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Sag mir, wo die Horste sind

Unschwer zu erkennen: Diese Schreiadler sitzen in einem künstlichen Horst. Doch wo sind die echten?[KT_CREDIT] FOTO: patrick pleul/dpa-Archiv
Unschwer zu erkennen: Diese Schreiadler sitzen in einem künstlichen Horst. Doch wo sind die echten?[KT_CREDIT] FOTO: patrick pleul/dpa-Archiv

VonGabriel Kords

Wo brüten sie denn nun?
Das Amt verrät nicht,
wo genau die Schreiadler nisten, die jetzt ein
neues Windpark-Projekt blockieren. Bauherr
Stephan Schröder dagegen präsentiert Koordinaten. Nur: Die hätte er gar nicht ermitteln dürfen, sagt das Amt. Und falsch seien sie obendrein. Frage: Wer macht sich da gerade zum Horst?

Dargibell.Ganz so leicht wie erhofft, dürfte es für Wind-
Baron Stephan Schröder wohl nicht werden, den Bau von sieben Windrädern in Dargibell doch noch genehmigt zu bekommen. Sein Bauantrag war vergangene Woche vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz (StALU) in Stralsund abgelehnt worden, weil sich drei Schreiadler-Nistplätze zu nah an den Windrädern befinden sollen (Nordkurier berichtete). Doch Schröder behauptet, dass die Behörden falsch gemessen haben: Die Schreiadler nisten ganz woanders, sagt er. Zusammen mit Spezialisten hatte er nachgemessen, ob die Adlerhorste wirklich weniger als drei Kilometer von den Windrädern entfernt stehen. Dabei will er herausgefunden haben, dass die Horste tatsächlich ganz woanders liegen.
Die angeblich falschen Daten über die Horst-Standorte hat das StALU vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow bekommen. Das weist den Vorwurf, die Daten seien fehlerhaft, zurück: LUNG-Chef Harald Stegemann lässt wissen, die von Schröder vermessenen Punkte seien „nicht nachvollziehbar“. Das LUNG geht sogar noch weiter mit seiner Kritik an Schröders Vermessungs-
Aktion: „Bedenklich ist in jedem Fall, wenn Horste ohne Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung in der sensiblen Phase der Brutzeit gesucht und vermessen werden.“ Denn das sei ein erhebliches Risiko für den Brutverlauf und daher mit den Schutzanforderungen nicht vereinbar.
Das wiederum bringt Schröder auf die Palme: „Wir haben ja um einen Ortstermin gebeten und den nicht bekommen. Es kann doch nicht sein, dass nur das Landesamt nachmessen darf, wo die Horste sind.“ Das Amt betont, es könne die Adler-Standorte wegen des Artenschutzes nicht preis geben.
Außerdem bestätigt das Amt, die Schreiadlerbrutplätze würden „von ehrenamtlichen Horstbetreuern im Auftrag des LUNG erhoben und jährlich aktualisiert.“ Die Daten für 2013 lägen allerdings noch nicht vor.
In einem Punkt sind sich Schröder und das Amt immerhin einig: Dass nämlich einer der kritischen Horst-Standorte schon seit vier Jahren unbesetzt sei. Bloß sagt Stegemann, dass auch ein leerer Horst geschützt werden muss, denn „die Errichtung eines neuen Wechselhorstes sei in diesem Bereich jederzeit möglich“.
Gewinnen am Ende also
sowieso die Behörden? Das steht frühestens in ein paar Wochen fest, wenn das StALU über Schröders Widerspruch gegen das Bauverbot entschieden hat. Danach könnte Schröder gegen die Entscheidung allerdings auch noch vor Gericht ziehen. Es wäre nicht der erste Schreiadler-Prozess in Deutschland.

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g.kords@nordkurier.de

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