Mo. 18. Juni 2012
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Feste von Redaktion

Schlammig: Verein zeigt Landesregierung an

Von unserem Redaktionsmitglied
Jörg Foetzke

Straker Tobak für Schwerin! Die EU muss sich jetzt
mit einer Anzeige aus Vorpommern gegen die Landesregierung befassen.

Anklam/Greifswald/Usedom.Das wird Till Backhaus aber gar nicht schmecken: Der Landes-Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz sieht sich mit einer Anzeige konfrontiert, die vor wenigen Tagen aus Vorpommern per Post an José Manuel Rodriguez, Generaldirektor der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung abgeschickt wurde. Absender ist der Förderverein „Lebensraum Peenetal“, dessen Mitglieder bereits seit Jahren gegen die Überflutung von Poldern im Anklamer Umland und im gesamten Peene-Bereichmobil machen.
Mit der Klage wolle man ein Zeichen gegen den aus Schwerin initiierten „Öko-Wahnsinn“ setzen, erklärte Vereinsvorsitzender Horst Kundschaft auf der Jahresversammlung des Vereins am vergangenen Freitag in Anklam. Bis 2013 steckt Schwerin fast 50 Millionen Euro in die aus Sicht der Vereinsmitglieder fragwürdige Renaturierung. „Auf der Welt hungern 800Millionen Menschen und in Vorpommern werden 90000 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen zerstört“, ereifert sich Kundschaft. Ihre Ansichten sehen er und seine Mitstreiter mit Fakten untersetzt.

Experte: 100 Millionen Euro SchadendurchFlutung

Der Agrarwissenschaftler Arthur Chudy aus Neukalen hat in einem Bericht zum Thema „Moorschutz in Mecklenburg-Vorpommern – Irreführung der Behörden und Subventionsbetrug“ die verschiedenen Aspekte der Renaturierungs-Projekte in Vorpommern aufgearbeitet. Seiner Ansicht nach ist die Schweriner Umweltpolitik kontraproduktiv. Die Wirksamkeit der unter Wasser gesetzten Polder und Brüche in Sachen Natur- und Klimaschutz wird bewusst überzogen dargestellt – allerdings sei das Gegenteil vielmehr Realität. Für den Naturschutz und die Artenvielfalt bringt die Wiedervernässung von Poldern und Brüchen keine positive Entwicklung: „Es ist nichts da, was vorher nicht da war – aber vieles weg, was vorher da war“, erklärt Chudy. Eine echte Moorbildung bringe die Vernässung der Niederungen keinesfalls. In den überfluteten Gebieten setzt sich Unvergährbares als Faulschlamm ab, Vergährbares wird zu Biogas (Methan) umgesetzt. Letzten Endes werden daraus
stinkende Flachwasserseen und Brutstätten für Schad-
insekten.
Negative Auswirkungen hat die „Naturierung nach Schweriner Art“ für die Bewohner in den angrenzenden Gebieten. Infolge der Überflutung steigt Grundwasserspiegel. Vollgelaufene Keller und Schäden an Gebäuden sind die Folge. Für zahlreiche Bewohner in Rosenhagen, Bugewitz und auf dem Kamp sei dies leidvolle Realität. Den gesamten ökonomischen Schaden beziffert Chudy auf mehrere 100Millionen Euro. Seiner Berechnung zu Grunde gelegt hat er den Ausfall der Erträge von den unter Wasser gesetzten landwirtschaftlichen Nutzflächen, den Totalverlust von bisher 1500 Hektar Wald, Fehlinvestitionen von 40 Millionen Euro sowie den Wertverlust durch zerstörte Infrastruktur.
Mit der Anzeige an die EU verbindet der Verein die Bitte, dass Brüssel eine Untersuchungskommission einsetzen möge, die eine gründliche Analyse der bisherigen Renaturierungsmaßnahmen in Vorpommern vornimmt. Allerdings verbindet Arthur Chudy keine überschwänglichen Hoffnungen mit der Anzeige: „Was das auslöst, kann man noch nicht sagen. Wir werden auf jeden Fall nachhaken!“

Kontakt zum Autor:
j.foetzke@nordkurier.de
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