
| Bürgermeister Galander drückt ab |
von Jörg Foetzke
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Während der Pause der Stadtvertretersitzung am vergangenen Donnerstag geschah es: Die CDU-Abgeordneten sitzen am größten Tisch der Gaststätte Dabers, mit dabei sind auch die zwei NPD-Stadtvertreter. Plötzlich erscheint Bürgermeister Michael Galander (IfA) und lichtet die Kaffeegesellschaft ab. „Meine Parteikollegen haben zuerst an einen dummen Scherz gedacht“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Dieter Lehrkamp.
Doch für Galander war die Fotoaktion alles andere als ein Scherz. „Ich habe alle Fraktionen in der Pause fotografiert“, erklärt der Bürgermeister. Dokumentieren wolle er damit, wer es mit dem Kampf gegen Nazis denn wirklich ernst meine. Und die CDU könne das ja nicht sein, denn die Christdemokraten säßen bereits seit Jahren mit der NPD am Pausentisch. „Und da spricht man bestimmt nicht nur über die Gartenarbeit“, unkt Galander. Seine Fotos will der Bürgermeister nicht veröffentlichen, sie sollen vielmehr in ein eigenes
"Offene Auseinandersetzung mit NPD-Leuten wird in Anklam gescheut
CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Dieter Lehrkamp ist ziemlich erbost über die Fotoaktion des Bürgermeisters. Jetzt wollen die Christdemokraten prüfen lassen, wie sie rechtlich dagegen vorgehen können. Die Tatsache, dass die CDU-Stadtvertreter mit den NPD-Vertretern den Pausenkaffee an einem Tisch einnehmen, bestätigt Lehrkamp. Die CDU-Fraktion habe schon immer am größten Tisch des Lokals gesessen. Irgendwann habe dann Michael Andrejewski (NPD) gefragt, ob er sich auch an den Tisch setzen dürfe. „Was wollen sie da machen, wenn in einer öffentlichen Gaststätte diese Frage gestellt wird?“, fragt Lehrkamp.
Die Pausentisch-Gemeinschaft zum Hauptpunkt der Kritik zu machen, hält der CDU-Fraktionsvorsitzende scheinheilig. „Die offene Auseinandersetzung mit den NPD-Leuten wird doch in Anklam gescheut“, sagt Lehrkamp. Und wenn man beim Pausenkaffee mit Andrejewski & Co. spräche, dann bestimmt nicht über ein gemeinsames politisches Vorgehen in der Stadtvertretung. „Diese Stasi-Methoden des Bürgermeisters lassen kein gegenseitiges Vertrauen aufkommen“, stellt er klar.
Gemeinsame Erklärung der demokratischen Stadtvertreter der Hansestadt
Erst zur Eröffnung der Stadtvertreter-Sitzung am vergangenen Donnerstag verlas Bürgervorsteher Frank-Thomas Starigk eine gemeinsame Erklärung der demokratischen Stadtvertreter der Hansestadt Anklam zu den gewaltsamen Übergriffen auf Bürger der Stadt. „Wir vertreten unterschiedliche politische Standpunkte und Meinungen. Aber wir sind uns einig, dass Gewalt niemals ein Mittel sein darf, um politische und soziale Probleme zu bekämpfen. Gruppierungen, die sich hier niederlassen, um in unserer Stadt zu Hass und Gewalt aufzurufen, sind uns nicht willkommen“, heißt es in dem Papier, das im Ergebnis einer Beratung der Fraktionschefs der Stadtvertretung (außer NPD), des Bürgermeisters, Vertreter der Kirche sowie des Vorstandes des Vereins „Demokratisches Ostvorpommern“ aufgesetzt wurde.
Damit sollte ein Prozess angeschoben werden, mit dem sich Anklam wirksam gegen radikale Tendenzen in der Stadt zur Wehr setzen soll. Doch offenbar wird dieses Thema nach dem Fotostreit wieder ausgeblendet.
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