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Dieser Natur-Architekt liebt unsere Region!

Aus diesem Baum haben die Biber wirklich Kleinholz gemacht.  FOTOs: Norbert Warmbier
Aus diesem Baum haben die Biber wirklich Kleinholz gemacht. FOTOs: Norbert Warmbier

Von unserem Mitarbeiter
Norbert Warmbier

Sie sind 1,30 Meter lang und wiegen schon mal 35 Kilo. DIe Biber finden in unserer Region perfekte Voraussetzungen
zum Leben. Wer sie einmal sehen möchte, sollte jedoch eine Nachtschicht einlegen.

Vorpommern.Frühlingszeit ist in der Tierwelt Vorpommerns Biberzeit, denn in vielen Fluss- und Bachniederungen ist bei den Biberfamilien nach der langen Wintersaison Akkordarbeit angesagt. Ob nun an der Peene zwischen Loitz, Jarmen und Gützkow oder dem Ryck bei Greifswald – sämtliche Nahrungsvorräte an den Biberbauten sind aufgebraucht. Solche Bauten von 2,20 Metern Höhe und 10 Meter Durchmesser sind wahre Naturwunder. Die größte Biberbaustelle mit vielen Burgen befindet sich zwischen Jarmen und Loitz im Bereich Neu Plestlin und Bentzin.
Die pelzigen Wirbeltiere haben aber auch in vielen anderen Gebieten einen perfekten Lebensraum gefunden, denn im Revier, etwa am Großen Koblentzer See zwischen Torgelow und Pasewalk zeugen auch gefällte Bäume und wie Bleistifte angespitzte Weiden von der Anwesenheit der biologischen Motorsägen auf vier Pfoten.
Als einziges deutsches Wildtier ist der Biber in der Lage, aktiv seinen Lebensraum zu gestalten. Das emsige Wirken des cleveren Landschaftsgestalters zwischen Greifswalder Bodden, der Insel Usedom, dem Stettiner Haff und dem Peenetal stößt bei Land-, Forst- und Wasserwirten nicht immer auf Gegenliebe. Stein des Anstoßes sind oftmals unterminierte Uferbereiche und Fahrwege sowie vernässte Äcker und Wiesen im Bereich der Swinow bei Karlsburg. Neuerdings frisst Meister Bockert, so der Fabelname, wie bei Eggesin, Ferdinanshof und im Ducherower Land auch auf Mais- und Rapsfeldern.

Große Siedlungsaktion
in den 70-er Jahren
Bekanntlich besitzen die Biber einen beschuppten Schwanz und sind sehr ans Wasser gebunden, daher ordneten Wissenschaftler im Mittelalter die Biber den Fischen zu. 1975 begannen Vorpommerns Naturschützer von der Bezirksnaturschutzverwaltung beim Rat des Bezirkes Neubrandenburg mit der Umsiedlung der Riesennager aus der Mulde bei Halle an die Peene bei Gützkow und Jarmen. Die Biber wurden in der Abenddämmerung und nachts in Stellnetzen gefangen und auf den Händen aus dem Wasser getragen. Andere wurden mit dem Kescher erbeutet.Die 35 Breitschwänze aus Sachsen-Anhalt und fünf Zoobiber aus der Landeshauptstadt Magdeburg haben sich bis heute über ganz Vorpommern-Greifswald ausgebreitet. Längst haben sie sich die Meisterschwimmer in der Uecker-Randow Region angesiedelt. Im Naturpark Stettiner Haff schätzen die Ranger den Biberbestand auf 700 Tiere. Im gesamten Landkreis leben wahrscheinlich um die 2500 Breitschwänze.
Als ausgesprochener Vegetarier ernährt sich der Biber in der Vegetationsperiode von frischen Weiden und Pappeltrieben sowie von Schilf und Wildkräutern, weiß Jürgen Möller aus Leopoldshagen, der häufig an einer Riesenburg am Stettiner Haff vorbei fährt. Da er nachtaktiv ist, wird der Biber trotz seiner Größe von 1,30 Meter und bis zu 35 Kilogramm Gewicht kaum einmal direkt in seinem Lebensraum beobachtet. Doch mit Glück kann man ihn auch auf der Insel Usedom am Gothensee, am Peenestrom bei Lassan und nahe der Stadt Usedom erleben. Durch seine Bauaktivitäten an der Burg ist er meist nicht zu übersehen. Die Knüppelburgen werden mit Schlamm verschmiert. In solch einer Burg können bis zu zehn Biber leben.
Die Reproduktionsrate beläuft sich meistens auf zwei bis fünf Jungbiber. Natürliche Feinde des Bibers, besonders der Jungtiere, sind der Amerikanische Nerz, auch Mink genannt und streunende Hunde. Biber können bis zu zwölf Jahre alt werden.
Übrigens werden Biber heute verstärkt Verkehrsopfer, andere zollen den harten Wintern der vergangenen Jahre einen hohen Tribut. Darum bittet der NABU-Anklam um die Meldung verletzt aufgefundener oder getöteter Biber, die dann der Todesursachenforschung zugefügt werden können.

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