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Feuer frei für die Gulaschkanone

Von unserem Redaktionsmitglied
Stefan Hoeft

So einen fiesen Jahresstart hatte der Gulaschkanonen-Kommandeur Detlef Haacker noch nie: Erst versagte die Technik ihren Dienst, dann musste er sich Väterchen Frost geschlagen geben. Wen wundert‘s, dass sich der Jarmener über den jetzigen Wetterumschwung besonders freut.

Jarmen. „Noch so ein Monat, und ich hätte wohl dicht machen können“, meint Detlef Haacker, seit 2009 als selbstständiger Unternehmer mit Feldküche zwischen Jarmens Altstadt und dem Hafen präsent. Er hat noch mehr als viele andere Vorpommern die Nase gestrichen voll von Kälte und Schnee. Weil sie ihm sprichwörtlich auch finanziell bis zum Hals stehen. Denn jeder Wintertag bedeutet schlechtere Arbeitsbedingungen und geringere Einnahmen – ein Riesenfaktor bei so einem kleinen Geschäft.

Dabei blickte Haacker nach dem verhältnismäßig milden Dezember ziemlich euphorisch ins neue Jahr, erzählt er. Aber nur kurz, denn schon mit dem Ausschank am 2. Januar wurde es nichts mehr: „Die Feldküche ging kaputt, einen Tag danach der Kocher. Und eine Woche später auch noch der Transporter“, berichtet der Jarmener. „Das war vielleicht ein Start ins Jahr 2013. Danach habe ich gesagt, das mit der 13 stimmt doch.“ Sie bleibt eben eine Unglückszahl. Zumal die Defekthexe nicht der einzige ungebetene Gast blieb, sondern bald Gesellschaft von Väterchen Frost erhielt.

Nun ist es ja nicht so, dass „Haackis Feldküche“ generell im Winter das Weite sucht, um sich nur wegen ein paar Flocken in der warmen Höhle zu verkriechen. Doch wenn wie diesmal wochenlang immer wieder in Größenordnungen Schnee fällt und die Minusgrade beißen, lässt sich das Imbiss-Zelt eben schwer im Guten täglich auf- und abbauen. Obendrein will sich kein Hungriger freiwillig den Hintern an der Bank festfrieren und dem Essen beim Vereisen zuschauen. Also räumte der Feldküchen-Chef seinen Stammplatz und postierte sich auf dem heimschen Hof am Klinkenberg, um wenigstens einen Teil der Kundschaft am Kessel zu halten. Mancher Stammesser holte sich seine Portion persönlich ab, vielen anderen im Ort fuhr Haacker das Mittag nach Hause. Ohne dies, stellt er klar, wäre längst das Ende besiegelt gewesen.

Trotzdem wurde ihm zuletzt langsam die Luft knapp angesichts der Länge dieser Zwangspause. Fehlten doch die Kunden von außerhalb beziehungsweise auf der Durchreise. „Letztes Jahr war ich schon im Februar wieder hier“, 2013 nun ging es sogar Anfang April noch nicht. Erst die jüngsten Prognosen von der Wetterfront ließen seinen Optimismus aufblühen und diese Woche nun endlich die Gulaschkanone wieder am Hafen in Stellung bringen. Zwar wohlweislich mit weniger „Munition“ bestückt als zu Spitzenzeiten, aber immerhin gut sichtbar. Schließlich müsse sich das Ende der Wintersaison erst rumsprechen, bis das Geschäft wieder brummt.

Dass das wegen der langen Abwesenheit scheitern könnte, glaubt Haacker jedenfalls nicht, der als gelernter Schlosser seit langem die Koch-Funktion bei der Jarmener Feuerwehr übernimmt. So spuckte die Gulaschkanone am Montag gleich mal den traditionellen Erbseneintopf aus, und als tags darauf deftiges Gulasch im Kessel dampfte, waren bereits alle Portionen ausverkauft. „Entscheidend ist, dass hier immer frisch gekocht wird, da gibt‘s nichts aus der Friteuse.“

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