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Döner an sieben Tagen die Woche

Ob amerikanische Burger, deutsche Currywurst oder persische Kichererbsenbällchen – hier wird international gespeist.
Ob amerikanische Burger, deutsche Currywurst oder persische Kichererbsenbällchen – hier wird international gespeist.

VonJörg Döbereiner

Vorpommern schläft nicht! Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Beinen – und wir bleiben 24 Stunden wach, um sie für jeweils eine Stunde zu begleiten.
Von 12 bis 13 Uhr besucht Reporter Jörg Döbereiner den Anklamer Imbiss „Onkel’s“.

Anklam.Einmal kurz nachrechnen... tatsächlich! 40 Kilo Hähnchenfleisch plus zehn Kilo Rind- und Kalbfleisch, das macht 50 Kilo Kebap, die jeden Tag im „Onkel’s“ über die Theke gehen. Auch wenn sich das auf viele Kunden verteilt – es ist schon beeindruckend, was die Anklamer so verputzen. Als ich um 12Uhr die Tür zum Imbiss an der Badstüber Straße aufstoße, hat der mit Tomaten garnierte, saftig glänzende Spieß jedenfalls schon einiges an Gewicht verloren, seit ihn Küchenchef Kazem heute morgen um zehn auf den Drehgrill gesteckt hat.
Im Imbiss schlägt mir Wärme und der typische Kebap-Geruch entgegen. Ein winziger Bildschirm spielt Musikvideos, an der spartanischen Sitzecke davor liegen Zeitungen aus – freilich auch der Nordkurier. Für kurze Zeit bin ich der einzige Gast, dann betritt ein Kunde den Laden und bestellt Döner. „Döner ist beliebt“, meint Kazem mit einem breiten Lächeln, betont aber gleich danach, dass das „Onkel’s“ ein internationaler Imbiss ist. Ob amerikanische Burger, deutsche Currywurst oder persische Kichererbsenbällchen – inzwischen kennt Kazem die Essgewohnheiten seiner Kunden, ebenso wie ihre Ess-
zeiten. „Mittags kommen als erstes die Angestellten, dann die Schulkinder, dann die Arbeiter“, sagt er. Abends trudeln auch mal Familien ein.
Damit das Team die Stoßzeiten bewältigen kann, darf kein Kunde lange warten. „Man muss schnell sein“, sagt Kazem. Als sich der Laden füllt und ein Mann mit blauer Arbeitshose zwei große Hähnchen-Döner bestellt, geht bei den Vieren hinter der Theke alles ratzfatz: Kazem raspelt das Fleisch vom Spieß, Dana röstet zwei Fladenbrote, Angelo gibt Kraut und Zwiebeln dazu und Kati verpackt und kassiert. „Live-Küche“ nennt Kazem das sehr treffend.
Kati, Kazems Lebensgefährtin, ist die Inhaberin von „Onkel’s“. Kazem, braune Augen und imposanter Ziegenbart, ist das Gesicht des Ladens. Aus dem Iran kam er in den 1990er-Jahren nach Deutschland und blieb in Anklam hängen – wegen Kati. Seitdem die beiden sich im Juni 2011 selbstständig gemacht haben, stehen sie sieben Tage in der Woche hinter der Theke. „Das ist eben so in der Gastronomie“, sagt Kazem. „Aber es macht Spaß!“ Nur ließ der Imbiss den beiden bisher keine Zeit zu heiraten.
Während einer kleinen Zigarettenpause draußen verrät Kazem, was manch einer schon geahnt hat: Das „Onkel’s“ ist nach ihm benannt. „Meine Familie und Freunde haben mich immer so genannt“, erzählt er. Auch für viele Kunden ist er wie ein netter Verwandter: In den fünf Minuten, die wir vor dem Laden stehen, werfen ihm mehrere Schüler und Erwachsene im Vorbeigehen ein „Hallo!“ zu.
Drinnen stehen vier Schülerinnen vom Lilienthal-Gymnasium und warten auf das Mittagessen. „Im Sommer komme ich jede Woche“, sagt eine von ihnen. Ein Lieblingsgericht haben sie nicht, aber Döner und Cheeseburger stehen hoch im Kurs.
Um zehn vor eins ist die erste Kundenwelle des Mittags vorbei. Das gibt dem
„Onkel’s“-Team Gelegenheit, die Theke zu wischen und Salat, Kraut, Zwiebeln, Tomaten und Soßen nachzufüllen. Kazem steht neben dem
Grill, wetzt das Döner-Messer und lächelt. Er macht sich
bereit für den nächsten Ansturm.

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