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Hier rutschen Anklams Jüngste in den wohlverdienten Feierabend

Vorpommern schläft nicht! Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Beinen – und wir bleiben 24 Stunden wach, um sie für jeweils eine Stunde zu begleiten.
Von 16 bis 17 Uhr war unsere Reporterin Anja Rau im Kindergarten „Am Bock“ der Volkssolidarität.

Anklam.Am Eingang kommen mir ein Junge mit blauer Mütze und sein Vater, der den Kinderrucksack trägt, entgegen. Ansonsten ist vor dem Gebäude nichts von Kindern zu hören. Als ich das Grundstück betrete, wird mir klar, warum. Von den 120 Kindern der Integrativen Kita „Am Bock“ der Volkssolidarität toben nur noch neun über das Außengelände. „Heute sind die meisten Kinder schon abgeholt worden“, sagt Leiterin Angela Breitsprecher und begrüßt mich. „Normalerweise wären wir jetzt schon wieder drinnen, aber das Wetter ist ideal.“ Wie zur Bestätigung saust Ronja auf einem Roller an uns vorbei – eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, wäre da nicht noch das Kartenspiel Mau-Mau. „Sie kommt immer vorbei und fragt mich, ob ich Zeit zum Spielen habe“, erzählt die Kitaleiterin über die Fünfjährige.
Im Garten stehen rund um einen Tisch zwei Jungs und ein größeres Mädchen. Es sind die beiden Antons und Anna-Lisa, mit acht Jahren die Älteste an diesem Nachmittag. „Schau mal, wir beobachten Schnecken und Marienkäfer“, werde ich willkommen geheißen. Der eine Anton, Anna-Lisas Bruder, ist fünf Jahre alt, kann aber Marienkäfer und Feuerkäfer schon ganz genau auseinander halten: „Der Feuerkäfer hier wollte uns schon ausbrechen. Ich habe ihn wieder eingefangen“, erzählt mir der aufgeweckte Junge mit der blauen Jacke und der weiß-gestreiften Mütze. Jetzt krabbelt der Feuerkäfer weiter über den Tisch – unter den wachsamen Augen von Anton.
Regine Studier, die Heilerzieherin, die heute Spätdienst hat, wird ebenfalls dazu gerufen. „Der Marienkäfer hat eben einen Stein geschubst, als ob er Fußball spielen will“, sagt Anna-Lisa aufgeregt. Das muss beobachtet werden, und so hängen gleich darauf mehrere Kinder über dem Eimer, in dem die Marienkäfer sind. Linus, sein älterer Bruder Marvin, Eric und auch der zweite Anton spielen dann aber lieber mit einem Ball, bevor schon bald eine neue Beschäftigung her muss. Die aufgereihten Steine eignen sich super zum Klettern, finden die Jungs. Und so geht es eine Zeitlang immer rauf und runter über die Hügel. „In den Nachmittagsstunden ist die Trennung der Gruppen aufgehoben, dann spielen alle gemeinsam“, sagt Angela Breitsprecher.
Für einen gilt das heute nicht: Direkt neben der Fußballwiese dreht ein weiterer Linus seine Runden auf der Rutsche. Heute ist er sehr scheu, hängt Erzieherin Monika Eckholz geradezu am Hosenzipfel. „Linus, was ist denn mit dir heute los?“, fragt sie daher. Sein Papa dagegen grinst später ob dieser Reaktion: „Das hat er geerbt. Wir sind anfangs alle schüchtern“, sagt er mir.
Es ist halb fünf als die ersten Familienmitglieder in der Tür stehen. Die Brüder Linus und Marvin werden vom Papa und der Oma abgeholt. Marvin ist schon ein alter Hase in der Einrichtung, sagt sein Vater: „Seit er zwei Jahre alt ist, ist er hier. Durch die Arbeit geht es gar nicht anders.“ Auch Angela Breitsprecher nutzt die Abholzeiten, um mit den Eltern noch ein wenig zu plauschen. „Sonst kommt man ja gar nicht dazu.“
Kaum sind die vier mit dem Auto vom Hof gefahren, geht es Schlag auf
Schlag.
Anna-Lisa und Anton
sind die nächsten, die mit Rucksack und Jacke über dem Arm für diesen Tag verschwinden. Die beiden Geschwister werden immer um diese
Uhrzeit abgeholt,
der andere Anton
dagegen war heute länger hier.
„Sonst komme ich immer so gegen halb vier. Dann höre ich ganz häufig ,Och Mama, warum denn jetzt schon? Ich will noch spielen!‘“, so seine Mutter. Doch heute bleibt das Geschachere um die Minuten aus.
Anders bei Ronja. Die Fünfjährige fühlt sich im Buddelkasten der Krippenkinder sichtlich wohl. Die Grube wird sekündlich tiefer, die Aufforderungen ihrer Mutter verhallen ungehört. „Ronja, komm, sonst gehe ich allein“, sagt sie. Ronja schippt mit stoischer Ruhe weiter. „Sie fühlt sich wohl hier“, sagt die Mama. Nach weiteren Minuten – inzwischen ist die Hose schon ganz sandig – klettert Ronja aus ihrer Grube heraus. „Das Loch werden dir die Krippenkinder morgen wohl wieder zuschippen“, sagt Angela Breitsprecher. Um 16.47 Uhr klappt die Tür zum Außengelände der Kita ein letztes Mal zu. Ronja und ihre Mama gehen in den wohlverdienten Feierabend, den nun auch die Erzieherinnen antreten.

Kontakt zur Autorin
a.rau@nordkurier.de

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