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In seinen Träumen war Anklam immer größer

Vor allem mit dem Lilienthal-Center wollte Hans-Helge Thran einen Hauch von Metropole nach Anklam bringen.  Bedenken, ob das nicht alles eine Nummer zu groß sei, wischte er weg. [KT_CREDIT] FOTO: Jürgen Mladek
Vor allem mit dem Lilienthal-Center wollte Hans-Helge Thran einen Hauch von Metropole nach Anklam bringen. Bedenken, ob das nicht alles eine Nummer zu groß sei, wischte er weg. [KT_CREDIT] FOTO: Jürgen Mladek

VonJörg Foetzke

Einige sagen, dass er Anklam kaputtbetoniert hat, „Gelbes Elend“ nennen sie sein größtes Projekt, das „Lilienthal-Center“. Doch eines steht fest: Hans-Helge Thran hat an Anklam geglaubt wie kaum ein anderer. Für ihn hatte die Stadt unglaublich viel Potenzial, dafür hat er viel riskiert und investiert. Er starb jetzt mit 73 Jahren.

Anklam.Von der Wende bis in die Gegenwart hat wohl niemand das Anklamer Stadtbild geprägt wie Hans-Helge Thran. Der aus Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz stammende Thran hatte sich Anfang der 90er-Jahre in der Peenestadt als echter Baulöwe profiliert: Sowohl das Lilienthal-Center als auch das Einkaufszentrum an der Mühlenstraße wie auch das Pflegeheim und die benachbarte Seniorenresidenz an der Hospitalstraße ließ er aus dem Boden stampfen. Ebenso ließ er die Reihenhäuser in der Jahnstraße bauen. Anklam kommt, Anklam braucht das, davor war er überzeugt. Und davon, dass sich das alles rechnen würde.
Vor allem mit dem Lilienthal-Center wollte Hans-Helge Thran einen Hauch von Metropole nach Anklam bringen. Noch beim Richtfest schwärmte er von den schillernden Einkaufsmöglichkeiten, die sein Center den Peenestädtern bieten sollte. Bedenken, ob das nicht alles eine Nummer zu groß sei, wischte er weg. Der Mann dachte einfach groß. Doch alles kam ganz anders: Bis heute stehen Ladenflächen in Größenordnungen leer.
Ende der 90er-Jahre geriet Hans-Helge Thran dann auch noch in schwieriges wirtschaftliches Fahrwasser: 1998 gab es einen ersten Konkursantrag gegen seine Baufirma, zudem gab es Ärger mit den Banken, die seine Anklamer Immobilien übernahmen. Alles aus? Nicht für einen wie Thran.
2006 kehrte er wie Phönix aus der Asche nach Anklam zurück. Neue Pläne, neuer Ehrgeiz, er war geschäftlich im Pflegeheim an der Hospitalstraße involviert. Am Pflegeheim-Neubau an der Lindenstraße kann Hans-Helge Thran hingegen nicht mehr selbst mitwirken. Er starb im Alter von 73 Jahren in seiner Ferienwohnung in Italien.
So viel ihm auch an Anklam lag, was er hier auch an Erfolgen und Niederlagen erlitt: Seine letzte Ruhe wird er ebenfalls in Italien finden. Seine Bauten aber bleiben. Und seine Träume von einem Anklam, das dafür groß genug ist.

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