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Deutschlands bunteste Kirche steht in Anklam

Sebastian Vaas aus Schwerin belegte mit seinen Windrad-Keim den zweiten Platz. Er studiert an der Fachhochschule Potsdam.
Sebastian Vaas aus Schwerin belegte mit seinen Windrad-Keim den zweiten Platz. Er studiert an der Fachhochschule Potsdam.

VonClaudia Müller

Provozierend oder witzig, drastisch oder einfach nur schön: Was die besten jungen Grafiker Europas da zur 6. Plakatbiennale nach Anklam geschickt haben, macht die Nikolaikirche zu einem ganz besonderen Ort.

Anklam.Es sieht so einfach aus, hat aber wochenlange Arbeit gekostet: Ein Sämling in Schwarz, aus dem ein grünes Windrad wächst, ziert das Plakat, das Sebastian Vaas für den Wettbewerb der 6. Europäischen Plakatbiennale eingereicht hat. Noch ist die Windenergie eine zarte Pflanze, die beschützt werden muss. Aber sie ist stark genug, um Europa eines Tages mit Energie zu versorgen. Das will der 29-Jährige aus Schwerin mit seinem Plakat ausdrücken. Und er hat mit diesem Beitrag zum Thema „Junge Energie für Europa“ den zweiten Platz belegt. Doch wie ist er auf die Idee zu seinen Plakat gekommen? Er hat viel über das Thema gelesen und sich Filmdokumentationen angesehen, was viel Zeit in Anspruch genommen hat, sagt Sebastian Vaas. „Daraus entwickelt man Ideen und guckt, welche am stärksten ist.“
Dass auch die Jury seinen Entwurf zu einem Thema, das unsere an Windrädern reiche Region besonders berührt, stark findet, freut ihn natürlich. Zumal sein
zweiter Platz in diesem internationalen Wettbewerb womöglich auch beruflich hilft. Sebastian Vaas wird sein Studium – Kommunikationsdesign in Potsdam – bald abschließen und möchte dann im Bereich Grafikdesign und Illustration Fuß fassen. „Das ist schwer, man muss sich durchbeißen, gut sein und Glück haben“, weiß er.
Dass es viel Konkurrenz gibt, zeigt auch die Ausstellung zur 6. Plakatbiennale in der Anklamer Nikolaikirche, die in dieser Woche mit der Preisverleihung eröffnet worden ist. 130 Plakate von Studenten europäischer Kunst- und Designschulen sind dort zu sehen. Darunter natürlich auch das Siegerplakat – ein schwarz-weißes Schriftplakat, das an die berühmte Einsteinformel erinnert. Die zehnköpfige Jury lobte daran vor allen die Klarheit und Professionalität. Entworfen hat es Andrzej Piechota von der Universität der Künste im polnischen Poznan. Der 21-Jährige, der im Hauptfach Landschaftsarchitektur studiert, war sehr beeindruckt von der Nikolaikirche – ein toller Ausstellungsort, meint er. Und gut zum Feiern: Am Sektbüffet stieß er mit seiner Familie auf seinen Erfolg an.
Die internationale Plakatbiennale, die Professor Otto Kummert, Mitbegründer der früheren Grafik- und Designschule in Anklam, und seine Frau ins Leben gerufen haben und nach wie vor organisieren, ist für die Hansestadt eine tolle Veranstaltung, bringt sie in Grafikerkreisen in ganz Europa ins Gespräch. Stadt und Land wollen dieses kulturelle Highlight deshalb weiterhin unterstützen. Die Preisgelder von 2000, 1500 und 1000 Euro für die drei Erstplatzierten wurden von der Sparkassen-Stiftung, dem Unternehmen notus energy und der Stadt gestiftet.
Die Ausstellung mit den Arbeiten der 6. Plakatbiennale ist noch bis zum 31. August in Anklam zu sehen, anschließend wandert sie nach Brüssel, Stettin, Potsdam, Hamburg, Wismar und Poznan.

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