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„Der gute Mann hat gute Eier“

Bei Eierverkäufer Werner Altmann stehen die Menschen Mittwochs Schlange. Viele wollen wissen, woher die Eier kommen und bezahlen dafür lieber etwas mehr.  FOTOs: Denny Kleindienst/großes Foto: Gabriel Kords
Bei Eierverkäufer Werner Altmann stehen die Menschen Mittwochs Schlange. Viele wollen wissen, woher die Eier kommen und bezahlen dafür lieber etwas mehr. FOTOs: Denny Kleindienst/großes Foto: Gabriel Kords

Vorpommern schläft nicht! Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Beinen – und wir bleiben 24 Stunden wach, um sie für jeweils eine Stunde zu begleiten.
Von elf bis zwölf Uhr hat unser Redaktionsmitglied
Denny Kleindienstden Anklamer Wochenmarkt unter die Lupe genommen. Sein Fazit: Nichts ist schöner als die Beständigkeit!

Anklam.Jeden Mittwoch verwandelt sich der Anklamer Markt zum Verkaufsareal. Dann umzingeln plötzlich mobile Stände den Platz vor dem Rathaus. Wer einmal da war, kennt das Angebot im Grunde schon – die zahlreichen Händler halten dem Anklamer Wochenmarkt die Treue. Dass die Abwechslung da ein wenig auf der Strecke bleibt, macht weiter nichts.
Es ist schließlich auch mal schön, wenn man sich auf etwas verlassen kann. Wenn man zum Beispiel wie Kurt Nickelt weiß, dass es an diesem Tag wieder frische Eier gibt. Er steht am Stand von Werner Altmann und sagt: „Der gute Mann hat gute Eier.“ Im Supermarkt würde er keine kaufen. Zwar bezahlt Kurt Nickelt auf dem Markt etwas mehr, dafür weiß er, woher die Ware kommt. „Das ist es mir wert.“ Auch der Wochenmarkt hat eben seine Stammkunden. Viele Ältere, die mit dem Bus nach Anklam kommen, legen sich ihre Arztbesuche und sonstigen Termine bewusst auf den Mittwoch, um noch auf dem Markt einkaufen zu können.
Das weiß auch Reinhild Henning. „Wenn in den Ferien keine Busse fahren, ist es schon schwieriger für uns“, sagt die Händlerin, die Textilien und Kleidung auf dem Markt anbietet. Auf dem Verkaufstisch vor ihr liegen Schlafanzüge, Unterhemden und Blusen. Ihre Ware in einem eigenen Geschäft zu verkaufen, daran hat sie kein Interesse. Sie ist überzeugte Markthändlerin und setzt lieber auf die Laufkundschaft. „So ist es lockerer.“
Jörg Drews bietet ein paar Meter weiter Kurzware an. Fachgeschäfte gebe es dafür kaum noch, sagt er. Und man wird wirklich lange suchen müssen, um einen Laden zu finden, der all diese nützlichen kleinen Produkte im Ein-Euro-Bereich auf Lager hat. Das Angebot des Händlers reicht von Stopfgarn und Reißverschluss bis zum Flaschenöffner. Alles verteilt auf kleine Fächer, die nebeneinander gestellt zwei lange Tische füllen. Ein Mann, der nur auf der Durchreise ist, vertreibt sich gerade die Zeit auf dem Markt und kauft noch eine Eieruhr bei Jörg Drews. Der Händler freut sich über den Frühling, da lassen sich die Leute beim Bummeln mehr Zeit. „Das Wetter spielt eine große Mandoline für uns“, sagt er. Neben dem Busverkehr hängt es vor allem von Regen und Sonne ab, wie viel Leute zum Markttag kommen.
Und nicht jeder will auch etwas kaufen. Der Markttag ist prima geeignet, um sich mal wieder auszutauschen. Kommt man am Stand von Edeltraud Honig an, ist man schnell im Gespräch. Die Floristin hat an diesem Tag eine bunte Strickmütze auf, die farbenfrohste auf dem ganzen Markt. Sie sei schon oft darauf angesprochen worden, habe sie aber nicht selbst gemacht, sondern in Peru gekauft, sagt sie und erzählt weiter von Armut in Dritte-Welt-Ländern und geizigen Westeuropäern. Man hört ihr gern zu und überlegt am Ende, vielleicht doch ein Blumengesteck zu kaufen.
Nach einer Stunde und einem Stop an fast jedem Stand, hat man das Anklamer Markttreiben einmal in aller Ruhe durchlaufen. Passend zur Mittagszeit um 12 Uhr wird noch eine Krakauer Wurst am Stand von Thomas Walker gekauft, der natürlich auch jeden Mittwoch hier steht. Genau wie die Schlange mit Stammkunden vor seinem Grill.

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