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Ritterschlag von der Schwiegermutter

Doris Krenz (l.) und ihre Schwiegertochter Anke Krenz verstehen sich nicht nur privat, sondern auch beruflich prächtig. Schwieger- tochter Anke trat bei der Volkssolidarität sogar die Nachfolge ihrer Schwiegermutter an. [KT_CREDIT] FOTO: Veronika Müller
Doris Krenz (l.) und ihre Schwiegertochter Anke Krenz verstehen sich nicht nur privat, sondern auch beruflich prächtig. Schwieger- tochter Anke trat bei der Volkssolidarität sogar die Nachfolge ihrer Schwiegermutter an. [KT_CREDIT] FOTO: Veronika Müller

Von unserem Redaktionsmitglied Veronika Müller

Von wegen: Böse Schwiegermutter, ungeliebte Schwiegertochter. Anke und Doris Krenz leben genau das Gegenteil. Nicht nur privat, sondern auch beruflich sind sie ein unschlagbares Team.

Anklam. Es ist unübersehbar: Die zwei mögen sich. Anke und Doris Krenz sind Schwiegertochter und Schwiegermutter. Eine Beziehung, die landläufig mit Vorurteilen von Ärger, Unbehagen und sogar Bösartigkeit behaftet ist. Die beiden Anklamerinnen können über solche Klischees allerdings nur lachen. Sie sind seit vielen Jahren ein Team, das nicht nur privat, sondern auch beruflich bestens harmoniert.

Angefangen hat alles 1999. Anke – damals hieß sie noch Krüger – fand einen Job bei der Volkssolidarität. Ihr Einsatzgebiet: Die Küche der Seniorenresidenz „Am Stadtpark“. Erst wenige Wochen zuvor war die Einrichtung offiziell eingeweiht worden. Die ersten Bewohner hatten ihre Wohnungen am 2. Dezember 1998 bezogen. „War das eine aufregende Zeit“, erinnert sich die heute 64-jährige Doris Krenz an die Anfänge in jenen Tagen, in denen sie als Hausdame arbeitete. Immerhin war so ein Haus neu in der Stadt. „Vieles ging parallel. Jede helfende Hand wurde gebraucht.“

So wundert es nicht, dass auch der Ehemann und die beiden Krenz-Söhne mit anpackten. Roland tat dies besonders intensiv. Ob er damals schon ein Auge auf Anke geworfen hatte, ist ein Geheimnis. Doch irgendwann war es geschehen, es hatte gefunkt.

Doris Krenz erinnert sich noch recht gut an den Silvesterabend, an dem die beiden mit der Mitteilung ins Haus platzten: Wir werden heiraten. „Ich fand es damals schon toll und dabei bleibe ich. Sie ist die beste Schwiegertochter, die man sich wünschen kann. Ich habe mit ihr eine Tochter dazu bekommen.“

Die beiden blinzeln sich an. Sie verstehen sich. Streit? Nein! Fast sekundengleich platzt diese Antwort in den Raum. Und die gemeinsame Arbeit in der Seniorenresidenz – funktioniert das? Keine Reibereien? „Warum denn?“ Anke Krenz, inzwischen selbst Mutter von zwei Söhnen, schüttelt den Kopf. Sie trat bei der Volkssolidarität sogar die Nachfolge ihrer Schwiegermutter an. Die Wachablösung verlief ohne Ecken und Kanten. „Da war die Volkssolidarität ein guter Partner. Sie bot mir die Möglichkeit, mehr und mehr in neue Bereiche hineinzuwachsen.“ So übernahm die junge Frau immer mehr Zusatzaufgaben in dem großen Haus, in dem es inzwischen 77 betreute Wohnungen gibt. Knapp 80 Mieter genießen hier ihren Lebensabend und profitieren von dem Service, den die Volkssolidarität als Träger bietet. Ansprechpartner für all die großen und kleinen Wünsche – angefangen vom Wäscheservice, Mahlzeiten, Fahrdienste, Arztbesuche bis hin zu kleinen Gefälligkeiten – sind die Krenzfrauen.

Seit etwa einem Jahr hat Doris Krenz nun das Zepter zwar schon an Anke übergeben, doch ganz loslassen kann sie nicht. „Und das ist auch gut so“, sagt die 37-jährige Schwiegertochter. Sie ist froh über die Unterstützung. Und so flitzen die beiden immer mal wieder gemeinsam auf Besuchstour durchs Haus. Doris Krenz, seit Januar offiziell im Ruhestand, hängt eben an „ihrem“ Haus und „ihren“ Mietern. Ein Erbe, das sie aber auch problemlos an ihre Schwiegertochter weitergegeben hat. Die erfolgreiche Nachfolge: Für die Schwiegertochter war es wie ein Ritterschlag.

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