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Nazi-Musterdorf geht der Platz aus

Der Ort Tutow wurde im Zuge des Flugplatz-Neubaus in den 1930er-Jahren am Reißbrett geplant. Und so gibt es dort kaum Möglichkeiten für die sonst auf dem Lande gern genutzte so genannte Lückenbebauung.  FOTO: Stefan Hoeft
Der Ort Tutow wurde im Zuge des Flugplatz-Neubaus in den 1930er-Jahren am Reißbrett geplant. Und so gibt es dort kaum Möglichkeiten für die sonst auf dem Lande gern genutzte so genannte Lückenbebauung. FOTO: Stefan Hoeft

Von Stefan Hoeft

In Tutow wird es knapp mit Baugrundstücken. Was auch an der Nazi-Geschichte des Ortes liegt. Und ein neues Wohngebiet ist wegen der hohen Erschließungskosten erstmal nicht in Sicht.

Tutow. Stellen Sie sich vor, Sie wollen unbedingt ein Eigenheim bauen und finden nirgends einen Platz dafür. Vor genau dieser Situation könnten bald all jene stehen, die sich Tutow als dauerhaften Wohnsitz aussuchen. Denn das einzige erschlossene Wohngebiet auf der ehemaligen Festwiese steht kurz vorm Schlusspfiff in Sachen Neubau. Schließlich konnte die Kommune gerade eine weitere Parzelle am dortigen Wendehammer verkaufen. Damit existieren zwar noch zwei freie Grundstücke, doch wirklich vermarkten lasse sich davon wohl nur eines, weiß der Bürgermeister Hans-Peter Littmann. Und wenn das weggeht, fehlen seiner Kommune erstmal die Alternativen.

Tutow kann nämlich nicht zuletzt aufgrund seiner Geschichte kaum auf so genannte Lückenbebauung zurückgreifen, die in vielen Städten und Dörfern gern genutzte Alternative zu einem neuen Bebauungs-Plan. In den 1930er-Jahren als deutsche Mustersiedlung zum damals für die Luftwaffe neu aus dem Boden gestampften Flugplatz errichtet, ließen die Planer kaum Flächen in ihren Überlegungen aus, selbst für die Bepflanzung der Hausgärten gab es Richtlinien. Die Straßenzüge wurden genau parzelliert und mit standardisierten Gebäudetypen bebaut, so dass eine Grundstücksteilung heute ausfällt.

Trotzdem will der Bürgermeister nicht schwarzmalen: „Wenn Not besteht, dann finden wir auch Platz.“ Im Blick hat er dabei vor allem eine Fläche an der Bahnhofstraße, die bereits in den 1990er-Jahren ins Visier der Gemeinde geriet. Für das Areal existiert seither ein B-Plan mit 15 Eigenheim-Parzellen.

Als Problem erscheint allerdings die Erschließung, gibt es dort doch bisher keinerlei Infrastruktur, wie Liane Janssen verdeutlicht, die Bausachgebietsleiterin im Jarmener Rathaus. Am teuersten dürfte die nötige Stichstraße ausfallen, für die Tutow in Vorleistung gehen müsste. Eine Investition also, die angesichts der dauerhaft schlechten Finanzlage momentan noch als utopisch erscheint.

Schon an der Festwiese fiel es der Kommune schwer, ihre Straßenbauverpflichtungen gegenüber den Hausbesitzern einzulösen (Nordkurier berichtete). Die ersten Parzellen dort erschloss Anfang 1998 noch ein Bauträger, seither ist neben zahlreichen Eigenheimen auch ein Gebäudekomplex für betreutes Wohnen entstanden.

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