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Darf Jarmens Feuerwehrauto endlich aus der Garage raus?

Beim Amtsausscheid vor einem Jahr in Schmarsow erlebte der neue Jarmener Einsatzleitwagen seinen ersten und bisher letzten offiziellen Auftritt – nicht umsonst nur mit roten Kennzeichen. Denn danach verschwand er für ein Jahr in der Garage, weil die Papiere fehlten, um ihn anmelden zu können.  FOTO: Stefan Hoeft
Beim Amtsausscheid vor einem Jahr in Schmarsow erlebte der neue Jarmener Einsatzleitwagen seinen ersten und bisher letzten offiziellen Auftritt – nicht umsonst nur mit roten Kennzeichen. Denn danach verschwand er für ein Jahr in der Garage, weil die Papiere fehlten, um ihn anmelden zu können. FOTO: Stefan Hoeft

Von Stefan Hoeft

Wenn alles klappt, endet diese Woche die unglaublich klingende Geschichte
um das Jarmener Feuerwehrauto, das nicht ausrücken darf. Allerdings zahlt die Stadt dafür zähneknirschend einiges drauf, auch wenn sie das mehr als unfair findet.

Jarmen. Beim Amtsausscheid am Sonnabend in Zarrenthin könnten die Feuerwehrleute des Amtsbereiches Jarmen-Tutow ein Déjà-vu-Erlebnis bekommen. Denn zu ihrem Wettkampf vor einem Jahr in Schmarsow hatte der neue Einsatzleitwagen der Peene-städter Löschtruppe seinen ersten und bisher letzten offiziellen Auftritt. Und nun soll er dort erneut aufkreuzen – dann endlich mit richtigen Nummernschildern und nicht roten Überführungskennzeichen. Bisher stand sich das Fahrzeug ungenutzt die Räder in den Bauch, obwohl es das modernste seiner Art im Peenetal sein dürfte.

Hintergrund ist ein Streit, der nach der Insolvenz der Ausrüsterfirma im Mai 2012 die Jarmener denken ließ, sie seien im falschen Film. Zwar überwiesen die Vorpommern den Kaufpreis von 88000 Euro und holten den Wagen danach Ende April an die Peene. Doch fehlte der Kfz-Brief. Der Insolvenzverwalter unterstellte, sie hätten das so schnell vollzogen, weil sie von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten wussten. Er erkannte den Besitzerwechsel nicht an, wollte weiteres Geld. Und dies, obwohl sich die Papiere gar nicht in seiner Hand befanden, sondern bei jener Mercedes-Firma, die das Fahrgestell geliefert hatte und auf ihr Geld wartete.

Eigentlich wollte die Stadt das Ganze bis zum Ende durchklagen und den Insolvenzverwalter auflaufen lassen. Doch Recht zu bekommen, könnte noch lange dauern und letztlich sei es vor Gericht nie sicher, seine Ziele zu erreichen, verdeutlicht Rainer Hardt, Ordnungsamtsleiter und Vizebürgermeister. Daher hätten sich Verwaltung und Stadtvertretung schweren Herzens und mit einiger Wut im Bauch entschlossen, einem Ende Januar vorgeschlagenen Vergleich zuzustimmen: Die Stadt zahlt weitere 25000 Euro – die der Herstellerfirma fehlenden 20000 Euro und weitere 5000 Euro an den Insolvenzverwalter.

Der indes wollte anscheinend noch mehr rausschlagen, stellte die Einigung in Frage, so Hardt. Durch das Hin und Her sowie Krankheitsfälle bei Gericht verschob sich der Abschluss des Deals nun bis in den Mai. „Man kann es kaum fassen“, kommentiert der Vizebürgermeister. Zumal es bei der ursprünglichen Übereinkunft blieb. Die Papiere liegen mittlerweile bei einer Greifswalder Kanzlei, die Stadt habe die 25000 Euro noch vor Pfingsten überwiesen. „Jetzt warten wir drauf, dass das Geld beim Insolvenzverwalter eintrifft. Kommt von dort das ok, kann uns der Anwalt den Fahrzeugbrief aushändigen.“ Und dann soll es sofort zur Zulassungsstelle gehen, um den ELW noch vorm Wochenende zuzulassen – rechtzeitig für einen Auftritt beim Amtsausscheid. Aber auch wenn nicht, dürfte der Wagen vor Ort sein, dann wohl zum letzten Mal mit der ungeliebten roten Zahlenreihe.

In gewisser Weise habe sich die Kommune hier erpressen lassen, räumt der Ordnungsamtsleiter ein, und zahle eigentlich zweimal. Doch der Kleinbus mit seiner Spezialausrüstung werde dringend gebraucht im Amtsbereich, da wollte niemand noch länger warten. Und ihm ist durchaus bewusst, dass es hinter vorgehaltener Hand einiges an Spott zu hören gibt. „Aber das wird uns sicher kein zweites Mal passieren, in Vorleistung werden wir nicht mehr gehen.“

Unterm Strich werde das von Jarmen selbst aufzubringende Lehrgeld obendrein wohl nur einen Teil der Summe beinhalten. Schließlich könnte hier die Vermögensschadensversicherung der Kommune greifen, so dass die Stadtkasse vielleicht höchstens die 5000 Euro für den Insolvenzverwalter zu tragen brauche.

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