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Ist Schwedenmühle bald Geschichte?

Land unter auf dem Gelände der Kohlenhandlung in der Wiesenstraße auf dem Peenedamm. Viele dieser Häuser gibt es heute kaum noch und oftmals ist ihre Geschichte verschollen gegangen.[KT_CREDIT] FOTOs: Archiv/Privat
Land unter auf dem Gelände der Kohlenhandlung in der Wiesenstraße auf dem Peenedamm. Viele dieser Häuser gibt es heute kaum noch und oftmals ist ihre Geschichte verschollen gegangen.[KT_CREDIT] FOTOs: Archiv/Privat

VonVeronika Müller

Die Schwedenmühle braucht dringend Hilfe. Durch den Turm pfeift der Wind und wenn nicht bald etwas geschieht, gibt es auch dieses historische Denkmal nicht mehr lange am Peendamm. Darum kämpft der Schwedenmühlenverein ideenreich um jeden Cent für die Sanierung.

Anklam.Der Peendamm ist ein wichtiges Stück Geschichte der Hansestadt Anklam. Viele Geschichten, Anekdoten und Histörchen ranken sich um dieses Viertel, die sich viele Einwohner immer noch gern erzählen. „Das ist alles sehr amüsant zu hören. Doch es ist schwer, Daten und Fakten zusammenzutragen“, weiß Helga Reuter von Verein zum Erhalt der Schwedenmühle. Dieses denkmalgeschützte Gebäude ist ebenso Teil des Peendamms wie seine Häuser und ihre Geschichten. „Beides ist so eng miteinander verquickt, dass wir uns nicht nur mit der Schwedenmühle, sondern auch mit dem Viertel beschäftigen.“
Helga Reuter und ihre Mitstreiter haben nur ein Problem, ein sehr großes sogar. Die Mühle muss dringend saniert werden – vor allem der Turm macht den „Schwedenmüllern“ Sorgen. Geschieht nicht bald ein kleines Wunder, so wird der Turm wohl bald ebenso Geschichte sein, wie die einstige Bootswerft Genseburg, die Kohlenhandlung oder die Möbelwerke. Die legendäre Kneipe Ramm ist auch nur noch zu erahnen. „Schade, so gehen Stück für Stück wichtige Zeugnisse dieses Viertels verloren.“
Dass das nicht passiert, dafür arbeiten die Schwedenmühlen-Leute auch. Sie haben nun das Projekt Geschichtswerkstatt Schwedenmühle ins Leben gerufen, bei dem es um mehr geht als nur um den Erhalt der alten Mühle. „Wir sammeln alles, was als Fotos oder Filme, Dokumente, Handschriften oder was auch immer noch zu finden ist, um es zu erhalten und vielleicht gelingt es uns, damit eines Tages eine kleine Broschüre zusammenzustellen.“ Der Verkaufserlös könnte, so hofft Helga Reuter, unter anderem in den Erhalt der Schwedenmühle fließen.„Andere Städte sind mit ähnlichen Projekten recht erfolgreich. Warum also sollen wir das nicht auch versuchen.“
Als Partner steht ihnen das Team vom Lokalen Aktionsplan (LAP) zur Seite – auch finanziell. Eine wichtige Hilfe, wie Helga Reuter findet. Das gilt übrigens auch für das Vorhaben, Neues über die Arado-Siedlung und die Arado-Werke zu erfahren. Beide Projekte laufen fast parallel und die „Schwedenmüller“ sind überzeugt, dass diese bei den Anklamern auf großen Zuspruch stoßen. „Es ist wirklich so, dass in den vergangenen Jahren vieles in Vergessenheit geraten ist. Und wenn wir nicht bald Nägel mit Köpfen machen, geht noch mehr verloren.“
Sie weiß, dass hier und da, vor allem im Heimatkalender, einige Geschichten aufgeschrieben oder Fotos abgedruckt wurden. Doch das alles gibt noch lange keinen Gesamtüberblick. Hier hofft Helga Reuter auf die Hilfe der Einheimischen, die vielleicht in alten Kisten oder Alben noch so manches unbeachtetes „Schätzchen“ haben. Die Gefahr, dass diese Dinge achtlos entsorgt werden, ist groß. „Und das ist schade.“ Denn das Interesse ist groß an der Heimatgeschichte.
Nicht zuletzt ist das auch im Internet an der Aktion „Wir sind Anklamer“ deutlich zu sehen. Auch darum hofft der Verein auf große Resonanz bei den Vortragsabenden „Neues und Altes vom Peendamm“ und „Aradowerke und Aradosiedlung“, die im Juli und August auf dem Plan der Aktivitäten des Schwedenmühlenvereins stehen. Und vielleicht findet dabei als kleiner Nebeneffekt dieser oder jener Euro den Weg in die Spendendose, zur Finanzierung des wirklich wind- und wettergebeutelten Turms.

Kontakt zur Autorin
v.mueller@nordkurier.de

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