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Drei Firmen sind scharf auf den Job als Syrbe-Berater

Von unserem Redaktionsmitglied
Gabriel Kords

Kaum zu glauben, dass sich das einer antun will: Doch
es sind sogar gleich drei Beraterfirmen scharf auf den Job, der Landrätin künftig als „Beratender Beauftragter“ zur Seite zu stehen. Vielleicht liegt es an den über 300000 Euro, die für den Auftrag gezahlt werden sollen.

Anklam.Die Bewerber für den Berater-Posten haben sich inzwischen alle beim Schweriner Innenministerium vorgestellt. Wieso dort und nicht bei Landrätin Barbara Syrbe (Linke) und der Kreisverwaltung, bei denen der Beratende Beauftrage ja schließlich am Ende sein Werk vollbringen soll? Weil Schwerin den Berater schickt und auch die bis zu 300000 Euro bezahlt, mit denen der Auftrag im Vorfeld veranschlagt worden war – und wer zahlt, bestimmt auch die Musik.
Dem Landkreis Vorpommern-Greifswald wird bei der Auswahl des Beraters, den das Ministerium der Landrätin zur Seite stellen will, um ihr von ihm zeigen zu lassen, wie sich im Kreis Geld sparen lässt, kein Mitentscheidungsrecht zugesprochen. Wohl aber ein Mitspracherecht: Dennis Gutgesell, Stellvertreter der Landrätin und Finanzdezernent des Landkreises, fuhr nach Schwerin und war dabei, als sich die drei Beraterfirmen präsentierten.
Auch Fragen habe er stellen dürfen, berichtet Gutgesell. Außerdem sagt er: „Ich muss schon sagen: Die drei Firmen haben alle einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht.“ Dann greift allerdings ein Schweriner Maulkorb: „Mehr kann und darf ich zum laufenden Auswahlverfahren nicht sagen.“ Auch im Ministerium gibt man sich, wie so oft, sehr verschlossen: „Die Vorstellungen haben stattgefunden, aber wir werden uns nicht weiter dazu äußern, so lange das Verfahren läuft“, sagt Innenminister Lorenz Caffiers Sprecherin Marion Schlender.
Bis der Berater seinen Schreibtisch in der Kreisverwaltung Vorpommern-Greifswald besetzen kann, wird es ohnehin noch einige Monate dauern. Irgendwann im Sommer rechnet die Kreisverwaltung mit der Ankunft des Spezialisten. Der soll dann an der Haushaltskonsolidierung mitwirken und vor allem einen Lösungsvorschlag für die Aufgabe entwickeln, den Landkreis auf ein neues finanzielles Fundament zu stellen.
In diesem Zusammenhang hegt die Kreisverwaltung eine kühne Hoffnung: Wie es aus Verwaltungskreisen heißt, geht die Verwaltungsspitze davon aus, dass der Berater schnell merken werde, dass das entscheidende Problem gar nicht die Kreisverwaltung und ihr Umgang mit den Finanzen sei, sondern die chronische Unterfinanzierung des Landkreises. Für die trage aber die Schweriner Politik die Schuld. In diese Richtung lassen sich auch Äußerungen interpretieren, die Landrätin Barbara Syrbe im Januar tätigte: Der Berater solle wohl „ein Wunder vollbringen“, mutmaßte Syrbe in einer Erklärung. „Wir wehren uns nicht gegen externen Sachverstand. Aber man darf gespannt sein“, sagte sie damals.
Kommt es tatsächlich so, wie Syrbe und ihre Mannschaft hoffen, könnte sich der Berater als spektakuläres Eigentor von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erweisen. Ob das allerdings der Fall sein wird, wird sich wohl frühestens zu Jahresende zeigen. Dann rechnet die Verwaltung des Landkreises mit ersten Ergebnissen des Beauftragten.

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