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„Mal selbst was tun und nicht nur meckern“

Viel mehr Teilnehmer als der städtische Subbotnik fand der Arbeitseinsatz beim Loitzer Anglerhafen Frohnergasse. Die Mitglieder brachten das Vereinsgelände in Ordnung. [KT_CREDIT] FOTOs: Stefan Hoeft
Viel mehr Teilnehmer als der städtische Subbotnik fand der Arbeitseinsatz beim Loitzer Anglerhafen Frohnergasse. Die Mitglieder brachten das Vereinsgelände in Ordnung. [KT_CREDIT] FOTOs: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Es sah ziemlich einsam
aus um die Loitzer Verwaltungsspitze, als der offizielle Frühjahrsputz
der Stadt anstand. Und Rathaus-Mitarbeiter und Abgeordnete gingen mit schlechtem Beispiel nicht voran. Allerdings tat sich an diesem Tag trotzdem noch einiges für das Ortsbild.

Loitz.Stell Dir vor, es ist Frühjahrsputz, und keiner geht hin: So ähnlich sah es bei der offiziellen Verschönerungsaktion der Stadt Loitz am Sonnabendvormittag aus. Denn das Häuflein der Menschen mit Harken, Schippen und Besen ließ sich nicht nur schnell überschauen, sondern flink auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Stadtbauhof, Löschtruppe und Jugendfeuerwehr als die üblichen Verdächtigen. Und die wären wohl bei diesem
„Subbotnik“ so gut wie unter sich geblieben, hätten sich nicht wenigstens mit Werner Bahls ein Stadtvertreter, der Hafenmeister Harald Möller sowie Bürgermeister Michael Sack, Stellvertreterin Gudrun Pollesch und Rathaus-Mitarbeiter Enrico Vogel dazu gesellt. „Normalbürger“ blieben nämlich Mangelware, von einigen Kindern abgesehen.
Einzige Ausnahme am Treffpunkt Marina- und Bahnhofsgelände, wo beispielsweise neuer Rasen angelegt wurde, blieb der Rentner Klaus-Dieter Butzin. Und im Gülzow-Park leistete mit Simone Berner, die extra aus Voßbäk kam, und Ingrid Schuster vom benachbarten Kiewitt ein Damen-Duo Verstärkung. Letztere hatte bereits am Vortag vorm Haus einiges getan und sah sich nun auch beim Stadtaufruf in der Pflicht: „Denn die Loitzer müssen auch mal ein bisschen selbst für ihre Stadt tun und nicht nur meckern. Das ist jedenfalls meine Ansicht.“
Damit sprach sie ihrem Bürgermeister aus dem Herzen, denn die Enttäuschung und durchaus etwas Wut über die geringe Resonanz waren ihm deutlich anzumerken. Insbesondere die Antworten auf die Nordkurier-Fragen nach seiner eigenen Verwaltung oder der Abgeordneten-Riege, aus der ihm sonst jede schief liegende Gehwegplatte entgegen „geworfen“ wird, kosteten sichtlich Beherrschung, diplomatisch zu bleiben. „Wir leben alle in Loitz. Und wenn wir uns das nicht schön hier machen, ein anderer wird es nicht tun. Aber da brauchen wir die Hilfe aller.“Als erhoffte gute Generalprobe für das Landeserntedankfest taugte das Ganze jedenfalls nicht, es wirkte eher so, als wollten die Leute alles offizieller Seite überlassen. „Anscheinend ist es den Loitzern egal“, meinte Michael Sack.
Allerdings sah er durchaus Lichtblicke, beispielsweise am Anglerhafen Frohnergasse, der seit Langem für diesen Tag seinen eigenen Frühjahrsputz angesetzt hatte. Immerhin kamen mit 45 fast alle Vereinsmitglieder, berichtete Schatzmeisterin Inge Lindhorst stolz, um bspw. die Stege und Wege auszubessern, einiges neu zu streichen und generell auf dem Gelände für Ordnungs zu sorgen. „Es gibt bei uns immer reges Interesse, nicht nur beim Feiern, auch beim Arbeiten.“
Stellenweise recht blumig bunt präsentieren sich mittlerweile zudem einige Straßenzüge, was auf eine Ini-
titative von Horst Triphan und regionale Blumenhändler zurückgeht. Sie stellten die Pflanzen zur Verfügung und die Anwohner brachten sie um Bäume, Laternen
und Schilder herum vor ihren Häusern oder aber in Rabatten an. So wie Horst Heinisch aus der Goethestraße 8. Trotz Krankheit und zweier Krücken ließ es sich der 63-Jährige nicht nehmen, mitzumachen. Er will weiter ein Auge auf die Blumen werfen: „Ich werde sie von Unkraut freihalten, und ich gieße, wenn nichts von oben kommt.“
Gleich ein komplett neues Aushängeschild zauberten derweil Robert Ruckriegel und Inhaber Sebastian Klempahn zwischen der Kranz- und Blumenbinderei Dietrich und der Ortsdurchfahrt. Die alte Wacholder-Rabatte dort musste weichen, stattdessen leuchten künftig viele Blumen. „Das ist unser Beitrag zum Frühjahrsputz“, so Klempahn. Denn längst nicht allen Loitzer sei egal, wie es in ihrem Ort aussieht.

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