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Bürokraten, diese Zukunft habt ihr nicht verbaut!

VonClaudia Müller

Als wir diese Geschichte brachten, haben sich viele Leser maßlos geärgert: Da gibt es endlich mal junge Leute, die hierher ziehen und bauen wollen, und dann legen sich die Behörden quer. Stefanie Knötzel und Matthias Kühl – sie gaben nicht auf, viele setzten sich für sie ein, und jetzt kann aus ihrem Traum doch noch Realität werden.

Wolfradshof/Vorpommern.Die Bauvorschriften für kleine Dörfer hätten Stefanie Knötzel und Matthias Kühl beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das junge Paar träumte von einem Leben auf dem Land und nahe der Familie; wollte dafür aus Schleswig-Holstein nach Vorpommern zurückkehren. Im Schmatziner Ortsteil Wolfradshof hatten sie bereits ein altes Haus gekauft – gleich neben dem Grundstück von Stefanie Knötzels Eltern.
Doch bei der Bauvoranfrage für Abriss und Neubau erlebten sie eine böse Überraschung: Das Dorf gilt ebenso wie viele andere in der Region als Splittersiedlung – die zuständigen Baubehörden lehnten daher einen Neubau ab. Denn Splittersiedlungen sollen eigentlich irgendwann von der Bildfläche verschwinden und nicht durch Neubauten auf Dauer am Leben gehalten werden. Vor einem Jahr waren die jungen Leute daher sehr enttäuscht und ratlos (wir berichteten). Und Bürgermeister Klaus Brandt ärgerte sich schwarz, dass der von allen gewünschte Zuzug von jungen Leuten durch das Baugesetzbuch verhindert wird. Doch mittlerweile sieht es anders aus. Stefanie Knötzel und Matthias Kühl hoffen, dass sie im nächsten Frühjahr mit den Bauarbeiten für ihr neues Zuhause in Wolfradshof beginnen können.
Die Gemeindevertretung Schmatzin hat dafür dieser Tage die Weichen gestellt. Die Abgeordneten haben grünes Licht gegeben, damit für den Ortsteil Wolfradshof eine so gennannte Außenbereichssatzung erarbeitet werden kann. Die Planer erarbeiten dabei ein Konzept für die weitere geordnete Entwicklung des Ortsteils. Gleichzeitig werden mit der Satzung die Voraussetzungen für Lückenbebauungen geschaffen. Das Planungsbüro schätzt ein, dass auf diese Weise Baurecht für rund zehn Grundstücke geschaffen werden kann – darunter auch für das von Stefanie Knötzel und Matthias Kühl. Da man aber noch ganz am Anfang stehe, könne sich die Anzahl der Parzellen allerdings auch noch leicht verschieben, hieß es von Seiten des Planungsbüros. Baugrundstücke kann man zwar kleiner oder größer zuschneiden. Die Gemeinde will die Satzung aber so gestaltet wissen, dass die Grundstücke für Liebhaber des Landlebens interessant sind und genug Platz für Gartenbau sowie Kleintierhaltung bieten, sagte Klaus Brandt.
Die Kommune wird selbst in Wolfradshof ein Baugrundstück anbieten können, wenn die Satzung perfekt ist. „Wir wollen, dass sich Leute auf dem Land ansiedeln und nicht nur wegziehen – schön, dass es auch dank der Beiträge im Nordkurier in Wolfradshof nun doch noch klappt“, sagt der Bürgermeister. Bekanntlich hatte das Bauamt des Landkreises nach der Anfrage unserer Redaktion den Fall Wolfradshof umfassend geprüft und festgestellt, dass für dieses Dorf eine Ausnahme möglich wäre, wenn eine Außenbereichssatzung erstellt wird. Und die kommt ja nun und wird voraussichtlich bis zum Jahresende fertig sein.
Stefanie Knötzel und Matthias Kühl sind darüber sehr glücklich. Die Verwaltungsfachangestellte schaut sich jetzt nach einer ähnlichen Tätigkeit in Vorpommern um. Ihr Freund, Hochbautechniker von Beruf, ist bereits nach Wolfradshof umgesiedelt, nachdem ihm in einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Gemeinde eine Stelle angeboten wurde. „Ich mache jetzt statt Bau Ackerbau“, erzählt der 26-Jährige. Und er kümmert sich um die Schafe, die er nun halten kann: Sieben sind es bisher, aber es sollen noch mehr werden, wenn der Traum vom Landleben in Wolfradshof wahr wird.

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