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Der schönste Rastplatz auf der Vogel-Autobahn

Wildgänse kennen kein Nachtflugverbot, sie landen bei uns rund um die Uhr.
Wildgänse kennen kein Nachtflugverbot, sie landen bei uns rund um die Uhr.

Es ist fast wieder wie vor 100 Jahren, als das Peenetalmoor zwischen Loitz, Jarmen und Anklam und auch die Haffbruchwiesen zwischen Mönkebude und Ueckermünde ein echtes Vogelparadies für Sumpfbewohner waren. Und schon früher nutzten es viele Vogelarten auf ihrem weiten Flug ins Winterquartier als eine Art Tankstelle, um Fettreserven zu speichern. Unglaublich: So manche Vogelart fliegt zu den Zugzeiten insgesamt bis zu 27 000 Kilometer, und das Jahr für Jahr. Ohne einen Rastplatz mit einem großen Angebot nahezu unmöglich zu schaffen.
Besonders zu DDR-Zeiten wurde dieses Paradies aber durch intensive Entwässerung stark beeinträchtigt. Nach der Wende allerdings hat sich dieses Bild im Großkreis Vorpommern-Greifswald grundlegend geändert. Millionen wurden in den letzten Jahren investiert, es entstanden phantastische Vogelrastgebiete auch am Greifswalder Bodden, dem Randowbruch und bei Ferdinanshof in der Friedländer Großen Wiese.
Zur Zeit sind die Renaturierungsflächen um das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch“ eines der wertvollsten Vogelzug-Drehkreuze der Skandinavien- und Baltikumlinie in Pommern, tausende Vögel finden hier täglich ideale Nahrungsbedingungen.
Toll auch die Artenfülle, täglich erfreuen sich hier im Moment Vogelkundler aus Bayern, den Niederlanden und Österreich an der Beobachtung vieler Neubürger, die früher ausgesprochene Exoten in Mitteleuropa waren. Für Aufsehen sorgte jetzt der Einflug einer Gruppe von sechs Nilgänsen. Ihre natürliche Heimat befindet sich im tropischen Afrika sowie den gesamten Nillauf entlang bis Ägypten.
Erstaunlich sind auch die großen Gruppen von Weißwangengänsen, die bis zu 225 Exemplare zählen. Noch vor 50 Jahren waren diese Meeresgänse nur sehr seltene Irrgäste in unserer Region und wurden dann meist nur auf der Insel Usedom oder am Greifswalder Bodden entdeckt. Diese subarktischen Vögel Russlands brüten jetzt mit mehreren Paaren auch in Deutschland. Recht ähnlich sieht die Kanadagans aus, doch ist sie bedeutend größer. Auch sie wird immer häufiger auch in unserem Großkreis beobachtet. So wurden schon Trupps von über 50 Kanadagänse bei Ludwigsburg, Peenemünde und Lassan entdeckt.

Unglaublich, wie viele Arten bei uns versumpfen

Eine ganz große Attraktion sind die drei Kurzschnabelgänse aus Spitzbergen im Bereich der Haffbruchwiesen bei Leopoldshagen und Bugewitz. Einzelne Kurzschnabelgänse wurden auch bei Bargischow und Stolpe/Peene entdeckt. Übrigens marschiert jetzt durch die Sumpfflächen auch ein Schwarzstorch. Es ist nicht der einzige in Vorpommern, denn auch im Ziesebruch nahe Wolgast kam der schwarzbemantelte Adebar zum Anblick.
Einen traumhaften Anblick bieten derzeit auch die 212 Kraniche in den Feuchtwiesen bei Rosenhagen, wenn sie dann unter lauten „gruh – gruh“ in eine Art Gruppenbalz verfallen und freudetaumelnd durch die Luft springen.
Auch mehr als 80 Silberreiher haben sich hier zu einer Schlafgemeinschaft eingefunden. Die Edelreiher waren noch vor 100 Jahren in ganz Europa dem Tod viel näher als dem Leben. Fast über Nacht wechselte der Modetrend dann zum Glück, die prächtigen Schmuckfedern fanden keinen Absatzmarkt mehr. Heute finden die filigranen Schönlige in den Renaturierungsflächen Vorpommerns eine neue Heimat. Aber auch die schönsten Wasservögel der Welt, die Mandarinenten aus Südostasien, tummeln sich in großer Zahl auf dem Wasser.
In großen Trupps ziehen auch immer wieder in den Feuchtwiesen zwischen Krugsdorf und Koblenz Kiebitze, Bruchwasserläufer, Grünschenkel, Große Brachvögel, Seeschwalben, Alpenstrandläufer und Zwergmöwen durch die Moore. Manche treibt es in die russischen Tundren.
Auch Moorfrösche, die bei der Paarung blau anlaufen, leben hier zu Tausenden. Was für Afrika die Serengeti und für Nordamerika die Everglades, sind für Deutschland die Renaturierungsflächen in unserem Großkreis, die sich jetzt rasant zum Touristenmagnet entwickeln.
Wer an einer geführten Wanderung durch die Renaturierungsflächen teilnehmen möchte, kann sich unter 03971-833932 oder 0151-18993870 anmelden.

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