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Ein Vorpommer und bester Azubi des Landes

Helge Martin ist viel unterwegs. Von Anklam aus startet der 22-jährige Anlagenmechaniker aus Hammer regelmäßig zu Aufträgen in ganz Deutschland und Europa. Doch unter seinen vielen Dienstfahrten stach die, die er neulich gemeinsam mit seinem Chef Ralf Bärenwald unternahm, doch etwas heraus: Ziel war das Schweriner Wirtschaftsministerium, wo Martin von Staatssekretär Stefan Rudolph für seine herausragenden Leistungen geehrt wurde. Denn er hat gerade seine Ausbildung beendet und gehört zu den drei Jahrgangsbesten im Bundesland.
„Mir macht die Arbeit Spaß, wenn ich auch gefordert werde und wenn es nicht nur darum geht, Befehle auszuführen“, sagt er über sich selbst. Der Chef sieht‘s ähnlich: „Das Wichtigste ist, dass die Auszubildenden auch selbst etwas erreichen wollen, dass sie lernwillig und ehrgeizig sind.“ Aber reicht das schon, um zu erklären, warum die Anklamer Genossenschaft jetzt schon zum dritten Mal einen der landesweit besten Azubis hervorgebracht hat? 2006 war Kauffra Andrea Abendroth geehrt worden, 2010 folgte ihre Kollegin Antionia Legat. „Es kommt sicher auch darauf an, dass wir uns als Unternehmen bemühen, die Ausbildung auch ernst zu nehmen“, sagt Bärenwald. So würden gute Azubis etwa mit einer Schweißer-Ausbildung belohnt, die das Unternehmen bezahlt, wenn sie gute Leistungen zeigen. Für Helge Martin war gerade das ein Glücksfall: Das Schweißen wurde seine Leidenschaft – im Beruf, aber auch im Privatleben, wie er berichtet.
Sein Chef Ralf Bärenwald schaut trotzdem nicht ganz glücklich, wenn er über Helge Martin spricht, obwohl er stolz ist auf „seinen“ Spitzen-Azubi, der auch weiterhin im Unternehmen bleiben will, womöglich sogar für eine Meisterausbildung. Doch Bärenwald plagen inzwischen Nachwuchssorgen: Er ist nicht sicher, ob er noch einmal einen Azubi bekommt wie Martin einer war – er ist nicht mal sicher, ob er überhaupt noch mal einen Azubi findet. „Wir haben 2012 nicht eine einzige unserer Azubi-Stellen besetzen können.“ Dieses Jahr würde er am liebsten gleich sechs Azubis einstellen – doch die Bewerbungen halten sich in Grenzen: „Die jungen Leute können sich inzwischen aussuchen, was sie machen wollen.“ Leider, findet der Chef, entscheiden sich da viel zu wenige für einen Beruf im Handwerk. Dabei sei gerade der Anlagenbau durchaus zukunftssicher. In Zeiten der Energiewende werden allenthalben Heizungs- und Lüftungsanlagen ausgetauscht. Und die Bezahlung? Die sei auch gar nicht so schlecht, sagt Bärenwald, auch wenn er keine genauen Zahlen nennen will: „Aber jedenfalls liegen wir in allen Bereichen sehr deutlich über dem Mindestlohn!“

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