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Der Neue ist top, der Alte schrottreif

Dieser Mercedes ist jetzt der ganze Stolz der Neu Kosenower Wehr. Und ebenso stolz ist das Kennzeichen: Erst „ANK“, dann „NK“ für Neu Kosenow und dann noch die Notrufnummer.
Dieser Mercedes ist jetzt der ganze Stolz der Neu Kosenower Wehr. Und ebenso stolz ist das Kennzeichen: Erst „ANK“, dann „NK“ für Neu Kosenow und dann noch die Notrufnummer.

VonGabriel Kords

Da hat Neu Kosenow noch mal richtig Glück gehabt:
Der neue Feuerwehrwagen kam gerade rechtzeitig, bevor der alte schrottreif war. Und es ist der vorerst letzte, für den es Förderung vom Kreis gab. Doch was, wenn irgendwo das nächste Feuerwehrauto kaputt geht?

Neu Kosenow.So eine Feuerwehrauto-Übergabe gehört wahrlich zu den angenehmeren Seiten des Gemeindevertreter-Daseins. Und frei nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ unterbrachen die Neu Kosenower ihre Sitzung nach der Übergabe erst einmal, um die Sache auch zünftig mit Schnittchen und Kaffee zu feiern. Denn das neue Auto dient künftig nicht nur den Neu Kosenowern zur Rettung in letzter Minute, sondern war für die Wehr ebenfalls eine Rettung: Der alte Wagen aus dem Jahr 1978 war durchgerostet. „Eine neue TÜV-Plakette hätte der nicht mehr bekommen“, erzählt Wehrführer René Lohmann. Außerdem schluckte das antike Schätzchen stolze 20 Liter auf 100 Kilometern, und zwar Benzin, keinen Diesel.
Das ist jetzt alles vorbei: Der Neue ist zwar in Wirklichkeit ein Gebrauchter, doch das macht nichts. Eine Spezialfirma aus Parchim machte aus einem sechs Jahre alten Mercedes-Pritschenwagen das neue Feuerwehrfahrzeug nach den Wünschen der zwölf Feuerwehrleute von Neu Kosenow. Weil sich die Lieferung verzögerte, gab‘s gratis noch eine Umfeldbeleuchtung mit moderner LED-Technik obendrauf. Dass Motor und Chassis schon 170000 Kilometer auf den Puckel haben, stört den Wehrführer nicht: „Wir fahren ungefähr 600 Kilometer im Jahr und nehmen uns viel Zeit für die Wartung.“

Land wollte sich nicht an der Finanzierung beteiligen
Außerdem wäre die Anschaffung eines Neuwagens faktisch nicht infrage gekommen: Die Kosten von 32000 Euro waren für die Gemeinde auch so kaum zu stemmen – und das, obwohl Neu Kosenow finanziell noch vergleichsweise komfortabel dasteht. „Wir haben eine Förderung von 10 000 Euro durch den Landkreis bekommen“, sagte Bürgermeister Dieter Berndt. Allerdings: „Beim Land sind wir auf taube Ohren gestoßen. Denen sind so kleine Summen wahrscheinlich egal.“ Sei’s drum, dann eben ohne Hilfe aus Schwerin: 21000 Euro musste die Gemeinde am Ende berappen, denn für das alte Feuerwehrauto gab’s immerhin noch 1000 Euro vom Schrotthändler.
Wehrführer Lohmann weiß außerdem zu berichten, dass die 10000 Euro vom Kreis auch nur noch durch Glück zustande gekommen sind: „Es war laut Kreisverwaltung das letzte Geld, das aus einem Fördertopf für Feuerwehrtechnik geflossen ist. Jetzt ist er leer.“ Was nun passiert, wenn anderswo ein Feuerwehrauto durchrostet?
Darüber lässt sich nur spekulieren, auch wenn die Brandretter darauf hoffen dürfen, auch künftig die allernötigste Technik zu erhalten. Schließlich erfüllen sie einen gesetzlichen Auftrag und
keiner bestreitet die Notwendigkeit ihrer Existenz. Dass zumindest in Neu Kosenow in den nächsten Jahren keine Fahrzeug-Probleme anstehen, freut den Wehrführer: „Wir sind eine junge Truppe, die sich ständig verjüngen will. Das neue Auto wird
sicher auch unsere Attrak-
tivität stärken.“ Vor allem aber: Die Sicherheit der Bürger.

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