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Damals wie heute: Es wird gefeiert!

Imke Maibohm und Annemarie Wendt feiern heute ihre Jugendweihe. Mit ihren Freunden lassen sie den Abend gemütlich ausklingen.  FOTOs: Anja Rau
Imke Maibohm und Annemarie Wendt feiern heute ihre Jugendweihe. Mit ihren Freunden lassen sie den Abend gemütlich ausklingen. FOTOs: Anja Rau

VonAnja Rau

Jugendweihe 1984 und 2013. Dazwischen liegen 29 Jahre. In der Welt ist viel passiert. Doch haben sich auch die Traditionen gewandelt? Eines steht fest: Man trägt ganz dick auf.

Anklam.Heute ist es wieder soweit: Anklams Jugend feiert ihr Erwachsenwerden. 85 Mädchen und Jungen haben sich zur diesjährigen Feier angemeldet, sagt die Organisatorin des Jugendweihe-Vereins, Silvia Myrach.
Imke Maibohm und Annemarie Wendt sind zwei von ihnen. Die beiden Freundinnen haben am Mittwoch bereits geprobt, wie die richtige Aufstellung im Theater funktioniert. Schließlich soll heute nichts schiefgehen. An diese Probe kann sich auch Dana Sander erinnern, noch besser aber natürlich an die Feier selbst. „Das war eine Massenabfertigung. 10 bis 15 Mann sind zusammen auf die Bühne; Blume bekommen; und wieder runter“, sagt sie. Das ist mittlerweile 29 Jahre her. Damals war ihr das ganze Procedere völlig egal. Genauso wie der Eid auf die DDR: „Wir haben uns das gar nicht durchgelesen, nur einmal aufgesagt.“ Auch das, was sie sozialistisches Geplänkel nennt, hat während der Feier nicht gestört. „Wir fanden uns schick und toll – und das war wichtig.“
Allerdings wurden sie und ihre Klassenkameraden anschließend von der Lehrerin gesiezt. Etwas, woran Imke und Annemarie nicht denken. „Man ist ja trotzdem noch Jugendliche und verändert sich nicht auf einmal“, sagt Imke. Dass es deswegen plötzlich förmlicher zugeht, mag sie nicht glauben.
Man wird erwachsen, aber gewürdigt wird das sonst nicht, sagt Silvia Myrach. Deswegen gibt es die Tradition der Jugendweihe. Passend dazu bietet ihr Verein offene Jugendarbeit an. Die Themen sind ganz verschieden: Von Ausflügen zum Kletterwald über Suchtprävention bis hin zu Familienberatung. Verpflichtend ist nichts davon. Imke wollte zum Beispiel gern mit auf die Paris-Reise, aber es geht mit der Klasse in diesem Jahr noch nach Hamburg. „Man kann ja nicht alles haben“, sagt sie lapidar.
„Die Kurse waren ein freiwilliges Muss“, sagt Dana Sander über ihre damaligen Erfahrungen. Der Besuch des Konzentrationslagers Ravensbrück hat ihr ein nachhaltiges Trauma verursacht. Noch heute schüttelt es sie, wenn sie daran denkt, wie sie als Jugendliche völlig unvorbereitet mit diesem Thema konfrontiert worden ist.
Viel schönere Erinnerungen hat sie aber an die abschließende Familienfeier. „Wir sind Mittagessen gegangen, dann wurde zuhause alles ausgeräumt und ein großes Buffet aufgebaut und richtig gefeiert“, erzählt sie. Imke wird ihren Tag dagegen bei einer Kutschfahrt auf der Insel genießen. „Die Idee hatte meine Mutter und ich fand sie gut.“ Außerdem weiß sie schon, dass ihre drei älteren Brüder für sie zusammengelegt haben. Schuhe, die sie sich lange gewünscht hat, wird sie heute Nachmittag stolz tragen. Dana Sander kann sich an eine Uhr erinnern, die es gab. Und Geld: „Davon habe ich einen Kassettenrekorder gekauft. Der war richtig teuer.“
Und so ist die Jugendweihe zwar der inoffizielle Übertritt in die Welt der Erwachsenen. Bis Imke und Annemarie mehr Rechte bekommen, dauert es aber noch ein bisschen. Für sie ist die Jugendweihe daher eher ein „Ereignis für Zwischendurch“ – ein schönes allerdings. Deswegen hat Imke auch gleich drei Kleider gekauft, ehe sie sich für das richtige entscheiden konnte. Ein schöner Tag, an den sich Dana Sander immer wieder gern erinnert. Als Mutter kann sie es heute zudem aus anderer Sicht beurteilen. Schließlich hat sie selbst einen Sohn und eine Tochter, die bereits ihre Jugendweihe gefeiert haben.

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