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So passen Rollstuhl und Holzschuh zusammen

Auch holländische und polnische Tanzgruppen beteiligten sich am Loitzer Tanzfest und dem Umzug durch die Stadt. Die Holzschuh-Träger gaben sogar am Postplatz eine kleine Kostprobe.  FOTO: Stefan Hoeft
Auch holländische und polnische Tanzgruppen beteiligten sich am Loitzer Tanzfest und dem Umzug durch die Stadt. Die Holzschuh-Träger gaben sogar am Postplatz eine kleine Kostprobe. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Das gab‘s in Loitz noch nie: Über den Asphalt der Ortsdurchfahrt klapperten eine ganze Schar Holzschuhe, begleitet von Musik, niederländischen und polnischen Fahnen. Grund war ein Internationales Tanzfest, bei dem neben Folklore auch Rollstühle ihren großen Auftritt hatten.

Loitz.Tanzen ist Vielfalt und Lebensfreude. Und verbunden mit Musik eine so universelle Kombination, dass es wohl keinen Menschen gibt, der ohne beides auskommt. Egal ob nun geistig oder körperlich behindert oder ganz „normal“ mit seinen zwei Füßen im Leben stehend und tanzend. Einen eindrucksvollen Beweis dafür lieferte das vergangene Wochenende in Loitz, wo die örtliche Tanzgruppe ein „Internationales Fest des Musizierens, Tanzens und Gesangs mit behinderten Künstlern und Künstlern ohne Handicap“ ausrichtete. „Es ist so wichtig, gerade in der heutigen Zeit gegen Vorurteile anzukämpfen, sei es gegen Rassendiskriminierung, Völkerfeindschaft und Behindertenfeindlichkeit“, sagte Cheforganisatorin Barbara Meier. „Mit unserem Fest treten wir den Beweis an, dass es mit Liebe, Freundschaft und gegenseitiger Achtung möglich ist, gemeinsam so ein Event zu gestalten.“
Wieviel Spaß das gemeinsame Tanzen gehandicapten Menschen macht, das erfährt und fördert sie schon seit längerem. Denn neben ihrer seit Jahrzehnten bestehenden Tanzgruppe leitet sie mittlerweile auch ein Ensemble mit Hobbykünstlern aus den Demminer Peenewerkstätten, einer Behinderteneinrichtung. Nun konnte in der Loitzer Peenetalhalle eine breite Öffentlichkeit sehen, mit wie viel Freude und Stolz diese Männer und Frauen bei der Sache sind – und mit wieviel Gefühl. Und während ihre Schützlinge eher folkloristisch daher kamen, präsentierten andere aus dem Unternehmen ihr Line-Dance-Programm.
Auch die „Tanzmäuse“, Jungen und Mädchen aus der Demminer Südmauer-Kita, machten ihre Aufwartung, hinzu kamen die Tanzgruppe aus Remlin und „Opanken“ aus dem niedersächsischen Wilhelmshaven. Und auf der Musikbühne rockten und begeisterten „Die Wilden Wölfe“, eine Band aus der Behindertenwerkstatt Grimmen.
Zeitweise wurde es wortwörtlich abgefahren auf der Tanzfläche, machten doch die „Rolling Twisters“ von der Greifswalder Sportgemeinschaft ihre Aufwartung. Erfolgreich bei nationalen und europäischen Wettbewerben, zeigten sie dem Publikum in Loitz, dass selbst ein Rollstuhl kein Grund ist, nicht Tanzen zu „gehen“. Und Spaß haben diese Akteure sichtlich sowieso.
Jahrzehnte internationale Tanzerfahrung „importierten“ die Peenestädter an diesem Tag zudem aus Polen und den Niederlanden, allerdings in sehr unterschiedlichen Altersklassen. Das seit rund einem halben Jahrhundert existierende Ensemble „Poltex“, benannt nach einem früheren großen Textilbetrieb in Lodz, schickte eine mit farbenfrohen Trachten gekleidete Abordnung junger Leute nach Vorpommern, während die Foklore-gruppe „Wiej Schotst Vedan“ aus Gelderland in schwarz-weißer Tracht ihre Omas und Opas hätten sein können. Auf der Bühne und daneben indes strahlten die Holländer mitunter sogar mehr Frische aus, legten beim Festumzug am frühen Nachmittag auf Höhe der Post obendrein eine viel beklatschte Tanzeinlage hin. Und wer weiß, vielleicht war das ja nicht der letzte Besuch tanzender Menschen aus diesem Nachbarland Deutschland. Denn die Männer und Frauen mit ihren Holzschuhen befanden sich in Vorpommern sozusagen auf Erkundungstour für ihren Verband.

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