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„Illegale“ Hunde: Amt macht Jagd auf Steuersünder

VonStefan Hoeft

Jetzt scheint Schluss mit lustig: Weil offenbar längst nicht alle Hundebesitzer ihre Vierbeiner ordnungsgemäß anmelden, sollen im Amtsbereich Jarmen-Tutow verstärkt Kontrollen folgen. Denn es geht um Geld und Gerechtigkeit.

Jarmen/Tutow.Wer mit einem Bello ohne Steuermarke durch den Amtsbereich Jarmen-Tutow läuft, für den dürfte es künftig unangenehm und mitunter teuer werden. Aber selbst auf dem eigenen Hof kann sich wohl niemand in Sicherheit wiegen, der sozusagen illegal Vierbeiner beherbergt, wie der Jarmener Rathauschef Arno Karp gegenüber Nordkurier ankündigt: „Wir gehen jetzt dazu über, in den Orten zu kontrollieren, wer seinen Hund angemeldet hat und wer nicht.“ Damit kommen die Mitarbeiter auch einer Forderung nach, die von einigen Dorfbürgermeistern schon lange existiert.
Denn obwohl bei der Finanzabteilung per Februar immerhin insgesamt 988 bellende Vierbeiner registriert waren – allein 395 davon in Jarmen und seinen Ortsteilen, 179 in der Gemeinde Bentzin, 82 in Tutow – dürften das bei weitem nicht alle sein. „Es gibt eine große Dunkelziffer im Amtsbereich“, weiß der Verwaltungschef. Zumal verstärkt zu beobachten ist, dass ein Herrchen oder Frauchen sogar drei und mehr Tiere hält.
Sicher beschert die Kontrollaktion den Kommunen künftig einige Mehreinnahmen durch die entsprechenden Steuern. Aber diese retten keinen Haushalt und seien nicht der eigentliche Beweggrund, unterstreicht Karp. „Es geht um die Gleichbehandlung“, damit sich „ehrliche“ Hundehalter nicht fragen müssten, warum andere Zeitgenossen über Monate und Jahre ohne Hundesteuer davon kommen. Und das, obwohl ihre Vierbeiner vielleicht noch für übermäßigen Lärm sorgen oder unerlaubter Weise gar in der Gegend frei herumlaufen. Von der zunehmenden Tretminen-Gefahr auf öffentlichen Wegen, Plätzen und Grünflächen will der Bürgermeister gar nicht erst anfangen.
Gerade bei ernsthaften Zwischenfällen mit Hunden sei es überdies für die Behörden wichtig, schnell feststellen zu können, wo das Tier hingehört und wer der verantwortliche Mensch dazu ist. Vorerst letztes Beispiel dafür war das Massaker im Streichelzoo der Kita Zarrenthin (Nordkurier berichtete), das auf das Konto von Hunden aus der Nachbarschaft geht. Nicht nur angesichts dieser Vorkommnisse sei es ohnehin angebracht, sich neben der Steueranmeldung auch eine spezielle Haftpflichtversicherung zuzulegen, empfiehlt der Hundekenner.
Allerdings reiche es längst nicht aus, seinen bellenden Haus- oder Hof-Genossen nur im Rathaus registrieren zu lassen, wie Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt unterstreicht. „Bei der Anmeldung bekommt jeder eine Steuermarke. Und die ist an der Leine oder am Halsband zu befestigen.“ So dass das Plättchen stets dort vor Ort zu finden ist, wo sich auch der Hund gerade befindet. „Unser Außendienst wird auch danach gucken.“
Überdies kündigte er an, dass demnächst die Hundesatzungen im Amtsbereich überarbeitet und besser an die aktuelle Rechtsprechung angepasst werden. Einige dieser kommunalen Richtlinien nämlich haben schon jede Menge Fiffis und Bellos überlebt, gelten bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten unverändert.

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