Nordkurier.de

Butzower Mord: Der Sohn sucht seinen Seelenfrieden

Das Mordopfer von Butzow, Karl-Heinz L., war ein begnadeter Handwerker, doch dem Alkohol verfallen. Sein Sohn hat die Umstände der Bluttat bis heute nicht verwunden.  FOTO: ZVG
Das Mordopfer von Butzow, Karl-Heinz L., war ein begnadeter Handwerker, doch dem Alkohol verfallen. Sein Sohn hat die Umstände der Bluttat bis heute nicht verwunden. FOTO: ZVG

VonJörg Foetzke

Für Mario (Name von der Redaktion geändert) war es wie ein Gang durch die Hölle: Sein Vater wird ermordet und er verdächtigt. Dann soll der Freund der Schwester die Bluttat von Butzow verübt haben. Der 39-jährige Mann befindet sich immer noch im psychischen Ausnahmezustand.

Butzow.Noch immer fällt es Mario schwer, in das Haus seines Vaters zu gehen. Vor allem im Flur drohen die Gefühle den 39-Jährigen immer wieder zu übermannen. Dort fand man seinen Vater Karl-Heinz an einem Morgen Anfang Oktober vergangenen Jahres im eigenen Blut liegend, ermordet durch mehrere Messerstiche. Es ist nicht nur diese Tat allein, die Mario in ein Seelen-Chaos stürzte. Dass die eigene Schwester ihn belog, obwohl sie in die Bluttat involviert war, und dass die Familie letztendlich auseinanderbrach, macht ihn ebenso zu schaffen.
Als er von den Tagen im vergangenen Oktober erzählt, wird der Blick des
39-Jährigen, der selbst zweifacher Vater ist, starr, und er hat einen harten Zug um den Mund: Er sei mit seiner Frau in einer Grillbar essen gewesen, als seine Schwester mit dem Auto auf der Straße hielt und ihm zurief: „Du bist Halbwaise.“
Wenig später wurde Mario von der Polizei vorgeladen. Vier Stunden habe die
Vernehmung gedauert, Fingerabdrücke wurden genommen. „Sie haben es zwar nicht so gesagt, aber verdächtigt haben sie mich schon“, erinnert sich der Anklamer. Er selbst verkraftet alles nicht so einfach, wird krank. Vor allem fragt er sich, wie seine Schwester ihn so belügen konnte, bis am Ende doch alles ans Licht kam. „Sie werden sich noch wundern“, habe eine Polizistin nach seiner letzten Vernehmung zu ihm gesagt.
Im März dann die Aufklärung des Falls: Der Freund der Schwester gestand die Tat und die Schwester war offenbar daran beteiligt. Ihr Motiv soll der Missbrauch des Mädchens durch den eigenen Vater gewesen sein. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Mario. Mit der Schwester hat er danach gebrochen. „Ich will mit ihr nichts mehr zu tun haben“, sagt er. Doch so verlor er auch den Kontakt zur Mutter, die weiter zu der jungen Frau hält.

Ein einfacher Mensch war der Vater bestimmt nicht
Zu seinem Vater hatte Mario kein ungetrübtes Verhältnis: „Handwerklich habe ich sehr viel von ihm gelernt, doch es gab oft Streit, wenn er trank.“ In den Wendezeiten sei die Familie in das Butzower Haus gezogen. Ihrem Glück stand eigentlich nichts entgegen. Das Haus bot viel Platz, rundherum ein großer Garten. Der Vater als Elektriker hatte goldene Hände.
Doch irgendwann verfiel er dem Alkohol. Warum, weiß niemand. „Wir haben auch nie darüber gesprochen“, sagt Mario. Und wenn der Vater sich in den Rausch getrunken hatte, wurde er streitsüchtig und gewalttätig. Das trieb 1996 Marios Mutter aus dem Haus und auch die spätere Lebensgefährtin verließ den Vater aus diesem Grund. Nein, ein einfacher Mensch war der Vater wirklich nicht. Doch dieses Ende hatte er nicht verdient.
Das Haus erinnert Mario an die blutige Tat und als Erbe gehört es ihm sogar. Regelmäßig fährt er nach Butzow, mäht den Rasen, lüftet das Haus. Doch es kostet ihn Überwindung: „Hier wohnen könnte ich nicht“, sagt er. Mario will es verkaufen, mit einem Bekannten sei er schon handelseinig, lediglich die Finanzierung müsse geklärt werden.
Ein Wiedersehen mit seiner Schwester wird es für Mario geben. Im Gerichtssaal. „Zum Prozess werde ich ganz sicher fahren“, sagt er. Denn da sind Fragen offen, die ihn wohl noch lange verfolgen werden. Wie von der Staatsanwaltschaft zu erfahren war, sind die Ermittlungen abgeschlossen. Die Anklage soll in den nächsten Tagen zugestellt werden. Dann wird auch der Prozessbeginn nicht lange auf sich warten lassen.

Kontakt zum Autor
j.foetzke@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×