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Sonnige Aussicht fürs arme Tutow?

Aus der Vogelperspektive: Tutow wartet mit einem der größten Solarparks weltweit auf. Und die Gemeinde hofft, dass die Steuern von dort künftig ihre ewigen Sorgen ums liebe Geld beenden. [KT_CREDIT] FOTO: Stefan Hoeft/Archiv
Aus der Vogelperspektive: Tutow wartet mit einem der größten Solarparks weltweit auf. Und die Gemeinde hofft, dass die Steuern von dort künftig ihre ewigen Sorgen ums liebe Geld beenden. [KT_CREDIT] FOTO: Stefan Hoeft/Archiv

Rettet der riesige Solarpark auf dem ehemaligen Militärflugplatzgelände Tutow bald die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommune und verschafft ihr künftig wieder Spielraum für Investitionen? Diese Frage stellen sich derzeit die Gemeindeväter, verknüpft mit großen Hoffnungen. Ausgelöst hat das Ganze ein frisch in die Jarmener Kämmerei geflatterter Finanzbescheid. Demnach bekommt Tutow 2013 erstmals Steuern aus dem Ertrag der Solarkraftwerke vor seiner Tür, von rund 37 000 Euro ist die Rede. Gerade noch rechtzeitig, wie Bürgermeister Hans-Peter Littmann gegenüber dem Nordkurier verdeutlicht: „Nur mit dieser Summe ist es möglich gewesen, den Haushalt wieder rund zu kriegen.“ Heute Abend soll er dann verabschiedet werden.
Wobei der Gemeindechef und seine Abgeordneten diese Zitterpartie mittlerweile mehr als zur Genüge kennen. Wohl kaum eine Kommune balanciert seit Mitte der
1990er-Jahre so konstant am finanziellen Abgrund wie Tutow, das einst komplett neu als Siedlung für den von der Luftwaffe aus dem Boden gestampften Flugplatz entstand. So weder Stadt noch Dorf, weder mit Ackerland noch mit viel Gewerbe und Industrie ausgestattet, kann der Ort an vielen Förder- und Steuertöpfen nicht teilhaben die anderen zur Verfügung stehen. Und trägt zudem die Lasten eines sozialen Brennpunktes. Sprich für freiwillige Ausgaben ist schon lange kein Geld mehr da, Baumaßnahmen gibt es höchstens auf Sparflamme.
Da sah es die Gemeinde als beste Lösung an, nach vielen vergeblichen Industrieansiedlungsversuchen weite Teile des Flugplatzareals für die Fotovoltaik-Nutzung freizugeben und sich für ihre eigenen Flächen dort wenigstens Pachterlöse zu sichern, immerhin rund 50000Euro jährlich. „Wir haben auch immer nur mit der Pacht gerechnet“, meinte der Bürgermeister. Doch nach dem jetzigen Steuerbescheid könnte die in absehbarer Zeit fast in den Hintergrund rücken. Schließlich geht es bei den besagten 37 000 Euro lediglich um den Solarpark Tutow I, mit 6,8 Megawatt Leistung eher klein für die Verhältnisse in Tutow, dass weltweit zu den größten Sonnenkraftwerken zählt. Denn die Hunderttausenden Fotovoltaik-Module dort liefern zusammen weit über 50 Megawatt.
Was vor Ort nun groß rechnen und träumen lässt: „Wenn es auch dafür so viel Steuern gibt, wären das locker 300 000 Euro mit der Pacht zusammen“, weiß Littmann. Gesetzt jedenfalls, es bleibe bei der 70:30-Gewerbesteueraufteilung für den in Mainz sitzenden Betreiber. Und dann müsste Tutow nicht mehr wie gerade jetzt überlegen, ob es sich leisten kann, die Gartenstraße zu Ende zu bauen oder alle Schlaglöcher auf seinen Straßen auszubessern. Gleichwohl machen Kämmerei und Littmann auch einen dicken Wermutstropfen solcher Steuerzahlungen aus: Wegen der verbesserten Einnahmesituation könnte das Land später die Schlüsselzuweisungen kürzen.

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