, 360000 Ferkel produziert. „Hocheffizient natürlich. Damit werden die Preise weiter gedrückt. Das kann schnell andere Schweinehalter in wirtschaftliche Schwierigkeiten stürzen“, fürchtet er bei einem Besuch im Tollensetal. Dass führe dazu, dass wenigen Arbeitsplätzen, die in Alt Tellin entstanden seien, anderswo viel größere Verluste an Jobs gegenüber stünden.
Aus seiner Sicht führen besonders große Ställe zur Senkung von Umwelt- und Tierschutzstandards. „Größenordnungen wie die Sauenanlage Alt Tellin oder die Schweinemastanlage Medow in der Nähe überfordern Genehmigungs- und Überwachungsbehörden“, meint Wieger. Es sei unmöglich, Tiere ohne Leiden und Schmerzen zuhalten. Entzündungen seien die Folge, die durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika bekämpft würden.
„Mecklenburg-Vorpommern entwickelt sich zum Eldorado für Agrarflüchtlinge“, zieht der BUND-Chef vom Leder. Damit spielt auf Adrian Straathof, den holländischen Investor in Alt Tellin an. Während die Niederlande mittlerweile Mengenbegrenzungen beim Tierbesatz einführen würden, gebe es in Deutschland keinerlei Bremse. Ungezügeltes Wachstum schädige aber die Atemluft und das Grundwasser. Die Folgekosten trage dann die Allgemeinheit.
Obwohl Alt Tellin bereits in Betrieb sei, klage der BUND beim Verwaltungsgericht in Greifswald gegen die im September 2010 erteilte Genehmigung für Anlage mit knapp 40 000 Tierplätzen gleichzeitig. „Das ist für uns ein Musterverfahren für ganz Deutschland“, erklärt Wieger. Die Ferkelfabrik führe unter anderem durch Luftschadstoffe zu Überschreitungen von Grenzwerten in anliegenden Naturräumen. Der untersuchte Radius von 1000 Metern sei zu klein, um die Auswirkungen auf nahegelegenen Europäische Schutzgebiete überprüfen zu können.
Zudem seien unzutreffende Wetterdaten der Stationen Neubrandenburg und Greifswald verwendet worden. Der zusätzlich in die Umwelt abgegebene Stickstoff aus Alt Tellin könne bis in die Ostsee gelangen – an den mit Millionen-Investitionen gebauten Kläranlagen vorbei. Auch wenn die Tierkonzentration im Nordosten tatsächlich geringer als im Westen sei, komme es entscheidend auf die Konzentration an einem Ort an, findet Weiger.

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