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Gibt es wieder Ärger? Tutow erwartet eine Knaller-Woche

Tutow.„Grundsätzlich hält sich da die Stimmung im Dorf die Waage: Die einen sagen, was soll das, die anderen sagen, lass die doch ruhig machen“, erklärt Tutows Bürgermeister Hans-Peter Littmann, dabei den ehemaligen großen Militärflugplatz am Ortsrand im Blick. Denn der ist nicht mehr nur Anlaufpunkt für besondere Musikveranstaltungen, sondern seit dem Vorjahr auch für Berufsfeuerwerker aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland, die hier immer mal einige Tage lang Pyrotechnik testen. Schließlich zeigt sich das Areal weiträumig und liegt mitten in der vorpommerschen Provinz weitab vom Schuss, verspricht so weniger Konfliktpotenzial als die meisten anderen geeigneten Testgelände. Doch ganz ohne Ärger bleibt das Ganze auch in Tutow nicht.

Schon vergangenes Jahr knallte es

Schon beim ersten Knall- und Lichterspektakel um den Herrentag 2012 herum gab es aus der Nachbarschaft Kritik an Lautstärke und Dauer der Böllerei, beim Herbstfest des Flugplatzes spitzte sich die Lage dann zu: Gemeindechef Littmann kreuzte des Nachts zum großen Lichterspektakel „Der Tower brennt“ auf, um ein Ende der Knallerei zu fordern. Die Leute in der Umgebung fühlten sich fast schon wie im Krieg angesichts der vielen Detonationen, die seit dem Vortag fast pausenlos vom ehemaligen Militärgelände herüberhallten, beschwerte er sich damals. Und sah klar die Schmerzgrenze für die Kommune erreicht, zumal damals ab 22 Uhr Ruhe herrschen sollte.
Kein Wunder also, dass nicht jeder in Tutow und Umgebung begeistert von einer neuen Serie „Bombentests“ erscheint, die gleich zum Mai-Auftakt beantragt wurden. Immerhin gibt es im Ort viele Senioren beziehungsweise Pflegeeinrichtungen. Befürworter hingegen finden es schön, dass mal etwas los ist und erhoffen sich nebenbei auch ein Feuerwerk zum Dorffest, wie es sich die Kommune sonst nicht leisten könnte. Dieser Riss zieht sich auch mitten durch die Gemeindevertretung, wie ein Telefonumfrage des Bürgermeisters im Vorfeld ergab: Sechs Abgeordnete bekundeten Unterstützung für die Flugplatz-Spektakel, vier eher nicht und einer zeigte sich unentschieden.

Remmidemmi am Herrentag

Am Ende gab es so also aus Tutow noch einmal ein knappes Votum dafür. Ein Fakt, der insbesondere für das Landesamt für Arbeitsschutz und Gesundheit in Neubrandenburg (LAGUS) von Interesse ist. Denn die Behörde ist zwar für die sicherheitstechnische Genehmigung solcher Feuerwerke zuständig, ihr Einverständnis ersetzt allerdings nicht die Zustimmung anderer Stellen wie beispielsweise Ordnungsamt oder Kommune. „Das Feuerwerk ist erlaubt, die Genehmigung vom LAGUS liegt schon vor“, verdeutlichte der Jarmener Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt auf unsere Anfrage.
Los gehen soll es demnach am jetzigen Sonnabend und Sonntag, wobei es zu den genehmigten Zeiten jeweils nur ein zehn bis 20 Minuten dauerndes Feuerwerk gibt, wie der Bürgermeister erläuterte. „Da sind aber auch große Knaller dabei.“ Etwas anders gestalte sich die Situation um den Herrentag und das folgende Wochenende herum, wo der Pyrotechniker in den Zeitfenstern verschiedenste Tests durchführe: „Da macht er dann auch richtig Remmidemmi mit Dauerbeschuss.“

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