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Getürkte Statistik? Kreis rechnet jetzt nach

Von unserem Redaktionsmitglied
Gabriel Kords

Vorpommern.Mit dem Rechnen ist das ja so eine Sache bei der Kreisverwaltung: Die Mannschaft von Landrätin Barbrara Syrbe (Linke) verblüffte jüngst durch die Feststellung, das Jahresdefizit des Kreises für 2013 sei doch nur halb so groß wie ursprünglich gedacht. Jetzt rechnen die Verwaltungs-Fachleute bei anderen Zahlen noch einmal nach: Nachdem Arbeitsagentur-Chef Heiko Miraß den explosionsartigen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Wolgast und Anklam mit Statistik-Tricks seitens des Kreises erklärt hatte, will Landrätin Syrbe Ende der Woche Stellung nehmen.
Am Freitag will die Kreisverwaltung mit eigenen Zahlen belegen, dass Agenturchef Miraß Unrecht hat: „Wir sehen noch Aufklärungsbedarf bei Herrn Miraß. Wir wollen die dafür nötigen Zahlen gern liefern, aber es wird noch ein paar Tage dauern, damit es dann auch wirklich fundiert ist“, begründet Kreis-Sprecher Christoph Krohn die lange Wartezeit.
Miraß hatte kritisiert, die Sozialagentur des Kreises, die zu Jahresbeginn aufgelöst wurde, habe überdurchschnittlich viele Mitarbeiter in so genannte Maßnahmen geschickt, wodurch diese zeitweise aus der Statistik verschwunden seien. „Es handelt sich dabei um eine zulässige, aber in dieser Größenordnung ungewöhnliche Nutzung eines Instruments der Arbeitsmarktpolitik“, sagte er. Zeitweise seien über 1000 Arbeitslose in solchen Maßnahmen gewesen. Weil die Teilnehmer aber meistens keinen neuen Job fanden, seien sie anschließend wieder in die Statistik zurückgeflossen. So will Miraß nicht weitermachen: „Man kann den Euro nur einmal ausgeben. Viele preisgünstige Maßnahmen, mit denen man sehr viele Menschen bewegt, bedeuten gleichzeitig einen Verzicht auf Vermittlungshilfen wie Eingliederungszuschüsse oder Weiterbildung. Das kann man tun, wenn man dadurch bessere Ergebnisse erzielt. Die Betroffenen sind jetzt aber alle wieder da.“
Die Grünen im Kreis präsentierten derweil ihre „Kleine Anfrage“ an die Kreisverwaltung, die eigentlich ziemlich groß ist. Mit stolzen 16 Fragen will die Partei klären, ob die Vorwürfe von Miraß berechtigt sind.

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