Nordkurier.de

Ehrenamtlichkeit zahlt sich aus: Ein Treffpunkt für jedermann

Annelise Loppnow und Gisela Weigel: Ein Ort, an den man gerne kommt. [KT_CREDIT] FOTO: Rico Clemen
Annelise Loppnow und Gisela Weigel: Ein Ort, an den man gerne kommt. [KT_CREDIT] FOTO: Rico Clemen

VonRico Clemen

Der neu eingerichtete Nachbarschaftstreff der Caritas in Anklam soll Platz für Gruppen jedes Alters
und Nationalität bieten.
„Die Zeit, die man anderen schenkt, kann Großes bewirken“, sagt Koordinatorin Anette Broszat.

Anklam.Der Raum der Caritas an der Friedländer Straße ist zum Bersten voll, als Ulrich Höckner, Leiter der Caritas Ostvorpommern, und Anette Broszat, die Räumlichkeiten des Nachbarschaftstreff „Wegwarte“ offiziell eröffnen. Beide machen vor allem eines deutlich: Eine Einrichtung, wie sie hier aufgebaut wurde, ist nur dank der vielen ehrenamtlichen Helfer möglich. Broszat appelliert an die Zuhörer, dass „die Zeit, die wir anderen schenken, in ihrer schönsten Form zu uns zurückkehrt.“ Hier seien nicht nur diese Aufenthaltsräume geschaffen worden, sondern Lebensqualität, erklärt Höckner. “Viele, die sich jahrelang nicht mehr gesehen haben, treffen sich hier wieder und organisieren sich“, erzählt Broszat.
So hilft etwa Ilse Hennings multikulturelle Grupp „Dialog“ Spätaussiedlern, Deutsch zu lernen – jede Woche lädt sie zum Sprachunterricht ein. Eine einseitige Sache sei das aber nicht: „Man lernt miteinander“, erklärt Henning. „Uns ist wichtig, dass wir unser eigener Herr sind. Wir haben es hier warm, können die Küche nutzen, stören niemanden und das alles kostenfrei.“ Aber beim Sprachen lernen bleibt es nicht – zusammen planen sie Ausflüge: nach Potsdam Sanssouci, Schwerin, ins Theater und Ballett ging es schon. Das Klischee des trägen Rentners beweist sich in ihrem Fall übrigens als unwahr: Broszat koordiniert mehrmals im Monat Treffen, bei denen neue Kontakte geknüpft werden können – möchte aber den einzelnen Gruppen ihren Freiraum lassen.
„Das hier ist ein guter Ort für Leute, die sich allein fühlen“, meint Ingeborg Eichhaus. Sie lebte vor 50 Jahren genau an dieser Stelle mit ihrem verstorbenen Mann. „Er hat hier alles aus dem Sand geschaffen“, erzählt sie. Was jetzt aus ihrem ehemaligen Heim gemacht wurde, findet sie ganz famos – und ist jetzt selbst oft zu Besuch. Die Seniorengruppe um Gisela Weigel und Annelise Loppnow fand in dem Treff einen neuen Unterschlupf, nachdem es bei den Johannitern an der Bremerstraße zu eng für sie wurde. „Wir wurden hier sehr gut empfangen und fühlen uns in guter Obhut“, berichtet Weigel.
In nächster Zeit möchte Leiterin Broszat die Palette an Angeboten noch erweitern: Eine internationale Krabbelgruppe ist ihr großer Wunsch und dafür sucht sie noch motivierte Mütter und Väter, die mit ihren Kindern neue Kontakte knüpfen möchten. Fragt man dagegen die Gruppen, welche Wünsche sie für die Zukunft haben, stellt sich heraus: Die meisten sind ziemlich zufrieden. Nur Inga Hacka hat eine Bitte: „Noch viele weitere so tolle Nachmittage“ würde sie gerne erleben.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×