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Schulbücher: Kommen sie diesmal wieder aus dem Osten?

VonGabriel Kords

Schulbücher für 170000 Euro wird der Kreis in diesem Jahr kaufen.
Doch gehen die Aufträge diesmal an Buchhändler aus der Region – oder liefert am Ende wieder eine Firma aus dem Westen? Die Antwort der Verwaltung ist ein leidvolles: „Das wissen wir auch noch nicht.“

Vorpommern.„Schulbücher auszuschreiben ist so ziemlich das sinnloseste, was man machen kann“, sagt Annegret Sellnau. Sie muss es wissen, denn sie ist in der Vergabestelle des Landkreises in Anklam unter anderem für die Ausschreibung der Schulbücher zuständig. Wie bei jeder Ausschreibung bittet der Kreis für die neuen Schulbücher zunächst jeden, der will, um ein Angebot und entscheidet sich dann für das günstigste. Bloß: Die Schulbücher sind an Buchpreise gebunden – insofern ist jedes Angebot am Ende gleich hoch. Das Ganze ist also ziemlich sinnlos, „aber der Gesetzgeber will es so“, sagt Sellnau.
Im vergangenen Jahr hatte die Ausschreibungs-Praxis zur Folge, dass die Buchhändler aus dem Landkreis bei den Aufträgen leer ausgingen – und das bei einem Auftragsvolumen von knapp 200000 Euro. Ein stolzes Sümmchen für so manchen leidgeplagten Buchhändler in vorpommerschen Kleinstädten.
Doch wird dieses Jahr alles besser? Die Ausschreibung fürs kommende Schuljahr ist gestern zu Ende gegangen, in den kommenden Tagen will der Kreis entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. „Wir dürfen die lokalen Buchhändler nicht bevorzugen“, stellt Sellnau klar. Auch an der neuen Ausschreibung durften sich Anbieter aus ganz Deutschland beteiligen. Allerdings habe man sich bemüht, „die Kriterien so zu formulieren, dass die Schulen schnell und persönlich betreut werden“, sagt Sellnau. Damit die Buchhändler auch wissen, dass die Ausschreibung läuft, hat der Kreis die Ausschreibung in diesem Jahr nicht nur in einschlägigen Ausschreibungsblättern veröffentlicht, sondern auch in einem lokalen Anzeigenblatt.

Mehrere Buchhändler
haben sich beteiligt
Für Buchhändler Walter Graupner aus Eggesin war das ein Glücksfall: „Wir sind auf die Ausschreibung aufmerksam geworden und haben uns auch beteiligt.“ Doch für die Buch-Experten aus der Region sind die Formalien relativ schwierig: Erst müssen die Unterlagen beim Kreis angefordert werden, wofür extra fünf Euro Gebühr auf ein Kreis-Konto eingezahlt werden müssen. Danach muss ein umfangreiches Angebot mitsamt allerlei Nachweisen erstellt werden. „Ich habe ein ganzes Wochenende dafür gebraucht“, erzählt der Eggesiner Buchhändler. „Dann habe ich die Unterlagen per Einschreiben abgeschickt und jetzt hoffe ich.“
Seine Strasburger Kollegin Anette Görl war da weniger erfolgreich: Sie hat die Unterlagen ebenfalls angefordert, sie aber nicht vor Ablauf der Frist erhalten. Ob sie oder der Kreis einen Fehler gemacht haben, darüber kann sie nur spekulieren. Ohnehin klagt sie: „Für kleine Händler wie uns ist es ohnehin schwer, so große Aufträge zu behandeln. Ich habe daher den Buchhändlern aus der Region den Vorschlag gemacht, sich gemeinsam als Bietergesellschaft zu beteiligen. Doch viele haben die Flinte ins Korn geworfen, weil das alles viel zu kompliziert ist.“
Am Ende müssen die Kreis-Buchhändler dann übrigens auch noch Glück haben: Wer alle Kriterien erfüllt, kommt in einen Lostopf. Danach werden drei Buchhändler für jeweils einen Teil der Ausschreibung ausgelost. „Das ganze Verfahren ist reichlich absurd“, findet Walter Graupner. „Eigentlich wäre die Politik am Zug, diesen Unsinn zu beenden.“

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