
| Leute |
von Redaktion
|
Andächtig blättert Erhard Stelzig in einer vergilbten Broschüre. Aufgelegt wurde das 50Seiten starke Büchlein über das Leben Friedrichs des Großen, anlässlich seines 200.Geburtstages 1912. „Da steht alles, was man über ihn wissen muss“, sagt der Sarnower. Wie es in seinem Besitz kam, ist eine Geschichte für sich. Ursprünglich gehörte es der Sarnowerin Irene Kleist. Ein Lehrer schenkte es ihr 1912 als Belohnung für großen Fleiß. Kurz vor ihrem Tod vor nun schon über 40Jahren übergab sie das Büchlein an ihre Jugendfreundin Ida Stelzig, die Mutter des Sarnower Heimatforschers, die es wiederum ihrem Sohn vererbte. Das Buch glorifiziert Friedrich den Großen, verschwieg ebenso wenig die Taten seiner Generäle Kurt Christoph Graf von Schwerin und Otto Martin Graf von Schwerin.
Vor allem Kurt Christoph galt als einer der engsten Vertrauten des Monarchen. Geboren am 26.Oktober 1648 in Löwitz, trat er bereits mit 16 Jahren in die preußische Armee ein und lernte alsbald den Krieg kennen. Doch ein Hasenfuß war der Pommer keineswegs. Im Spanischen Erbfolgekrieg konnte er sich in mehreren Schlachten auszeichnen und wurde bereits sieben Jahre später zum Oberstleutnant befördert. Späterhin setzte ihn Preußenkönig Friedrich WilhelmI., der als Soldatenkönig in die Geschichte einging, in diplomatischer Mission ein. Im Jahr 1730 war der inzwischen zum Generalmajor aufgestiegene Kurt Christoph Mitglied des Kriegsgerichts, welches Hans Hermann Katte zum Tode verurteilte. Katte war ein Freund des Prinzen Friedrich, Der litt derart unter seinem Vater, dass er mit dessen Unterstützung die Flucht nach Frankreich plante. Doch der Versuch schlug fehl und Katte bezahlte seine Mithilfe mit dem Tot.
Dass Kurt Christoph an der Verurteilung des Freundes beteiligt war, trug ihm König FriedrichII. nach seiner Inthronisierung 1740 nicht nach. Ganz im Gegenteil – gerade mal anderthalb Monate nach seiner Thronbesteigung beförderte Friedrich II. Kurt Christoph zum Generalfeldmarschall und erhob ihn in den Grafenstand. „Zum einen mag es Pragmatismus gewesen sein: Der junge König war politisch und militärisch unerfahren und setzte dabei vor allem auf den Rat seiner Generäle“, meint Erhard Stelzig. Zum anderen mag die Gunst des Preußenkönigs auch in der Persönlichkeit Kurt Christophs begründet gewesen sein. Dessen militärische Fähigkeiten waren unbestritten, zudem teilte er mit Friedrich II. die Neigung zur Kunst und den Wissenschaften. So wurde Kurt Christoph einer der engsten Berater in militärischen Fragen.
Und der Feldmarschall aus Pommern enttäuscht seinen König nicht: Als 1740 Maria Theresia die Regentschaft über das österreichische Erzherzogtum und Ungarn übernimmt, lässt Friedrich II. das bislang von Wien beherrschte Schlesien besetzen. Die Österreicher wollen die Provinz nicht kampflos preisgeben und rüsteten sich im Frühjahr 1741 zur Wiedereroberung. Bei Mollwitz, einem kleinen Dörfchen unweit von Breslau kam es am 10. April zur Schlacht. Die Premiere Friedrich II. als Feldherr misslingt: Der österreichischen Reiterei zeigt sich die preußische Kavallerie nicht gewachsen. In aussichtsloser Lage bittet Kurt Chistoph den König, das Schlachtfeld zu verlassen und übernimmt selbst Befehl über die Preußen. Ihm gelingt es, das Blatt zu wenden. Die Österreicher wurden vertrieben.
Schlesien bleibt in der Folgezeit jedoch Zankapfel. Daraus resultiert schließlich der Siebenjährige Krieg. Diesen überlebt Kurt Christoph nicht: In der Schlacht um Prag 1757 wird er von mehreren Kugeln getroffen, als er mit der Fahne in der Hand und dem Ruf „Heran, meine Kinder, heran“ die Preußischen Soldaten in die Schlacht führte.
|
|