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Loitzer Schüler retten Gymnasium

In Jarmen gehört der Schulbus nach Gützkow zum Alltag wie alle anderen Linien. Denn die Peenestädter favorisieren seit jeher das Schlossgymnasium statt der Penne in Demmin. Nun scheint sich dieser Trend auch im Amtsbereich Peenetal/Loitz zu entwickeln.  FOTO: Stefan Hoeft
In Jarmen gehört der Schulbus nach Gützkow zum Alltag wie alle anderen Linien. Denn die Peenestädter favorisieren seit jeher das Schlossgymnasium statt der Penne in Demmin. Nun scheint sich dieser Trend auch im Amtsbereich Peenetal/Loitz zu entwickeln. FOTO: Stefan Hoeft

Von unserem Redaktionsmitglied
Gabriel Kords

Gute Nachrichten fürs Schlossgymnasium:
Im neuen Schuljahr kommen so viele Schüler, dass die Schule zum ersten Mal seit langem wieder drei siebte Klassen einrichtet. Der Grund: Nach den Jarmenern zieht es nun offenbar auch viele Loitzer nach Gützkow.

Gützkow/Jarmen/Loitz.„Darüber freuen wir uns wirklich riesig“, sagt Ulf Uhlig, der erst seit einigen Monaten Schulleiter am Schloss-Gymnasium ist. Jahrelang wurde spekuliert, wie lange sich die Schule noch halten könnte, denn wegen geringer Anmeldezahlen konnten stets nur zwei Klassen pro Jahrgang gebildet werden. So frisch im Amt und schon kann Uhlig diese Sorge vergessen: „Wir haben fürs neue Schuljahr über 70 Anmeldungen; damit werden wir in diesem Jahr drei Klassen bilden können.“
Als Grund benennt Uhlig vor allem Zuwächse aus Loitz und Umgebung. Weil die neue Schulbuslinie von Loitz nach Gützkow inzwischen eingerichtet ist, könnten sich die Loitzer Schüler nun auf den Transport verlassen: „Und jetzt wollen offenbar mehr zu uns als bisher“, sagt Uhlig. Interesse daran gab es auch früher schon, doch da musste die Schule den Loitzern zähneknirschend absagen, weil der Transport noch nicht funktionierte.
Die Anmeldezahlen aus dem Kerngebiet der Lehreinrichtung, zu dem seit der Einrichtung des Schlossgymnasiums unabhängig von allen alten Kreisgrenzen Jarmen und dessen Umland gehört, seien allerdings ebenfalls leicht gestiegen, sagt Uhlig. Auch beim Schulamt des Kreises in Anklam freut man sich über die Entwicklung. Amtsleiter Uwe Ulrich Schulz sagte im Bildungsausschuss: „Wir können die Schule wohl von unserer Sorgenliste streichen.“

Die Demminer
haben das Nachsehen
Auf der Agenda von Schulz steht in diesem Zusammenhang allerdings noch ein anderes Thema, das mit den neuen Kreisgrenzen zu tun hat: Derzeit verhandeln die Landkreise Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte über die Schulwahl der Kinder aus den Kommunen der Ämter Peenetal/Loitz und Jarmen-Tutow, die bis 2011 zum Altkreis Demmin gehörten. Immerhin stellten diese Gemeinden einen nicht unwesentlichen Teil der Stammbelegschaft der weiterführenden und Sonderschulen in der Hansestadt. „Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat ein hohes Interesse daran, dass die Schüler auch weiterhin wählen dürfen, ob sie in eine Demminer Schule wollen“, informierte Schulz im Ausschuss. Das Interesse des Nachbarkreises sei sogar so hoch, dass der Kreis Vorpommern-Greifswald für alle Schüler, die künftig nach Demmin gehen, nur noch den halben Schullastenausgleich an den Nachbarkreis überweisen solle. Grund für diesen „Rabatt“ sind wohl Sorgen bezüglich der Auslastung der Demminer Schulen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse am Gützkower Gymnasium will sich der Landkreis Vorpommern-Greifswald aber nicht auf eine absolute Wahlfreiheit für die Schüler einlassen. Knackpunkt sind die Beförderungskosten, für die der Landkreis ebenfalls aufkommen müsste: „Für die Fahrtkosten nach Demmin wollen wir aber nur dort aufkommen, wo es reguläre Buslinien gibt“, sagt Schulz. Den Schülerverkehr nach Demmin wolle der Vorpommern-Greifswald nicht bezahlen, geschweige denn organisieren. Nach Schulz Informationen wird der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte diese Kröte wohl schlucken.
Für alle Schüler, die jetzt schon aus den beiden Ämtern nach Demmin pendeln, ändert sich übrigens gar nichts: Der Kreis kommt wie üblich für die Fahrtkosten auf und überweist auch den vollen Lastenausgleich an den Nachbarkreis. Beim Goethe-Gymnasium in Demmin hofft Schulleiter Axel Binder, dass auch künftig Schüler aus Loitz kommen: „Für uns ist wichtig, dass die Busse weiter fahren.“ In diesem Jahr haben sich ein knappes Dutzend Schüler aus Loitz und Umgebung angemeldet. „Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass die Bedürfnisse der Schüler an erster Stelle stehen“, so Binder. „Wer nach Demmin will, soll auch nach Demmin dürfen.“

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