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Der Traum vom Dorfladen ist geplatzt

Von unserem RedaktionsmitgliedClaudia Müller

Doch keine „neue
Dorfmitte“: Der Ausbau
des Schlatkower Gutshauses ist für die Gemeinde
trotz Landesförderung
nicht zu stemmen.

Schlatkow.Die Bürger wurden nach ihren Wünschen gefragt, die Gemeinde suchte Partner, Architekten erstellten Pläne, es gab zahlreiche Beratungen und immer wieder Änderungen. Trotzdem sind die Pläne für das Gutshaus Schlatkow gescheitert: Die Gemeinde Schmatzin musste die Idee, dort einen Einkaufsladen und einen Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen einzurichten, jetzt aufgeben. Damit ist auch die Förderung von 100000 Euro futsch, die das Land im Rahmen des Projektes „Neue Dorfmitte“ für den Ausbau des Gutshauses zur Verfügung gestellt hätte.
Mithilfe des Förderprogramms sollte die Versorgung im ländlichen Raum verbessert werden. Räume für Einzelhandel, Friseur, Arzt oder andere Dienstleister – das alles sollte mithilfe des Fördergeldes entstehen sollen. Eine gute Sache, und daher hatten die Schmatziner auch lange darum gekämpft, die nötigen Eigenmittel aufzubringen und das Schlatkower Vorhaben trotz der schwierigen Finanzlage umzusetzen.
Doch nachdem immer neue Probleme auftauchten, beschlossen die Gemeindevertreter jetzt einstimmig, auszusteigen. Die Belastungen und Risiken für die Kommune seien zu hoch,sagt Bürgermeister Klaus Brandt. Knackpunkt ist aus Sicht der Gemeinde der bauliche Zustand des Gutshauses. Bei den Vorbereitungen für das Projekt stellte sich heraus, dass das Gebäude, das zur denkmalgeschützten Gutsanlage mit Melkerschule und Herberge gehört, unter anderem Fundamentschäden und Risse im Mauerwerk aufweist.

Die Behörden forderten
immer neue Änderungen
Wenn man solche Mängel zu beseitigen hat, eine Verkaufsstelle einrichten will, Parkflächen glätten und zudem 19 Prozent Mehrwertsteuer abrechnen muss, reichen 100000 Euro nicht weit, macht Brandt deutlich. Einen Nachschlag bei der Förderung hatte das Land abgelehnt und mit einem 70000-Euro-Defizit im Haushalt und Kreditbelastungen hatte auch die Gemeinde nicht viel Spielraum für Mehrkosten.
Lange blieb der Optimismus, es doch noch irgendwie zu schaffen, doch nun wurde die Last für die Kommune im Zusammenhang mit Baugenehmigung und Brandschutzfragen immer größer: So forderte die Bauaufsichtsbehörde frostsichere Entnahmestellen für Löschwasser – eine solche Installation kostet laut Klaus Brandt rund 7500 Euro, dazu kommen jährliche Wartungskosten. Eine befestigte Fläche für Feuerwehrfahrzeuge war eine weitere Auflage. Überdies sollte die Gemeinde ein Treppenhaus anbauen, damit die Mieterin im Obergeschoss des Gutshauses ihre Wohnung über eine Außentreppe erreichen kann. Und dann stand der Kommune ja auch noch ein zweiter Bauabschnitt bevor, um den Laden mit einer Art Aufenthaltsraum oder Cafeteria zu ergänzen und so zum Dorfmittelpunkt zu machen. Das alles war zu viel: „Irgendwann ist Schluss“, sagt der Bürgermeister, dankt aber allen, die sich für das Dorfmitte-Projekt engagiert haben.
Den Kopf in den Sand stecken die Schmatziner aber nicht. Um die Baumängel am Gutshaus beseitigen zu können, hat die Gemeinde gleich aus einem anderen Topf Fördermittel beantragt. Schließlich will man nicht riskieren, dass sich die Gebäudeschäden noch ausbreiten. Denn abgesehen davon, dass die historische Gutsanlage auf jeden Fall für künftige Generationen erhalten bleiben soll, sind das Gebäudeensemble und die Ausstellung über die Schwedenzeit in Vorpommern ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt im Peenetal, sagt Brandt.

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c.mueller@nordkurier.de

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