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Desolate Waldwege: Einladend ist anders

Rüde Fritzi steht keck auf einer zerschlissenen Bank, die als solche kaum noch erkennbar ist.
Rüde Fritzi steht keck auf einer zerschlissenen Bank, die als solche kaum noch erkennbar ist.

VonPaulina Jasmer

Wenn Joachim Schuster mit seinem Jack Russell Terrier Fritzi durchs Waldstück Brodaer Holz streift, dann ist die Idylle zurzeit etwas getrübt: Fehlende Schilder und marode Bänke schmälern den sonst schönen Landschaftsblick.

Neubrandenburg/Neuendorf.Fritzi hält die Spürnase in den Wind. Schnüffelt. Die Nasenlöcher beben. Dann wackelt der Hund auf seinen kurzen Beinen weiter, die Nase wieder wie ein Staubsauger im Laub vergraben.
Joachim Schuster hat den weiß-braun gefleckten Rüden an der Leine. Täglich geht er mit seinem fünfjährigen Jack Russell im Brodaer Holz spazieren, ganz in der Nähe von seinem Haus in Neuendorf. Der 75-jährige gelernte Tischler mag die frische Luft, wie er sagt. Und die Waldidylle sei fantastisch. „Das Dörfliche findet man ja nicht überall“, bemerkt er, als er seinen Weg fortsetzt. Nur der obere Waldweg, der an der Waldkante hin zum Ort Neuendorf zeigt, der gefalle ihm derzeit nicht besonders. Jetzt, wo die Schneemassen weg sind, zeigt sich der Wald von seiner recht wüsten und rauen Seite. Die Beschilderung für den Waldweg scheint auf den ersten Blick verschwunden und lässt sich erst bei genauer Suche an einen Baum gelehnt finden. Der Pfahl scheint durchgefault. Ähnlich wie ein weiteres Verkehrsschild am Waldrand. Die Witterung hat sich durchs Holz gefressen.

Wer eine Pause braucht, ist derzeit schlecht beraten
Rüde Fritzi flitzt weiter. Als hätte er keine Zeit. Er wird von jedem alten Blatt und von jeder knorrigen Baumwurzel magisch angezogen und hält inne. Aber Herrchen Joachim Schuster hat Zeit. Er ist Rentner.
„Obwohl – so viel Zeit habe ich nun wieder auch nicht – die Gartenarbeit ruft“, sagt Schuster. Und gerade weil er die Natur so liebt und sie genießt, sind ihm die vielen maroden Bänke am oberen Waldweg nicht entgangen. Steil geht es bergauf. Wer da mal eine Pause braucht – außer Fritzi –, muss sich nicht schämen. Aber sitzen und ausruhen ist momentan nicht drin. Entweder fehlt den Bänken ein Fuß oder die Sitzfläche liegt gar auf dem Boden. Das Holz ist bemoost und zeigt tiefe Risse. Und auch die Umgebung macht nichts her: Überall türmen sich Holz und Geäst-Reste. Der Gehweg ist beräumt, aber rundherum sieht es wüst aus, wie Joachim Schuster andeutet. Fritzi indes interessiert das wenig. Er springt freudig auf die alten Bänke. Joachim Schuster nennt sie „Trümmerhaufen“. Er lächelt. Nicht alles könne schließlich sofort behoben werden. Für das Kunststück „Gib Pfötchen“ auf der Bank erntet Fritzi ein Leckerli. Zum Training genügen die Sitzgelegenheiten – für mehr aber nicht.
Revierförster Thorsten Loop sagt dazu auf Nachfrage, dass man in dem Waldstück gerade dabei sein, alles für den Frühling und die neue Saison herzurichten. So würden derzeit zum Beispiel auch die kaputten Schilder, für die der Landkreis verantwortlich ist, repariert. Dass vieles so aussieht, wie es sich dem Betrachter offenbart, habe aber vielleicht weniger mit der Jahreszeit und mit der Witterung zu tun, wie er hinzufügt. Der Revierförster hat Vandalen im Verdacht, die dort auch ihr Unwesen treiben würden. Was die vielen gefällten Bäume und beiseite gelegten Äste betrifft, so verweist Thorsten Loop auf die sogenannten „Selbstwerber“, also Privatleute, die in Absprache mit dem Förster selbst ihr Holz schlagen. Das Holz soll nun bald abgeholt werden, verspricht Thorsten Loop. Und einige aufgetürmte Bäume würden bald durch eine Wittstocker Firma abtransportiert werden. Die machen daraus dann Spanplatten, wie der Revierförster sagt. „Aber es stört mich auch nicht, wenn etwas Holz liegen bleibt“, fügt er hinzu. Die Blätter und Zweige würden den Boden mineralisieren. „Das ist aus ökologischer Sicht gut“, sagt er weiter.

Neue Bänke sind längst nicht beschlossene Sache
Was allerdings die Bänke betrifft, so wisse er nicht genau, wem die überhaupt gehören. Sowohl die Stadt Neubrandenburg als auch der Landkreis müssen auf Nachfrage erst einmal passen. Doch ein Blick auf die Karte verrät: Dieser obere Waldweg ist außerhalb des Stadtgebietes und gehört demnach zum Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. „Obwohl die Bänke nicht von uns aufgestellt worden sind“, wie Haidrun Pergande, Pressesprecherin des Landkreises, informiert.
Wer die Bänke einst aufstellte, kann nicht geklärt werden. Jedenfalls scheint das aber so lange her zu sein, dass sich niemand recht erinnern kann. Fakt ist, die Bänke stehen jetzt auf dem Areal des Landkreises, „und wir werden uns jetzt auch darum kümmern“, verspricht die Pressesprecherin. In der kommenden Woche wolle man sich die besagten Sitzgelegenheiten ansehen und „schauen, ob Handlungsbedarf besteht“. Wenn ja, werde man auch tätig, so Haidrun Pergande. Rüde Fritzi – nebst seinem Herrchen – wird es freuen, können sie dann noch mehr Kunststücke probieren.

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p.jasmer@nordkurier.de

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