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Pflanzt endlich! Sonst sterben unsere wunderbaren Alleen aus

Die Krumminer Allee ist eines der Prachtexemplare, mit denen das Land der Alleen gerne wirbt. Doch es muss dringend nachgepflanzt werden, damit es auch in Zukunft Alleen gibt. [KT_CREDIT] FOTOs: Archiv
Die Krumminer Allee ist eines der Prachtexemplare, mit denen das Land der Alleen gerne wirbt. Doch es muss dringend nachgepflanzt werden, damit es auch in Zukunft Alleen gibt. [KT_CREDIT] FOTOs: Archiv

Von unserem Redaktionsmitglied
Claudia Müller

Das Straßenbauamt Stralsund hinkt im früheren Ostvorpommern mit Ersatzpflanzungen hinterher. In anderen Regionen des Landkreises gibt es dabei keine Probleme – weil die Behörden
dort flexibler sind, sagen Experten.

Vorpommern.Mecklenburg-Vorpommern ist das Land der Alleen, doch unsere Region gehört womöglich eines Tages nicht mehr dazu. Im früheren Ostvorpommern besteht die Gefahr, dass blühende Baumreihen am Straßenrand und grüne Blatt-Dächer über der Fahrbahn bald der Vergangenheit angehören. Denn es werden in der Region beileibe nicht genügend Bäume nachgepflanzt, um diejenigen zu ersetzen, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen. „Wenn wir mit den Ersatzpflanzungen nicht nachkommen, werden wir irgendwann keine Alleen mehr haben“, sagt Antje Johann von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis.
Zwar hinkt auch das finanziell angeschlagene Vorpommern-Greifswald seinen Verpflichtungen hinterher, für nötige Baumfällungen an Kreisstraßen Ersatz zu schaffen. Doch weitaus größere Baum-Schulden hat das Straßenbauamt Stralsund, das für Landes- und Bundesstraßen im früheren Ostvorpommern zuständig ist – die Landesbehörde steht mit über 5500 Jungbäumen in der Kreide. Die Straßenbauämter Neustrelitz und Güstrow, die andere Regionen des Großkreises betreuen, pflanzen indes mehr als sie fällen und können positive Bilanzen vorweisen. Woran liegt das?
Seine „Schulden“ hat das Straßenbauamt Stralsund schon mehrfach damit begründet, dass es nicht gelinge, die nötigen Pflanzflächen an Landes- und Bundesstraßen zu erwerben. Um das Defizit bei den Nachpflanzungen abzubauen, will sich das Straßenbauamt daher zum einen Grundstücke mit Hilfe von Planfeststellungsverfahren „reservieren“ und zum anderen auf Gemeindestraßen ausweichen (wir berichteten). Doch letzteres ist für die Untere Naturschutzbehörde keine Lösung: „Wir werden nicht akzeptieren, dass Ersatzpflanzungen nur an untergeordneten Straßen erfolgen und Landes- und Bundestraßen hinten runter fallen“, betont Antje Johann.
Immerhin zeigen die Beispiele der benachbarten Straßenbauämter, dass auch an diesen Straßen einiges möglich ist, sagt sie. So ist der vorgeschriebene Abstand von 4,50 Meter zwischen befestigtem Fahrbahnrand und Alleebäumen an weniger befahrenen Landesstraßen keineswegs zwingend, macht die Expertin deutlich. Hilfreich sei es außerdem, Baumpflanzungen bei Planungen für den Fahrbahnausbau oder für Radwege von Anfang an einzubeziehen.
Sie wisse überdies, dass sich das Straßenbauamt Güstrow auch in Flurneuordungsverfahren eingeklinkt hat, bei denen Flächen getauscht werden konnten. Es gebe also durchaus Möglichkeiten, zu Gunsten von neuen Alleen und Baumreihen aktiv zu werden: „Das Straßenbauamt Stralsund nutzt den Spielraum nicht aus“, kritisiert Antje Johann. So seien zwar bei einem Treffen mit der Landesbehörde mehrere Maßnahmen vereinbart worden, bei denen insgesamt 1000 bis 1500 Bäume gepflanzt werden sollen. Angesichts der Schulden von über 5500 Bäumen werde die Untere Naturschutzbehörde aber weiterhin auf Lösungen drängen: „Wir lassen nicht locker“, sagt Antje Johann.

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c.mueller@nordkurier.de

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