Mi. 19. Dezember 2012
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Wie umgehen mit der NPD? von Gabriel Kords

NPD-Diskussion lässt CDU zum Tollhaus werden

In der Affäre um den Kaffeeklatsch von CDU und NPD legte CDU-Mann Marco Schulz am Mittwoch kräftig nach. Auf einer Internetseite der CDU verglich er die Ausgrenzung der NPD mit der Judenverfolgung im "Dritten Reich". Später tat ihm das leid.

NPD
CDU-Stadtvertreter Marco Schulz verglich die Ausgrenzung der NPD-Stadtvertreter mit der Judenverfolgung in Hitler-Deutschland.
Foto: Nigel Treblin (dapd)
Anklam (gab)  

Die Wogen über das Kaffeetrinken von CDU- und NPD-Stadtvertretern sind noch nicht geglättet, da gießt CDU-Stadtvertreter Marco Schulz noch einmal ordentlich Öl ins Feuer. In einem Beitrag für die CDU-Internetseite „Pommernblog“ verteidigte der 32-Jährige am Mittwoch die Haltung seiner Fraktion, die offenbar über Jahre in den Sitzungspausen ihren Pausenkaffee mit den beiden NPD-Stadtvertretern trank.

Außerdem griff Schulz den landläufigen Umgang mit der NPD an und fragte, „ob wir tatsächlich Menschen zwanghaft meiden wollen, nur weil sie einer anderen, momentan noch legalen Partei angehören“. Weiter schrieb er: „Ich erinnere gern an das ,Dritte Reich‘. Dort wurden solche Bürger letztlich sogar markiert, damit jeder sehen konnte, dass dieser Mensch wegen seiner Anschauung beziehungsweise Religion ein Staatsfeind ist.“

Im Klartext: Schulz verglich die Ausgrenzung der NPD-Stadtvertreter mit der Judenverfolgung in Hitler-Deutschland. Damals mussten Juden einen Stern auf ihrer Kleidung tragen.

Nach der Kritik rudert Marco Schulz zurück

Auf der Internet-Seite, auf der die Leser eigene Kommentare zu dem Artikel veröffentlichen können, entbrannte am Mittwoch eine heftige Diskussion über diesen Vergleich. Die meisten Kommentarschreiber verurteilten den Beitrag. Anders der CDU-Kreisvorsitzende Egbert Liskow: Der hatte zwar am Dienstag erklärt, er finde das Verhalten seiner Parteifreunde „unglücklich“, dankte Schulz nun aber für den „offenen und klarstellenden Bericht“.

Schulz ruderte am Nachmittag zurück. „Wenn ich mit dem Beitrag jemanden verletzt habe, bitte ich um Entschuldigung“, sagte er dem Nordkurier. Er habe erst durch die vielen Reaktionen gemerkt, dass die Formulierung missverständlich war. Er habe die NPD nicht als Opfer darstellen wollen. Auch sei er Demokrat durch und durch: „Ich stehe zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und toleriere keinen, der dagegen verstößt.“ Die Verfassungstreue der NPD müsse allerdings das Verfassungsgericht bewerten, nicht er. Seinen Artikel im Internet korrigierte er nicht.

Dünne Worte vom CDU-Landesverband

CDU-Landeschef und Innenminister Lorenz Caffier wollte sich auch am Mittwoch nicht zu dem Thema äußern. Stattdessen schickte er den CDU-Landesgeschäftsführer Klaus-Dieter Götz vor. Der erklärte: „Letztlich helfen uns unsachliche Äußerungen und unangemessene Verhaltensweisen im Kampf gegen das Gedankengut der NPD nicht weiter.“ Ob er damit den Artikel von Marco Schulz meinte? Das ließ er auf Nachfrage unbeantwortet.

Zur Kaffeepausenaffäre sagte er: „Durch das bloße Teilen eines Tisches in der Öffentlichkeit kann nicht auf politische Absprachen oder gemeinsames Gedankengut geschlossen werden.“

Derweil sah sich Bürgermeister Galander in seiner Kritik an der CDU bestätigt: „Mir bleibt angesichts des Beitrags von Marco Schulz der Atem weg. Der könnte so auch auf einer Internetplattform der NPD stehen.“

Was tun mit meinem Nazi?

Anklams Stadtvertreter sind – zum Glück – in allererster Linie Mitbürger und keine aalglatten Politprofis, die pausenlos auf die Reaktion der Öffentlichkeit schielen und die Kunst der schönen Worthülsen ohne Inhalt im Schlaf beherrschen. Das macht sie menschlich. Und anfällig für politische Fehler. Da ist die simple Höflichkeit dann auch mal stärker als der politische Impuls, und schwupp sitzt da ein NPD-Mann mit am Tisch. Ihn wieder wegjagen? Wo er doch eigentlich eine bemitleidenswert einsame (wenn auch gefährliche) Seele ist? Das kostet Überwindung. Das kann nicht jeder. Und Marco Schulz? Schreibt da einen Mist ins Internet, als hätte er seinen Verstand gefrühstückt. Sein historischer Vergleich geht einfach überhaupt nicht.

Aber eine Frage spricht er an, über die es sich zu diskutieren lohnt: Was tun mit meinem Nazi-Nachbarn? Darf ich ihm meinen Rasenmäher ausleihen? Mit ihm auf die Geburt seiner Tochter anstoßen? Oder muss ich ihn meiden? Schreiben Sie mir Ihre Meinung: j.mladek@nordkurier.de

Ein Kommentar von Jürgen Mladek
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