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Die Liebe zu Pommern sorgt für dieses späte Glück

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Foetzke

Die Erinnerung an die
alte Heimat hat am Wochenende wieder
über 700 schon reifere Pommern nach Anklam gelockt. Unvermutet aber ergreifend blüht dazwischen eine stille Liebe zwischen zwei Menschen auf.

Anklam.Das Volkshaus ist am vergangenen Sonnabend brechend voll. Wie immer, wenn sich schon reifere pommersche Landsleute treffen, um Erinnerungen an die
alte Heimat zu teilen und wach zu halten. Mittendrin in dem Stimmengewirr von über 700 Menschen sitzt
Gisela und streicht ihrem Erwin über die Brust. „Er ist ein ganz Stiller“, sagt sie mit einem Anflug von Zärtlichkeit in der Stimme. Und Erwin bleibt seinem Ruf treu und lächelt seine Gisela versonnen an. Kennengelernt haben sich beide vor über sieben Jahrzehnten im Dorf Nantikow bei Arnswalde. „Wir sind gemeinsam zur Schule gegangen“, erzählt Gisela.
Dennoch verbindet die beiden keine Sandkastenliebe. Nach der Schule ging man getrennte Wege, dann kam der Zweite Weltkrieg und die Vertreibung aus der pommerschen Heimat. Die Familie von Gisela kam wie viele ehemalige Nantikower in Kemnitz bei Greifswald unter. „Der Gutsbesitzer aus Nantikow hat seine Leute dahin mitgenommen, weil seine Tochter bei Kemnitz auch ein Gut hatte“, berichtet Gisela.
Erwins Familie verschlug es in eine andere Gegend. Beide gründen eigene Familien. Gisela schenkte vier Kinder das Leben und arbeitete bis zum Rentenalter als Buchhalterin in der Kemnitzer LPG. Erwin fand derweil sein Glück in Rostock und stand als Polizist seinen Mann. So können beide auf ein ausgefülltes Leben zurückblicken. Doch wenn der Partner stirbt, steht man allein da.
Aber die Liebe zur alten Heimat in Pommern hat die beiden wieder zusammengeführt. „Vor zwei Jahren gab es eine Busreise nach Nantikow. Da sind wir uns erneut begegnet“, erzählt Gisela. Nach der gemeinsamen Erkundung der alten Heimat ist der Kontakt nie wieder abgerissen. Oft trifft man sich in Kemnitz oder in Rostock. Und wenn dann ein Pommern-
treffen in Anklam ansteht, kommt das Paar gemeinsam mit Verstärkung der gesangsfreudig-lebenslustigen Zwillinge Elke und Herma.
Die gebürtigen Nantikowerinnen wohne nun auch schon über fünf Jahrzehnte in Kemnitz. „Zum Pommerntreffen kommen wir, um das Gedenken an unsere Mutter wach zu halten“, berichtet Herma, während Elke schon wieder nach neuen Kontakten Ausschau hält. Und die Freude ist dann groß, wenn plötzlich wildfremde Menschen etwas über die alte Heimat erzählen.
Manfred Schukat und Friedhelm Schülke als Gast-geber und das Organisationsteam können nach diesem Pommerntreffen stolz sein. Haben sie den Menschen doch nicht nur viele Erinnerungen an das schöne alte Pommern wiedergegeben, sondern obendrein noch Liebe gestiftet.

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