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Es knallt im Dorf: Pyro-Tests am Flugplatz bleiben explosives Thema

Wenn solche Kugel- und Zylinderbomben – diese wurden von den Pyrotechnikern beim Herbstfest auf dem Dach des Tutower Flugplatz-Towers installiert – in die Luft gehen, wird es schon mal mächtig laut. Und das stößt im Ort längst nicht überall auf Gegenliebe, schon gar nicht abends.   FOTO: Stefan Hoeft
Wenn solche Kugel- und Zylinderbomben – diese wurden von den Pyrotechnikern beim Herbstfest auf dem Dach des Tutower Flugplatz-Towers installiert – in die Luft gehen, wird es schon mal mächtig laut. Und das stößt im Ort längst nicht überall auf Gegenliebe, schon gar nicht abends. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Der Ärger um die Knallerei auf dem Tutower Flugplatz geht weiter. Jetzt standen aufgebrachte Einwohner schon nachts bei Bürgermeister und Abgeordneten vor der Haustür. Und die nächsten Genehmigungsanträge dürften folgen.

Tutow.„Ich hatte wieder einigermaßen Resonanz aus dem Dorf“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Littmann diplomatisch über die Folgen der jüngsten Feuerwerks-Tests auf dem Flugplatz am Rand Tutows. Weil Pyrotechniker das weitläufige Ex-Militärgelände am Herrentag und an den beiden Wochenenden herum für Schulungen und das Ausprobieren von Lichteffekten und Böllern nutzten, herrschte auch im Ort explosive Stimmung. Und der Rauch hat sich noch längst nicht verzogen.
Denn so manchen Einwohnern geht die Knallerei mächtig auf den Zünder, passiert ihnen vor allem zu häufig und zu weit in den Abend hinein. Immerhin reichte das von den Behörden genehmigte Zeitfenster bis 23 Uhr und waren die Detonationen weit über Tutow hinaus zu hören.
Die anfangs kleineren Feuerwerkseinlagen hätten sich viele ja gefallen lassen, weiß der Gemeindechef, doch die deftigen Explosionen später führten dazu, dass er selbst einiges davon mitbekam, obwohl Littmann wohlweislich die meiste Zeit gar nicht vor Ort war: Nachbarn hätten geschimpft und gegen 22 Uhr sogar ein junger Vater vor der Haustür gestanden, um seinem Unmut Luft zu machen. „Ich musste mich da wirklich verteidigen“.
Sprich er zeigte mit dem Finger auf jene Mehrheit der Gemeindevertreter, die für die Genehmigung gestimmt hatten und schickte denen die Leute auf den Hals. Diesmal nämlich gehörte das Dorfoberhaupt zu jenen, die das Ganze nicht befürworteten, ebenso wie sein zweiter Stellvertreter Mathias Kunicke sowie die Abgeordneten Michael Schleede und Karl-Heinz Kuhfuß. Denn in Tutows Kommunalparlament spiegelt sich hier offenbar gut die Volksstimmung wider, die gleichfalls recht gespalten daher kommt.
Es wohnen dort neben den Kritikern schließlich auch eine Menge Menschen, die sich mit der Pyrotechnik arrangieren können oder das ganze sogar regelrecht begrüßen, weil es etwas besonderes ist. „Es gibt welche, die setzen sich extra ans Fenster und sagen, sie haben so einen Logenplatz, die finden das schön“, weiß Gemeindevertreter Reiner Köditz. Während nebenan vielleicht die Leute stattdessen toben über den Krach.
Er selbst stimmte für die Genehmigung, wie eigentlich der gesamte Kulturausschuss. Immerhin setzt das Gremium darauf, dass auch das Dorffest davon profitiert – in Form einer Pyrotechnik-Show. „Mit den 500 Euro, die wir für diese Veranstaltung im Haushalt haben, braucht man da gar nicht anfangen, wir als Gemeinde könnten uns das nicht leisten“, unterstreicht Köditz.
Gleichzeitig räumt er ein, dass mehr Fingerspitzengefühl bei der Genehmigung angebracht erscheint, nicht zuletzt angesichts des familiären Gegenwinds: „Ich habe sogar Ärger mit meiner Frau gekriegt, weil das bis 23 Uhr ging.“ Er könne die Kritik insbesondere von Tutowern mit Kinder durchaus verstehen.
Sein Vorschlag lautet, das Ganze künftig nicht mehr so weit in den Abend hineinzuziehen. Helfen würde nach Köditz Meinung auch, wenn laute Knallerei möglichst tagsüber stattfindet und nicht so häufig, die späteren Zeiten hingegen Lichteffekten vorbehalten blieben. Generell verbieten möchte er so etwas jedenfalls nach wie vor nicht. Da weiß er sich mit dem Bürgermeister einig: „Auch wenn es da wieder Diskussionen geben sollte. Im Ernstfall lasse ich das wieder abstimmen. So ist das in der Demokratie“, erklärt Littmann. Und zur Gemeindesitzung habe sich schließlich bis heute kein Bürger deswegen blicken lassen.

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