Mo. 17. Dezember 2012
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Bürgermeister Galander drückt ab von Jörg Foetzke

NPD und CDU in Anklam an einem Tisch

Bei der Anklamer CDU spricht man von "Stasi-Methoden" des Bürgermeisters: Michael Galander hatte die christdemokratischen und NPD-Stadtvertreter abgelichtet, wie sie an einem Tisch ihren Pausenkaffee tranken.

Michael Galander
Während der Pause der Stadtvertretersitzung geschah es: Die CDU-Abgeordneten sitzen in der Gaststätte Dabers, mit dabei auch die zwei NPD-Stadtvertreter. Plötzlich erscheint Bürgermeister Michael Galander und lichtet die Kaffeegesellschaft ab.
Foto: Torsten Heil (nk)
Anklam (jfk)  

Während der Pause der Stadtvertretersitzung am vergangenen Donnerstag geschah es: Die CDU-Abgeordneten sitzen am größten Tisch der Gaststätte Dabers, mit dabei sind auch die zwei NPD-Stadtvertreter. Plötzlich erscheint Bürgermeister Michael Galander (IfA) und lichtet die Kaffeegesellschaft ab. „Meine Parteikollegen haben zuerst an einen dummen Scherz gedacht“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Dieter Lehrkamp.

Doch für Galander war die Fotoaktion alles andere als ein Scherz. „Ich habe alle Fraktionen in der Pause fotografiert“, erklärt der Bürgermeister. Dokumentieren wolle er damit, wer es mit dem Kampf gegen Nazis denn wirklich ernst meine. Und die CDU könne das ja nicht sein, denn die Christdemokraten säßen bereits seit Jahren mit der NPD am Pausentisch. „Und da spricht man bestimmt nicht nur über die Gartenarbeit“, unkt Galander. Seine Fotos will der Bürgermeister nicht veröffentlichen, sie sollen vielmehr in ein eigenes politisches Tagebuch Eingang finden.

"Offene Auseinandersetzung mit NPD-Leuten wird in Anklam gescheut"

CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Dieter Lehrkamp ist ziemlich erbost über die Fotoaktion des Bürgermeisters. Jetzt wollen die Christdemokraten prüfen lassen, wie sie rechtlich dagegen vorgehen können. Die Tatsache, dass die CDU-Stadtvertreter mit den NPD-Vertretern den Pausenkaffee an einem Tisch einnehmen, bestätigt Lehrkamp. Die CDU-Fraktion habe schon immer am größten Tisch des Lokals gesessen. Irgendwann habe dann Michael Andrejewski (NPD) gefragt, ob er sich auch an den Tisch setzen dürfe. „Was wollen sie da machen, wenn in einer öffentlichen Gaststätte diese Frage gestellt wird?“, fragt Lehrkamp.

Die Pausentisch-Gemeinschaft zum Hauptpunkt der Kritik zu machen, hält der CDU-Fraktionsvorsitzende scheinheilig. „Die offene Auseinandersetzung mit den NPD-Leuten wird doch in Anklam gescheut“, sagt Lehrkamp. Und wenn man beim Pausenkaffee mit Andrejewski & Co. spräche, dann bestimmt nicht über ein gemeinsames politisches Vorgehen in der Stadtvertretung. „Diese Stasi-Methoden des Bürgermeisters lassen kein gegenseitiges Vertrauen aufkommen“, stellt er klar.


Gemeinsame Erklärung der demokratischen Stadtvertreter der Hansestadt

Erst zur Eröffnung der Stadtvertreter-Sitzung am vergangenen Donnerstag verlas Bürgervorsteher Frank-Thomas Starigk eine gemeinsame Erklärung der demokratischen Stadtvertreter der Hansestadt Anklam zu den gewaltsamen Übergriffen auf Bürger der Stadt. „Wir vertreten unterschiedliche politische Standpunkte und Meinungen. Aber wir sind uns einig, dass Gewalt niemals ein Mittel sein darf, um politische und soziale Probleme zu bekämpfen. Gruppierungen, die sich hier niederlassen, um in unserer Stadt zu Hass und Gewalt aufzurufen, sind uns nicht willkommen“, heißt es in dem Papier, das im Ergebnis einer Beratung der Fraktionschefs der Stadtvertretung (außer NPD), des Bürgermeisters, Vertreter der Kirche sowie des Vorstandes des Vereins „Demokratisches Ostvorpommern“ aufgesetzt wurde.

Damit sollte ein Prozess angeschoben werden, mit dem sich Anklam wirksam gegen radikale Tendenzen in der Stadt zur Wehr setzen soll. Doch offenbar wird dieses Thema nach dem Fotostreit wieder ausgeblendet.

Kaffeefoto der Unfähigkeit

Freuen können sich über diese Anklamer Kaffeefoto-Posse letztlich nur Herr Andrejewski & Co. Nur wenige Momente nach dem Verlesen der gemeinsamen Erklärung dreschen die politischen Kontrahenten schon wieder blind drauflos. Es ist bestimmt nicht die feine englische Art, wenn der Bürgermeister in Paparazzi-Manier den Fotoapparat zückt. Doch die Christdemokraten hätten sich schon längst Gedanken darüber machen können, wie man mit unliebsamen Pausengästen fertig wird. Am Ende kann an diesem Vorfall jedenfalls keiner gewinnen. Fakt ist: Solange sich die Demokraten in unserer Stadt in schöner Regelmäßigkeit vor die Schienbeine treten, sind sie unfähig, wirklich glaubhaft, einheitlich und effektiv gegen Hass und Gewalt jeder Art vorzugehen. Doch genau das wäre bitter nötig.

Ein Kommentar von Jörg Foetzke
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