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Morgens um vier in Anklam: Zeit fürs Frühstück

Vorpommern schläft nicht! Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Beinen – und wir bleiben 24 Stunden wach, um sie für jeweils eine Stunde zu begleiten. Von vier bis fünf Uhr hat unser Redaktionsmitglied Denny Kleindienst den fleißigen Bäckern des Anklamer Siedlungsbäckers über die Schultern geschaut.

Anklam.Es ist 4 Uhr morgens: Heinzelmännchen-Zeit. Die Hausgeister verrichteten der Sage nach nachts, während die Menschen schliefen, deren Arbeit – bis sie dabei beobachtet wurden und für immer verschwanden.
Beim Anklamer Siedlungsbäcker ist zur frühen Stunde der Ofen schon auf Betriebstemperatur. Während Anklam noch schläft, werden hier die Frühstückszutaten gebacken. So scheu wie die Heinzelmännchen sind die Angestellten aber nicht. Zwar darf auch nicht jeder in die Backstube reinschauen, doch Ulrike Priedigkeit und Hardy Winter laufen nicht weg, wenn sie entdeckt werden.
Die 22-jährige Konditorin ist seit 1.30 Uhr im Dienst, ihr 30-jähriger Bäckerkollege hat schon eine halbe Stunde vorher begonnen. An das frühe Aufstehen haben sie sich nach jahrelanger Erfahrung immer noch nicht gewöhnt. Beide erzählen, dass sie schon mal verschlafen haben. Doch die Handgriffe sitzen – auch am ganz frühen Morgen. Um 4 Uhr sind die ersten Brote bereits fertig, der Ofen wird immer wieder neu bestückt. Während dessen knetet Hardy Winter Brote und Brötchen, die vorher als einheitliche Kugeln von der „Teig-Teil- und Würgmaschine“ portioniert wurden. Die länglich geformten Brötchen verteilt er auf die Bleche, die er wieder in den Backofen schiebt. Es ist ein Rein und Raus der Bleche. „Bis 4.30 Uhr ist es Stress“, sagt der Bäckergeselle. Am Ende wird er über 800 Brötchen und etwa 160 Brote gebacken haben.
Ulrike Priedigkeit verfeinert derweil die Süßwaren. Mit dem Pinsel verteilt sie den Zuckerguss auf die Backwaren und füllt die Marmelade in die Pfannkuchen. Es gebe schon Tage, an denen sie die Süßwaren nicht mehr sehen kann, gesteht sie. Oft genug hat sie aber Appetit auf die selbst gemachten Teigwaren. Kein Wunder, es duftet wunderbar in der Backstube. Hardy Winter indes nimmt den Geruch gar nicht mehr wahr, sagt er. Das dürfte bei den Kunden anders sein. Um fünf klingeln die ersten in der Backstube. Der Siedlungsbäcker öffnet zwar erst um 6 Uhr, aber Ulrike Priedigkeit verkauft die ersten Brötchen schon zur Hintertür heraus.
Der Chef der beiden kann sich auf sein eingespieltes Team verlassen und spart sich den Aufwand, selbst vorbei zu kommen, um ihnen über die Schulter zu schauen. „Es ist schon von Vorteil, wenn man sein eigenes Ding machen kann“, sagt sein Geselle dazu. Das würden die Heinzelmännchen sicher bestätigen.

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