Nordkurier.de

Flieger umkurvt „EU-Schwachsinn“

Vor einem Jahr bekam Flugplatzbetreiber Johannes Eitschberger kaum festen Boden unter den Füßen. Denn zum Tag der offenen Tür chauffierte er stundenlang Besucher durch die Luft. So etwas erschwert die EU nun allerdings.  FOTOs: Stefan Hoeft
Vor einem Jahr bekam Flugplatzbetreiber Johannes Eitschberger kaum festen Boden unter den Füßen. Denn zum Tag der offenen Tür chauffierte er stundenlang Besucher durch die Luft. So etwas erschwert die EU nun allerdings. FOTOs: Stefan Hoeft

Fast genau ein Jahr ist es her, da überrannten die Leute förmlich den Tutower Flugplatz. Denn zum ersten Tag der offenen Tür um Himmelfahrt 2012 kamen mit über 1000 Besuchern weit mehr als Betreiber Johannes Eitschberger je erwartet hätte – auch wegen des Feuerwerks. Und weil so mancher von ihnen obendrein das kostengünstige Angebot zu einem Rundflug nutzte, befanden sich der Hausherr selbst und ein anderer Pilot von morgens bis abends fast pausenlos in der Luft.
Doch was seit Jahrzehnten in Deutschland legal möglich war, wird nun durch eine neue Richtlinie der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) erschwert. Demnach dürfen beispielsweise auch Luftsportvereine bei ihren Festen keine Rundflüge gegen Bezahlung mehr anbieten, ist eine Vergütung bei normalen Lizenzen nur noch in der Funktion als Fluglehrer oder Prüfer zulässig.
„Das ist alles wieder neuer bürokratischer Schwachsinn“, kommentiert Eitschberger die frisch erlassene EU-Maßgabe. Sie bedeute schließlich mehr Papierkram und damit zusätzlichen Müll, urteilt er. „Mal sehen, wie wir das in Zukunft handhaben.“ Denn wirklich verbieten lassen will er sich solche Rundflüge trotzdem nicht. Die EASA-Richtlinie zwinge ihn künftig aber wohl erstmal, eine andere rechtliche Lösung zu suchen, beispielsweise, das ganze über zwei Gesellschaften abzuwickeln. Als eine Art Charter, so aber ohne den offiziellen Anstrich „Rundflug“, dafür mit ein paar Blättern Papier und Unterschriften mehr. „Denn ich besitze eine gültige Lizenz und einen Flieger, der für vier Personen zugelassen ist. Und da kann es mir doch keiner verbieten, Leute mitzunehmen“, unterstreicht der Tutower gegenüber Nordkurier.
Dass er dieses Jahr zu Himmelfahrt trotz der Feuerwerker von einem Tag der offenen Tür absieht, begründet Eitschberger stattdessen mit dem langen Winter und seiner Baufirma. Die nämlich hatte viele Monate nicht richtig zu tun, und gerade erst läuft für die Branche die Saison wieder an. „Da haben wir jetzt massig zu tun.“ Ein Flugplatzfest koste eben in der Vorbereitung immer locker drei bis vier Tage, auch hinterher bleibe einiges zu tun. Zeit, die Eitschberger 2013 nicht übrig hat.
Ganz abgestürzt ist das Projekt damit aber nicht, stellt er klar. „Mal schauen, was die Saison bringt.“ Zumal sich die Pyrotechniker dieses Jahr bereits zu weiteren Terminen angemeldet hätten, sich beides also durchaus nochmal miteinander verbinden ließe. Wahrscheinlich komme eher der Sommer für den nächsten Tag der offenen Tür in Frage. Dem Flugplatzbetreiber schwebt vor, ihn vielleicht auch mit dem traditionellen Bikertreffen zu verknüpfen.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×